zur Navigation springen
Eckernförder Zeitung

26. September 2017 | 11:03 Uhr

Interview : Ein glorreicher Anfang

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Funkhauskonzert mit Gloria in Kiel. Klaas Heufer-Umlauf und Mark Tavassol im Interview mit der EZ-Jugendredaktion

shz.de von
erstellt am 23.Apr.2014 | 05:31 Uhr

Klaas, erstmal vorne Weg: Wie hoch ist die Hemmschwelle jemanden anzusprechen, der vorher schon jede Menge Alben verkauft hat?
Klaas: Das war ja nicht der erste Kontakt. Wir waren schon länger befreundet. Es hat aber seine Zeit gedauert, bis ich auf Mark zugegangen bin. Vorher habe ich ihm natürlich ein paar Songs geschickt, die ich mit Leuten aus Hamburg aufgenommen hatte. Es war also eine langsame Entwicklung bis zur Band.
Mark: Das ist unter Musikern nicht selten, dass solche Anfragen mal kommen. Bei Klaas und mir war das so, dass wir uns durch gemeinsame Hamburger Freunde schon gekannt haben. Als er mich dann gefragt hat, hab ich gedacht: mal sehen, das könnte durchaus was werden. Er ist ja auch ein selbstbewusster Typ.

Klaas, würdest du dich selbst als Musiker bezeichnen?
Klaas: Also die Bezeichnung Musiker würde ich mir noch nicht auf meine Visitenkarte drucken lassen – aus Respekt vor studierten Musikern. Sonst könnte ich auch sagen: Ich bin Schauspieler, Schmuckdesigner, Moderator und Entertainer. Ich beschäftige mich einfach mit Musik und bin, ganz sachlich gesehen, Sänger in einer Band.

Klaas, du trittst auf vielen Bühnen auf, du engagierst dich sozial und hast gerade den Grimme-Preis gewonnen. Jetzt singst du auch noch. Musste das sein?
Klaas: Ja, offensichtlich. Das musste irgendwie raus. Ich entschuldige mich schon mal in aller Form bei denjenigen, die das Album nicht so toll finden. Aber es gibt halt auch welche, denen es gefällt.
Es ist mir wichtig, dass unsere Musik für sich alleine steht und nicht mit meinen sonstigen Tätigkeiten in der Öffentlichkeit in Verbindung gebracht wird. Wir haben vielleicht einen kleinen Vorteil dadurch, dass die Bekanntheit schon vorher da war, allerdings erzeugt diese auch einen gewissen Druck.

Hast du noch Lampenfieber?
Ja. Diese Angst ist aber nicht schlecht, man ist dann konzentrierter bei der Sache. Auf Konzerten hilft Nervosität, um auch mal abzuschalten und alles, was einen sonst noch beschäftigt auf der Bühne vergessen zu können. Allerdings darf sie nicht zu groß sein, dass da oben gar nichts mehr geht. Das ist mir auch schon passiert. Man darf die Angst nicht unterdrücken, man muss sie zulassen, sonst nimmt sie überhand.

Wie kam der Bandname zustande?
Klaas: Das war eine sehr unemotionale Entscheidung. Es ist nicht einfach, einen deutschen Bandnamen zu finden, der seriös und neutral wirkt und einem nicht peinlich ist. Entschieden haben wir uns dann für den Namen eines Bistros in Hamburg, von dem wir uns während der Arbeit an unserem Projekt mit Lebensmitteln versorgt haben.

Woher nehmt ihr eure Inspiration und wer hat den größeren Anteil an den Songs?
Mark: Wir dachten zuerst, dass Klaas das Texten mehr liegt und mir mehr das Kompositorische, aber dem war nicht so. Inspirierend können Musik, aber auch Filme sind. Oft sind es Gedanken, bei denen man sich ertappt. Diesen Gedanken nehmen wir als Grundlage für einen Song und spinnen ihn gemeinsam weiter. Textzeilen, die aus der Unterhaltung heraus entstanden sind, versuchen wir am Klavier musikalisch zu untermalen. Somit entwickelt sich auch der Text immer weiter.

Ich habe den Eindruck, dass bei eurer Art der Aufnahme sehr viel Liebe und Herzblut drinsteckt und dass es auch nicht glattpoliert rüberkommt. Täusche ich mich da?
Mark: Das Besondere ist, dass es fast gar keine Tasteninstrumente gibt. Es gibt nur zwei oder drei Passagen in denen überhaupt eine Taste gedrückt wird. Fast alles, was man hört, sind Gitarren. Wir haben darauf geachtet, dass es alte Instrumente und Verstärker sind, so 60er bis 70er Jahre. Die Sounds, die man auf der Platte hört sind auch nicht aus einer Postproduktion heraus entstanden, sondern sind spezielle Gitarreneffekte, die so aufgenommen wurden. Manchmal klingt es zwar nach einem Keyboard, ist aber trotzdem eine Gitarre.

Wie ist das Feedback aus dem Kollegenkreis?
Mark: Innerhalb meiner Band (Wir sind Helden) ist es ja schon länger bekannt, dass Klaas und ich Musik machen. Und die sind auf jeden Fall immer sehr neugierig, was bei uns gerade so los ist. Sie waren auch auf einem unserer Konzerte. Das ist sehr angenehm. Ich höre mir auch gerne an, was sie gerade machen. Generell sind wir froh, wenn wir Rückmeldung bekommen. Gerade jetzt bei unserer Platte wollen wir natürlich wissen, wie sie ankommt.

Was ist der größte Unterschied zwischen "GLORIA" und "Wir sind Helden"?
Mark: Der Unterschied für mich ist, dass "Wir sind Helden" in einer Zeit entstanden ist, in der ich überhaupt noch keine Ahnung hatte, wie eine Band funktioniert und was alles damit zusammen hängt. Das hat für mich eine gewisse Einmaligkeit. "GLORIA" hat deshalb für mich etwas Nostalgisches. Ich fühl mich an die Anfänge erinnert, ohne dass für mich alles neu ist. Trotzdem kann man beide Bands nicht miteinander vergleichen. Beide haben ihren Reiz.

Ist das Projekt auf Langfristigkeit angelegt auch wenn "Wir sind Helden" wieder an den Start gehen sollte?
Mark: Unsere Konzerte sind im Moment noch recht kurz. Eine Stunde und fünfzehn Minuten ist für uns eine sehr unbefriedigende Zeit. Auf jeden Fall fühlt sich das mit GLORIA alles gut an. Die Lust, Musik zu machen, ist von beiden Seiten da und das Einzige, was wir sagen können, ist, dass wir zur Zeit nicht damit aufhören wollen. Es sieht so aus, als würde es so weitergehen wie bisher. Was mit "Wir sind Helden" wird, kann ich auch noch nicht sagen.

Zum Schluss noch eine Frage: Habt ihr schon Groupies?
Klaas: Nein, aus dem Alter Groupies zu haben, sind wir raus. Dafür muss man eher im Tokio-Hotel-Alter sein. Diejenigen, die von uns wilde Geschichten erwarten, muss ich leider enttäuschen.
Es gibt Bands, die das nur machen um einmal diesen Rock'n'Roll Lifestyle zu haben, aber das ist nicht unser Bestreben. Wir freuen uns alle, wenn wir mal eine Nacht durchschlafen können.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen