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Gefährliche Hunde : Ein Gesetz und seine Folgen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Amt Dänischer Wohld erreichen zunehmend Anzeigen über gefährliche Hunde / Polizei und Ordnungsamt appellieren an Vernunft

Gettorf | Wann ein Hund als gefährlich gilt, ist im Gefahrhundegesetz genau geregelt. Es nimmt keine Rücksicht auf die Rasse, und auch einen Ermessensspielraum gibt es für das Ordnungsamt nicht, wenn bestimmte Situationen eingetreten sind. Unter Umständen komme es so auch für Hunde zur Anwendung, die das Gesetz eigentlich gar nicht meint, hat Matthias Meins, Direktor des Amtes Dänischer Wohld, festgestellt und mahnt Hundehalter zur Vor- und ihre Mitmenschen zur Nachsicht.

Das Gesetz wurde 2005 geschaffen, um der so genannten Kampfhunde Herr zu werden, erklärt Meins. „Die Fälle, die uns erreichen und unter das Gefahrhundegesetz fallen, haben damit aber gar nichts zu tun“, sagt Meins weiter. „Es geht um Alltagssituationen, in die jeder Hundebesitzer geraten kann“, fügt Polizeihauptkommissar Dirk Reimer von der Polizeistation Gettorf hinzu. Ein Beispiel: Zwei Hunde treffen unangeleint aufeinander, geraten in eine Rauferei, bei der einer gebissen wird. Der Halter des verletzten Hundes zeigt den Fall an – das Gefahrhundegesetz greift. Wird dabei ein Mensch verletzt, der die Rauferei womöglich nur beenden wollte, und die Polizei wird gerufen, steht eine Straftat im Raum: fahrlässige Körperverletzung durch Unterlassen. „Man kann nicht davon ausgehen, dass alle Hunde sich miteinander vertragen“, mahnt Reimer, selbst Halter von drei Hunden, und empfiehlt, den eigenen Vierbeiner nicht überall hinlaufen zu lassen und genau im Blick zu haben. Das ist nicht nur ratsam, wenn man auf andere Hunde trifft, sondern auch in der Begegnung mit Spaziergängern oder Joggern. „Es gibt Menschen, die Angst haben vor Hunden. Wenn sie angesprungen werden aus Freude, kommt das nicht unbedingt auch so an“, erklärt der Hauptkommissar.

Auch wenn ein aufgeschrecktes Rebhuhn den Jagdinstinkt eines Hundes weckt und er reagiert, lässt das Gefahrhundegesetz keine Interpretation zu. „Dann kann ein Hund für gefährlich erklärt werden, obwohl er der netteste Familienhund ist“, gibt Meins zu bedenken.

Weil bei Martin Hackauf im Ordnungsamt zunehmend Fälle landen, in denen die Strenge des Gesetzes ausgenutzt werden soll, um Nachbarschaftsstreitigkeiten auf dem Hunderücken auszutragen, appelliert Meins an die Bürger, ehrlich zu überdenken, ob der Hinweis auf Gefährlichkeit eines Hundes begründet ist. „Die Menschen müssen sich klar sein über die weit reichenden Folgen“, macht Meins deutlich. Dazu gehören der achtfache Steuersatz, eine höhere Haftpflichtversicherung, genereller Leinenzwang, das Tragen eines hellblauen Halsbandes und eines Maulkorbs sowie die Erlaubnis für den Besitzer, den betreffenden Hund weiter halten zu dürfen. „Ist die Gefährlichkeit einmal festgestellt, ist der Hund für den Rest seines Lebens stigmatisiert“, sagt Meins. „Ich kenne kein Gesetz, das so strikt ist in einem allgemeinen Bereich unseres Lebens.“

Martin Hackauf prüft die eingehenden Fälle genau, hört die Beteiligten und mögliche Zeugen, bevor er eine Entscheidung trifft. Bei neun Tieren hat er bisher eine Gefährlichkeit festgestellt, bei 26 konnte sie nicht belegt werden. Eine Fibel mit Tipps zum richtigen Umgang mit Hunden ist wie der Knigge der Hundehaltung bei ihm erhältlich.

 

Rechtliche Rahmenbedingungen der Hundehaltung im Überblick:

Kotentfernung

Hundeführer sind verpflichtet, unverzüglich den Kot ihrer Hunde zu entfernen. Dafür wurden in vielen Gemeinden Tütenspender aufgestellt. Entsorgt werden können die Tüten in der Restmülltonne oder in öffentlichen Abfallbehältern.

Aufsichtspflicht

Hunde sind so zu halten und zu führen, dass von ihnen keine Gefahren für die öffentliche Sicherheit ausgehen. Der Halter darf seinen Hund nur Personen überlassen, die  ihn sicher führen können. Für das Halten und Führen gefährlicher Hunde gelten besondere Pflichten wie die Erlaubnispflicht (der Halter hat nachgewiesen, dass er die erforderliche Zuverlässigkeit, persönliche Eignung und Sachkunde besitzt).

Halsbandpflicht

Außerhalb ihres Grundstücks müssen Hunde ein Halsband oder ein Halskette tragen mit einer Kennzeichnung, mit Hilfe derer der Halter ermittelt werden kann.

Steuermarke

Die Marke soll der Hund außerhalb des eigenen Grundstücks am Halsband  tragen.

Zutritt verboten

Hunde dürfen nicht mitgenommen werden in Kirchen, Kindergärten, Schulen und Krankenhäuser, in Theater, Kinos, Konzert-, Vortrags- und Versammlungsräume, Schwimmbäder, Kinderspielplätze und Liegewiesen.

Leinenzwang

Hunde sind anzuleinen bei öffentlichen Versammlungen, Aufzügen, Volksfesten, Menschenansammlungen,

bei Mehrfamilienhäusern auf Zuwegungen, in Treppenhäusern, in Aufzügen, in Fluren oder sonstigen von der Hausgemeinschaft gemeinsam genutzten Räumen,

in Fußgängerzonen, Haupteinkaufsbereichen, Straßen und Plätzen mit vergleichbarem Publikumsverkehr,

in Park-, Garten- und Grünanlagen  - ausgenommen Hundeauslaufgebiete.

 

 

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erstellt am 05.Feb.2015 | 06:00 Uhr

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