Eckernförde : Ein Heim für Drachen und Wollewusel

Sabine und Ralf Rahier  lassen auf der Carlshöhe Puppen zum Leben erwecken. Foto: smz
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Sabine und Ralf Rahier lassen auf der Carlshöhe Puppen zum Leben erwecken. Foto: smz

Sabine und Ralf Rahier eröffnen Figurentheater mit Dauerausstellung auf der Carlshöhe

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13. März 2012, 06:33 Uhr

Eckernförde | Maskenwesen, Karikaturen, Clowns, Stoffstreifenmonster, Drachen, Wollewusel und andere Fabelwesen sind in das Atelierhaus 60 auf der Carlshöhe eingezogen: eine fabelhafte Welt voll märchenhafter Gestalten. Sie ist erdacht und zum Leben erweckt von "Figuren-Zaubermeister" Ralf Rahier, begleitet von seiner Frau Sabine. Die Dauerausstellung wurde am Sonntag in Carls Showpalast eröffnet und ist als exquisite Sammlung - mit der Anmutung eines kleinen Museums - zu besichtigen.

Marlies Greifenberg hieß die beiden "Neuen" im Kreise der Künstler und Ateliers auf Carlshöhe herzlich willkommen. Sabine und Ralf Rahier arbeiten bereits seit vier Jahren in ihrer Wahlheimat Hüttener Berge/ Eckernförder Bucht an der Gestaltung dieser Theaterfiguren-Ausstellung. Nun war es so weit, Bühne frei - das gelungene Projekt konnte an die Öffentlichkeit übergeben werden.

Wortloses Theater: Zum Themenschild "Liebe" krabbelte ein doppelköpfiges rotes Wusel aus der Kiste und trieb Schabernack. So richtig in die Herzen spielte sich allerdings der kleine Pic. Sein Charme, die Köstlichkeit seiner jungenhaften Bewegungen eroberte alle Zuschauer sofort. Und als ihn sein Herr und Meister auch noch Seifenblasen pusten ließ, hatten wohl alle erfahren, was das Unwiderstehliche am Figurentheater ausmacht. "Tauche ein in die Welt des Figurentheaters" hatte es in der Einladung geheißen. Eingetaucht erfuhr man eine ausdrucksstarke Kunst, anrührend sensibel, wie gemacht, um Menschenseelen zu streicheln.

Nach dem Leisen das Massive: Ralf Rahier stellte auf der Bühne unter anderem einen riesigen Drachen vor, der acht Menschen braucht, um "lebendig" zu werden. Im Anschluss ergab sich die Gelegenheit, die neuen Ausstellungsräume im Atelierhaus 60 zu begutachten und seine vielfältigen Exponate zu betrachten. In der Werkstatt gab es viele Köpfchen, Hand- und Fingermodelle, Wollfarben, Werkzeuge und "tausendfach" Materialien zu entdecken. Und schaute man nach oben, sah man in ein wohlgeordnetes Gewirr von Gehkreuzen hinein, mit denen der Meister seine fertig gestellten Figuren zum Leben erweckt.

Beim Rundgang durch die angrenzenden Räume konnte man sich nicht des Eindrucks erwehren, man befinde sich in einem liebevoll ausgestatteten Museum. In gut ausgeleuchteten Nischen und Schaukästen präsentieren sich nicht nur Fabelwesen, Clowns, Harlekins, die Mainzer Hofsänger und andere Charakterfiguren. Auch in ihrer Fremdartigkeit bestechende Marionetten aus China und kostbare Stabfiguren aus Indonesien informieren über die weltweite Vielfalt der "ferngelenkten Wesen".

Mit großer Freude und Begeisterung begleitete Ralf Rahier die Besucher in dieser allerersten Führung durch sein Träume-Reich. Dabei gab es noch viel zu erzählen, und eine Anekdote folgte der nächsten. Rahiers Liebling Pic ist mit ihm schon bald um die ganze Welt geflogen - stets im Handgepäck, damit ihm nichts zustößt. Schwierigkeiten beim Sicherheitscheck an den Gates kann man leicht nachvollziehen, denn was man beim Röntgen im Kasten sah, gab zu Misstrauen durchaus Anlass.

Ralf Rahier ist Kunsterzieher, Spielpädagoge, Marionettenbauer, -spieler und -sammler. Er beschäftigt sich seit1960 mit Figurentheater. Seit 1988 ist er Mitglied der internationalen Puppenspiel-Organisation "Unima".

Langfristig sind im Atelierhaus Carlshöhe Märchenstunden, Workshops und Kurse im Werkstattatelier "Phantasie an Fäden" geplant. Rahiers Ziel ist es, über die Mannigfaltigkeit und Universalität des Figurentheaters zu informieren: "Welche andere Kunstform könnte besser unsere eigene Fantasie und die unserer Kinder wecken, zu kreativem Tun und natürlichem Spiel anregen?" Bei allen Völkern der Welt gebe es Puppenspiel, "hier verschmelzen immer wieder neu alle bildenden und darstellenden Künste."

. Öffnungszeiten: Bis zum 16. März täglich von 14 - 17 Uhr, danach zunächst nur sonntags. Führungen nach Absprache unter Tel. 0179/ 720 63 91

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