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Seltenes Ehejubiläum : Ein glückliches Paar seit 70 Jahren

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Magda und Franz Seibert feiern heute Gnadenhochzeit. Ihr Erfolgsrezept: „Wenn man Streit hat, muss man sich abends wieder versöhnen“. Das Paar lebte lange in Kochendorf, seit kurzem im imland-Seniorenhaus in Eckernförde.

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erstellt am 12.Aug.2014 | 06:10 Uhr

Mit einer Fahrradkette fing alles an. Sie war Magdalena Seemann abgesprungen, als sie von Eckernförde nach Friedensthal zum elterlichen Hof fahren wollte. Süße 19 Jahre war sie alt, und sie wollte nach einem Kinobesuch wieder nach Hause. Doch Rettung nahte: Franz Seibert (20) aus Marburg kam vorbei, zog die Kette wieder auf und begleitete das Mädchen zu Fuß noch ein Stück. Da war es um beide geschehen. 71 Jahre ist das jetzt her. 1943, also mitten im Krieg, fanden sie die Liebe auf den ersten Blick. Heute feiern Magda und Franz Seibert ihre Gnadenhochzeit. 70 Jahre Ehe liegen hinter ihnen.

Schon wenige Tage nach ihrem zufälligen Kennenlernen besuchte der Soldat die Bauerstochter. „Ich war damals an der Flak in Westerthal stationiert und bin zu Fuß nach Friedensthal gegangen.“ Zufällig waren die Eltern nicht da, und Magda melkte gerade die Kühe. „Da habe ich mich dazu gesetzt und geholfen.“ Das kam beim zukünftigen Schwiegervater wohl nicht schlecht an – es gab nie Einwände gegen den künftigen Schwiegersohn. Auch längere Trennungszeiten brachten das junge Glück nicht auseinander. Franz Seibert wurde nach Sylt versetzt, konnte seine geliebte Magda nur selten sehen. „Zuerst bekamen wir gar keine Genehmigung zu heiraten“, erinnert er sich. Schließlich klappte es doch noch: Am 12. August 1944 gaben sie sich in Eckernförde das Ja-Wort – bei Regen und Fliegeralarm. Danach ging es gleich wieder zurück nach Sylt. Elf Tage später brachte Magda Seibert ihre erste gemeinsame Tochter zur Welt.

Eine schwere Prüfung durchlebten beide, als Franz Seibert nach Frankreich versetzt wurde und in Gefangenschaft geriet. 1946 kam er zurück. Zu dem Zeitpunkt hatten sie sich zwei Jahre nicht gesehen. Fortan lebten sie auf dem elterlichen Hof in Friedensthal und freuten sich über die Geburten von zwei weiteren Mädchen und zwei Jungs. Mittlerweile können sie auf zwölf Enkel und acht Urenkel stolz sein.

Erst 1960 zogen sie in eine Doppelhaushälfte in Kochendorf – selbst gebaut. Franz Seibert arbeitete zunächst als Holzfäller im Windebyer Wald, später dann als Schrankenwärter und Streckenläufer bei der Bundesbahn. In Eckernförde war er verantwortlich für die manuell betriebene Schranke am Domstag. Magda Seibert kümmerte sich derweil um die Kinder und den Haushalt. Ein Auto haben beide nie gehabt. Alles wurde mit dem Fahrrad oder dem Bus – und natürlich der Bahn – erledigt. Bis März lebten die beiden in Kochendorf. Dann sind sie in die imland-Seniorenhaus am Krankenhaus gezogen. „Hier gefällt es uns gut“, sagen sie. Franz Seibert war als leidenschaftlicher Fußballspieler 1947 einer der Gründer des Sportvereins Kochendorf. „Mit Armeestiefeln haben wir am Anfang gespielt“, erinnert er sich.

Auf das Geheimnis einer glücklichen Ehe angesprochen, muss Magda Seibert nicht lange überlegen: „Wenn man Streit hat, muss man sich abends wieder versöhnen.“ Dabei ergänzt sich das Ehepaar hervorragend: Er der impulsive Hesse, sie die ruhige und ausgleichende Norddeutsche – ganz offensichtlich eine gute Mischung.

Ihren 70. Hochzeitstag begehen Magda und Franz Seibert heute um 10.30 Uhr mit einem Dankgottesdienst in der Kapelle zu Westerthal. Anschließend feiern sie mit Familie, Freunden und ehemaligen Nachbarn im Koseler Hof. Ihre Wünsche für die Zukunft: „Wir wollen gesund und noch ein bisschen länger zusammen bleiben.“

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