zur Navigation springen
Eckernförder Zeitung

23. November 2017 | 01:13 Uhr

Ein Jahr ohne Kühlschrank und Müllabfuhr

vom

shz.de von
erstellt am 10.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Altenholz | Das Mobile aus Recyclingmaterial über dem Fenster zum Garten, der Fisch aus Speckstein und die Tonfigur auf der Anrichte - Geschenke und Mitbringsel aus Kisumu in Kenia erinnern Isabell Eischeid daran, dass sie gerade erst von ihrem einjährigen Bundesfreiwilligendienst im Ausland zurückgekehrt ist. Die hohen Temperaturen haben es ihr leicht gemacht, sich in den Alltag in Deutschland einzufinden, der ihr erstmals nach acht Jahren für längere Zeit erhalten bleibt.

Ihr Abitur hatte die 25-Jährige in Norwegen gemacht, ihren Bachelor in Biologie und Geographie in Kanada. Den Master möchte sie nun an der Uni Hohenheim in Stuttgart machen, Fachrichtung Landwirtschaft und Umweltschutz. Darüber ist sich die Altenholzerin während ihres Einsatzes für Artefact, einem gemeinnützigen Zentrum für nachhaltige Entwicklung, klar geworden. In Büros rund um den Victoriasee sichtete sie digitale Karten von landwirtschaftlichen Flächen, brachte Ordnung ins System und pflegte neue Karten ein. Außerdem wies sie Mitarbeiter an den verschiedenen Standorten in die Nutzung ein. "Das Jahr hat mir fachlich sehr viel gebracht, mehr als ich erhofft hatte", sagt Isabell Eischeid. Sie sei komplett eingespannt gewesen, habe die ganze Woche durchgearbeitet.

Untergebracht war sie in einem Quartier in einer ärmeren Gegend von Kisumu. "Sicherheitsleute gab es da nicht. Aber ich habe gearbeitet wie die Leute dort auch und war integriert", beschreibt die Studentin. Nach einiger Zeit habe sie sich mit den Einheimischen sogar in ihrer Sprache, Luo, verständigen können. Ein normales europäisches Spülklo und eine Dusche hatte ihre Wohnung, dafür aber keinen Kühlschrank. Das sei zunächst anstrengend gewesen, gesteht Isabelle Eischeid, die durch die Umstände auf Milchprodukte komplett verzichtete. Um so mehr genoss sie das frische Obst und Gemüse, das sie auf einem kleinen Markt direkt vor der Tür zu kleinsten Preisen kaufen konnte. Gewöhnungsbedürftig sei es gewesen, Plastikverpackungen zu meiden und nur solche zu kaufen, die recht dick und im Kenya Innovation Center zu kleinen Kunstobjekten wie ihrem Mobile verarbeitet werden können. Biomüll kam auf den Kompost, Restmüll wurde im Büro gesammelt - in einem Jahr kamen gerade mal zwei kleine Tonnen zusammen. Üblicherweise verbrennt jeder seinen Müll selbst.

Neben der Arbeit baute Isabell Eischeid mit zwei Kollegen einen Wettbewerb ähnlich Jugend forscht (www.innovatekenya.org) auf. Das Finale läuft jetzt am Wochenende, so dass sie noch viele Mails aus Kenia bekommt. Auch hält sie Kontakt mit einer Kollegin in ihrem Alter. Einen Nachfolger hat Artefact bislang nicht gefunden. Eischeid hofft, dass sich noch jemand findet, der bewandert mit geographischen Informationssystemen oder Statistik ist und ihre Arbeit fortführt. Sie selbst kann sich vorstellen, noch einmal für ein Projekt nach Kenia zu gehen, innerhalb ihres Masterstudiums zu etwas zu forschen und die geknüpften Kontakte zu nutzen. Zunächst aber geht es in Schwabenland, worauf sich die Altenholzerin freut. Und obwohl sie Deutschland nicht verlässt, gesteht sie: "Das ist nochmal was ganz Neues."

Wer Interesse hat, die Arbeit von Isabell Eischeid in Kenia fortzusetzen, meldet sich bei Artefact, Tel. 04631/61 16 0, E-Mail info@artefact.de./www.artefact.de.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen