Schützen : Ein König in Rekordzeit

Königsschütze und Schützenmeister verbindet eine gemeinsame Geschichte: Michael Pientka (l.)  wurde 2007 von Kelvin Stapelfeldt zum König geschossen.
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Königsschütze und Schützenmeister verbindet eine gemeinsame Geschichte: Michael Pientka (l.) wurde 2007 von Kelvin Stapelfeldt zum König geschossen.

Peter "de Stadtwieser" Büchert ist neuer König der Gelben Westen. Königsschütze: Michael Pientka.

shz.de von
22. Mai 2013, 07:22 Uhr

eckernförde | Es war Punkt 17.29 Uhr, als der Königsschuss fiel, und damit hat die Bürger schützengilde von 1570 gestern bewiesen, dass sie sich auch beeilen kann. Traditionell hatten die Mitglieder am Strand auf Höhe der Stadthalle am Nachmittag reihum auf den bunten Holzvogel, den Papagoy, angelegt, der auf einer Stange hoch über dem Sand thronte. Traditionell dauert es allerdings auch etwas länger, bis der Vogel vom Himmel fällt. Doch gestern genügten dafür 331 Schüsse, bis auch das letzte Stück des Torsos von der Stange fiel.

Ihn hatte Michael Pientka abgeschossen, der damit Peter Büchert zum neuen König machte. Wie jedes Jahr war der neue Regent über eine verdeckte Liste ermittelt worden. In Anspielung auf seine Tätigkeit als Stadtführer erhielt der 72-Jährige den plattdeutschen Beinamen "de Stadtwieser". Er löste die Majestät Günter "den Hilfreichen" Hudemann ab, der aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen konnte.

Weshalb in diesem Jahr der Königsschuss so ungewohnt pünktlich fiel, dafür hatte so mancher schnell eine Erklärung parat: Der Dauerregen soll es gewesen sein, der viele Gildebrüder zur Eile und schließlich in trockene Räume trieb. Doch für Schützenmeister Kelvin Stapfelfeldt stand fest, dass es die Treffsicherheit der Schützen war - und ein wenig die Windstille, denn "der Wind lenkt die Kugeln ab".

Geschossen wurde wie in jedem Jahr mit Scheibenbüchsen aus dem 19. Jahrhundert. Das Kaliber 8.15 Millimeter (Durchmesser) x 46 Millimeter (Länge der Hülse) hinterließ große Löcher in dem Vogel, dessen Erlenholz sich wacker schlug. Besonders stolz zeigte sich Stapelfeldt auf die Gewehre. "Normalerweise machen zwischendurch immer mal einige von ihnen Probleme. Diesmal haben sie alle durchgehalten." Selten habe es ein so tolles Vogelschießen gegeben.

Peter "de Stadtwieser" Büchert ist seit 37 Jahren Mitglied in der Bürger schützengilde. Vor drei Jahren gab er den Königsschuss ab und verhalf damit Gunter Haß ins Regentenamt. Schon öfter hatte er Teile des Papagoyenvogels abgeschossen und dafür jeweils einen Silberlöffel erhalten. Als König bekommt er nun eine Kelle, was den Gildevorsitzenden Jörg Czarnowski zur Bemerkung anregte: "Jetzt, wo Ihr auch eine Kelle habt, könnt Ihr uns mal zur Suppe einladen. Löffel habt Ihr ja genug."

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