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Menschenwürdiger Wohnraum : Ein Heim für Asylbewerber: Gettorf setzt ein Zeichen

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Gemeinde stellt Asylbewerbern, einem jungem Paar aus dem Iran, eine gemeindeeigene Wohnung zur Verfügung. Amtsdirektor Matthias Hannes Meins und Bürgermeister Jürgen Baasch hoffen, dass andere Gemeinden aus dem Amtsbereich dem Beispiel folgen

Sie sind jung, gebildet und hoch motiviert, sich in Deutschland zu integrieren. Wegen ihrer religiösen Überzeugung mussten Reza und seine Frau Amineh ihr Heimatland, den Iran, verlassen. 20 Monate hat der 29-Jährige in der Sammelunterkunft für Asylbewerber des Amtes Dänischer Wohld in Schinkelerhütten gewohnt. Die 27-jährige Amineh ist im November nach Deutschland gekommen. Zunächst wurde sie in der Sammelunterkunft in Rendsburg untergebracht. Seit heute bewohnt das junge Paar gemeinsam eine kleine Wohnung im Gettorfer Ortskern. Gettorfs Bürgermeister Jürgen Baasch hat sich den Weckruf des Flüchtlingsbeirats, sich verstärkt für menschenwürdigen Wohnraum für Asylbewerber einzusetzen, zu Herzen genommen. „Wir als größte Gemeinde im Dänischen Wohld wollen ein Zeichen setzen und stellen eine gemeindeeigene Wohnung für Asylbewerber zur Verfügung“, sagte Baasch, als er gestern gemeinsam mit Amtsdirektor Matthias Hannes Meins und der Flüchtlingsbeauftragten des Amtes, Svantje Gnutzmann, das Paar im Amt begrüßte.

Zwar nur rund 20 Quadratmeter groß, aber mit Küche, Bad und Privatsphäre – Reza möchte nicht mehr in die Sammelunterkunft nach Schinkelerhütten zurück. Auf Englisch erzählt er von der Isolation in dem abgelegenen Ortsteil, von der mangelnden Gelegenheit, die deutsche Sprache überhaupt zu hören und von fehlenden öffentlichen Nahverkehrsmöglichkeiten. Nach Auskunft von Amtsdirektor Meins sind noch acht Asylbewerber in Schinkelerhütten untergebracht, nachdem ein privater Vermieter einer vierköpfigen Familie aus Mazedonien seit heute eine Wohnung in Gettorf zur Verfügung stellt. „Aber da wir vom Kreis eine prognostizierte Quote von 31 neuen Asylbewerbern für 2014 zugewiesen bekommen haben, brauchen wir auch in Zukunft dringend Wohnraum“, so Meins.

Der Amtsausschuss habe aufgrund des Hilferufs des Flüchtlingsbeirats dem Amt Ende des vergangenen Jahres den politischen Auftrag gegeben, sich verstärkt für die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum einzusetzen, um eine dezentrale Unterbringung der Menschen zu ermöglichen. Das bekräftigte auch Bürgermeister Baasch. Seine Vision: „Es ist wünschenswert, dass alle Asylbewerber dezentral untergebracht werden können.“ Außer mit Gettorf steht das Amt auch mit der Gemeinde Lindau im Gespräch zwecks Bereitstellung von Wohnraum im Ortsteil Revensdorf.

Es sind das Leben in Freiheit, Demokratie und Frieden mit all seinen Entfaltungsmöglichkeiten, was die jungen Raner aus Teheran an Deutschland schätzen. Schon ab nächster Woche wollen der studierte Argraringenieur und Fotojournalist und die Softwareentwicklerin und Umweltingenieurin, die auch Lehrerin für Arabisch und Englisch ist, einen Sprachkursus besuchen, um möglichst schnell Deutsch zu lernen. Beide gehören der religiösen Bewegung Erfan Keyhani an, die aus mehreren Glaubensrichtungen, wie Islam, Christentum und Buddhismus, Elemente in sich vereinigt. Eine Tatsache, die im Iran als Lästerung Allahs betrachtet und aus diesem Grund verfolgt wird.

Ihre und die dezentrale Unterbringung aller Asylbewerber wäre nicht nur zum Vorteil letzterer, sondern bringe auch dem Amt finanzielle Vorteile, so Meins. Das rund 100 Jahre alte Gebäude in Schinkelerhütten sei energetisch gesehen eine teure Unterbringung. Auch die Kosten für die gesetzlich vorgeschriebenen Brandschutzmaßnahmen in der drei Wohnungen und elf Einzelzimmer, einer Gemeinschaftsküche sowie Gemeinschaftsbad und WC umfassenden Sammelunterkunft bekommt das Amt nicht erstattet. „Wir bekommen die Kosten nur erstattet, wenn eine Wohnung oder ein Zimmer belegt ist“, so Meins. Die Miete für die Wohnungen werden dem Amt vom Kreis aus Bundesmitteln erstattet.

„Feeling is much better“, beschreibt Reza die Freude über die eigene Wohnung in Gettorf. Ehefrau Amineh und er hoffen in Kürze auf einen positiven Bescheid hinsichtlich ihres Status. Denn beide wollen gern in Deutschland und in Gettorf bleiben.

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erstellt am 01.Feb.2014 | 07:36 Uhr

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