Ein kleiner Diamant aus Silikon

Gründeten Firma in Kenia: (v.li.) Julie Weigaard-Kjar, Maxie Matthiessen und Veronica DSouza.
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Gründeten Firma in Kenia: (v.li.) Julie Weigaard-Kjar, Maxie Matthiessen und Veronica DSouza.

Osterbyerin will mit dem "Ruby Cup" Mädchen und Frauen in Afrika helfen

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30. September 2011, 07:26 Uhr

Osterby/Kenia | Ihr Studium "International Business Politics" an der Universität in Kopenhagen hat Maxie Matthiessen vorerst auf Eis gelegt. Die 27-jährige Osterbyerin hat gemeinsam mit ihren dänischen Kommilitoninnen Veronica DSouza (27) und Juli Weigaard-Kjar (30) in Kenia/Nairobi ein außergewöhnliches Projekt gestartet und ihre erste Firma mit dem Namen "Makit" gegründet, um ein soziales Problem in Afrika anzupacken.

"Die Menstruation ist ein tabuisiertes Thema in vielen Ländern", beruft sich Maxie Matthiessen auf eine Studie von Unicef. "Viele Mädchen können sich keine Tampons oder Binden leisten und aus Scham bleiben sie während dieser Zeit - eine Woche pro Monat - der Schule oder dem Arbeitsplatz fern. Das führt dazu, dass die Mädchen dem Unterricht nicht mehr folgen können, daraufhin ihre Prüfungen nicht bestehen. "Das hat negative wirtschaftliche Konsequenzen für Kenia und negative Folgen für die wirtschaftliche Entwicklung Kenias und vor allem für die Gleichstellung von Frauen und Männern. Auch in punkto Hygiene seien die Folgen dramatisch, denn oftmals griffen die Frauen in der Not zu anderen, weniger keimfreien Utensilien.

Eine Alternative zu Tampons oder Binden ist der Menstrual Cup ("Menstruations-Tasse"), ein Produkt aus Silikon, das bereits in Amerika und Europa verkauft wird - allerdings zu einem Preis von bis zu 35 Dollar, unerschwinglich für die Frauen der Entwicklungsländer. "Der Menstrual Cup kann bis zu zehn Jahre benutzt werden, sagt die Osterbyerin. Er werde einfach nach der Verwendung geleert und ausgekocht. Zudem sei er sicherer als ein Tampon und enthalte keine Bleichmittel. Aber auch ökologisch sei der Menstrual Cup ein Meilenstein, verbraucht doch jede Frauen in ihrem Leben bis zu 11 000 Tampons, die auf dem Müll landen.

Das Patent für diesen Silikon-Becher ist aber längst ausgelaufen, so dass Matthiessen und ihre Freundinnen das Produkt neu entwickelt und ihm ein neues Designs verpasst haben- unter dem Namen "Ruby Cup". "Der Name Rubin soll ausdrücken, dass die Frauen, die ihn besitzen, etwas sehr Wertvolles haben", erläutert Matthiessen.

Vor allem ist es ihnen gelungen, diesen kostengünstiger zu produzieren und damit auch für Frauen in Länder der Dritten Welt erschwinglich zu machen. An ihrer Uni in Kopenhagen gewann das Team den ersten Preis mit der Gründung ihrer sozial-ökonomischen Firma. Aber auch das dänische Außenministerium wurde auf sie aufmerksam und gratulierte zum besten Business-Plan. Als Startkapital gab es dann 20 000 Euro von der schwedischen Entwicklungsorganisation SIDA.

Aber die Markteinführung des Ruby Cup bringt noch weitere positive Entwicklungen mit sich. Wir wollen damit Arbeitsplätze schaffen", betont die 27-Jährige. Die Silikonprodukte sollen von Frauen verkauft werden, ähnlich dem Tupperware-Prinzip. Ein Dollar sollen die Frauen pro verkauftem "Ruby Cup" erhalten. Dadurch erzielen sie ihr eigenes Einkommen. "Gleichzeitig schaffen wir einen Raum", betont die junge Firmengründerin, "in dem Frauen über tabuisierte Themen sprechen können. Die Frauen, auch "Ruby-Women" genannt, sollen in Gesundheitsfragen ausgebildet werden, um Fragen beantworten zu können. Produziert wird das Produkt derzeit in China. Doch auch hier ist geplant, Herstellung und Verpackung nach Kenia zu verlegen. Der Verkauf des Ruby-Cups ist auch in weiteren Ländern, zunächst Ostafrikas, geplant.

Doch bis dahin müssen Matthiessen, DSousa und Weigaard-Kjar noch einige bürokratische Hürden meistern. "Uns fehlt die Zusage des "Kenian Bureau of Standards", um den Ruby-Cup verkaufen zu dürfen, berichtet Matthiessen. Das Genehmigungsverfahren für das Produkt ziehe sich zäh in die Länge. Dabei können sich die drei vor Anfragen kenianischer Frauen kaum retten, doch ihnen seien die Hände gebunden. Auch eine Stiftung hätte schon angefragt, wollte 5000 Stück kaufen, um diese an Schulen zu verteilen. Geld, das die Firmengründerinnen dringend gebrauchen können, denn das werde allmählich knapp.

"Wir hatten schon immer den Traum, die Welt zu verbessern", sagte Maxie Matthiessen über sich und ihre beiden Geschäftspartnerinnen. "Wir wollten, dass Firmen nicht Verursacher sozialer Probleme sind, sondern ein Teil der Lösung liefern."

www.facebook.com/pages/Ruby-

Cup/173508669380896

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