zur Navigation springen

Friedrich Andreas Faber : Ein Grabstein geht auf Wanderschaft

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Foto-AG der Heimatgemeinschaft entdeckt Grabstein für Friedrich Andreas Faber wieder.

Eckernförde | Die AG „Foto-Dokumentation“ der Heimatgemeinschaft hat ein fast vergessenes Denkmal wiederentdeckt: den Grab- und Gedenkstein für Friedrich Andreas Faber, Planer der Alten Bauschule an der Kieler Straße Süd. Den Hinweis für diese Exkursion gab Christina Pohlmann, die ehemals für den „Baltic Sea International Campus“ in der neuen Bauschule gearbeitet hat.

Faber (geboren 1836) war Zimmermeister und wurde auf der Bauschule Höxter zum Architekten und Lehrer ausgebildet. Bei der Gründung der ersten Baugewerkschule Schleswig-Holsteins hatte sich die Stadt Eckernförde für Germano Wanderley und Friedrich Faber als Architekten entschieden. Am 2. November 1868 begann der Unterrichtsbetrieb im Werkstattgebäude einer Tischlerei, Kieler Straße 36 bis 38, im Herbst 1870 wurde der Erweiterungsbau eingeweiht, 1877 ein weiterer Anbau fertiggestellt, der dem Gebäude sein heutiges Aussehen gab. Friedrich Faber plante und unterrichtete von 1868 bis zu seinem Tode 1891.

Professor Peter Genz, Bauschullehrer seit 1971 und Prorektor, berichtet, dass nicht-beamtete Lehrer finanziell nicht gut abgesichert waren und nach der Pensionierung vom Ersparten leben mussten. So konnte die Ehefrau von Friedrich Faber keinen aufwendigen Grabstein aufstellen – dies übernahmen die Schüler Fabers und vermerkten am Sockel des Denkmals: „Dein Leben und Streben verbürgen ein würdiges Andenken. Dankbare Schüler setzten diesen Stein.“ Das Denkmal stand zuerst am Grab Fabers auf dem Mühlenberg-Friedhof und wanderte nach Umstrukturierung des Friedhofs und Auflösen älterer Gräber auf das Gelände der ab 1958 errichteten Neuen Bauschule. Seit Einstellung der Lehrtätigkeit an der „Staatlichen Ingenieurschule für Bauwesen Eckernförde“ geriet der Stein in Vergessenheit, die gesamte Liegenschaft wurde von dem gemeinnützigen Wohnungsbauunternehmen GWU gekauft und für ein neues Wohngebiet vorbereitet. Als Abrissarbeiten auf dem Gelände die wertvolle Erinnerung an einen der Gründungsväter der einzigen Hochschule Eckernfördes zu gefährden drohte, sorgte Ex-Minister Klaus Buß, der neue GWU-Vorsitzende, persönlich für die Sicherheit des Grabmals.

Die AG „Foto-Dokumentation“ hielt das inzwischen in Buschwerk eingewachsene Denkmal nicht nur mit der Kamera fest, sondern bemühte sich auch um seine Versetzung, denn die Neubaumaßnahmen werden bald beginnen. Unter der Moderation von Dr. Heinrich Mehl, Vorstandsmitglied der Heimatgemeinschaft, wurde das Einverständnis des Kirchengemeindeverbands Eckernförde zu einer Verlegung auf den Mühlenberg-Friedhof eingeholt. Klaus Buß jedoch favorisiert einen Standort an der Alten Bauschule in der Kieler Straße. Die Stadtverwaltung hat zugesagt, das Denkmal in den kommenden Monaten zu betreuen und hat mit den notwendigen Abstimmungen mit Kreis und Denkmalpflege begonnen.

Den Transport von Neuer Bauschule zum Friedhof übernimmt kostenlos die Firma Angelo Santus. Firmenchef Marco Santus und Seniorchef Angelo Santus, aus einem seit 1907 in Eckernförde beheimateten Terrazzo-Betrieb, sehen eine Verpflichtung, das wertvolle Erinnerungsdenkmal aus dem 19. Jahrhundert zu bewahren. Helfen wird das THW, das den entsprechend großen Kran besitzt. So findet sich durch die Zusammenarbeit mehrerer engagierter Ämter, Vereine und Bürger eine neue Heimat für den Gedenkstein von Friedrich Andreas Faber.

Zur Überraschung der AG „Foto-Dokumentation“ wurde bei einem weiteren Besuch der Liegenschaft, versteckt im Buschwerk an einem Abhang, ein zweites interessantes Denkmal wiederentdeckt: ein Findling, in den ein mächtiges Kreuz eingemeißelt ist. Die Inschrift lautet: „Unseren Helden. 1914 - 1918“. Ergänzt wird sie durch zwei in den Stein geritzte Symbole, die noch nicht vollständig gedeutet werden konnten. Das vierspeichige Rad und ein auf dem Kopf stehendes Dreieck wirken wie runenähnliche Zeichen der Bauhandwerker und könnten auch Alpha und Omega also „Anfang“ und „Ende“ bedeuten. Wahrscheinlich wurde dieser Stein von Lehrern und Schülern der Bauschule geschaffen, die damit an die im Ersten Weltkrieg eingezogenen und gefallenen Kollegen und Kommilitonen erinnern wollten. „Auch dieses Denkmal darf nicht durch die kommenden Bauarbeiten gefährdet werden und gehört an eine passende Stelle wie etwa dem Wäldchen am Exer mit seinen Erinnerungssteinen an Kriege des 19. und 20. Jahrhunderts“, so Heinrich Mehl.


Karte
zur Startseite

von
erstellt am 20.Nov.2015 | 05:52 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen