Ministerpräsident auf Sommertour : Ein frecher Steinbutt und heiße Bonbons

Rot und heiß – die Bonbonmasse, die Torsten Albig unter Anleitung von Hermann Hinrichs und Heike Herbst in Form bringt.
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Rot und heiß – die Bonbonmasse, die Torsten Albig unter Anleitung von Hermann Hinrichs und Heike Herbst in Form bringt.

Ministerpräsident Torsten Albig besucht auf seiner Sommertour das Ostsee Info-Center und die Bonbonkocherei.

shz.de von
30. Juli 2015, 05:31 Uhr

Eckernförde | Graue Jeans, kariertes Hemd in den Schleswig-Holstein-Farben, blaue Windjacke – der Ministerpräsident kam gestern Vormittag betont locker daher. In Eckernförde stand schließlich kein Staatsbesuch oder hochoffizieller Empfang auf dem Programm des Regierungschefs, sondern die Sommertour. Torsten Albig (SPD), der sich in den vergangenen Tagen in einem NDR-Interview als Fan der Kanzlerin geoutet und damit seinen Parteifreunden von der SPD kräftig vors Schienbein getreten hat, war die Freude über die Abwechslung deutlich anzumerken. Das mag auch an den beiden Eckernförder Institutionen gelegen haben, die seine Tourplaner Büroleiter Raju Sharma und Regierungssprecher Carsten Maltzan ihm in Abstimmung mit den Eckernförder Gastgebern ausgesucht hatten: das Ostsee Info-Center (OIC) und die Bonbonkocherei.

Kühles Meerwasser und kochende Bonbonmasse also waren die Zutaten des gestrigen Besuchs des mit seinem Stab und mehreren schwarzen Dienstlimousinen angereisten Ministerpräsidenten. Und es waren die richtigen Adressen, denn Albig verstand sich als interessierter Zuhörer meereskundlicher Themen sowie furchtloser Fütterer von Schollen und Krabben und Bändiger heißen Bonbonteigs.

Mit leichter Verspätung, aber gut gelaunt kam Albig an der Hafenspitze an. Bürgervorsteherin Karin Himstedt, die im Wirtschaftsministerium arbeitet, und Bürgermeister Jörg Sibbel nahmen den Ministerpräsidenten in Empfang und führten ihn zunächst mal auf die Green-Screen-Promenade, den „Walk of Fame“ der Naturfilmer mit den grauen Pflastersteinen der Preisträger des internationalen Naturfilmfestivals. Das brachte beim schleswig-holsteinischen Regierungschef nicht nur das bundesweit sehr bedeutende Ereignis auf geistige Wiedervorlage, sondern nötigte Albig auch Respekt für die gute Idee und Umsetzung ab. Nebenbei erläuterte der Bürgermeister dem Ministerpräsidenten, wie wichtig das Festival für Eckernförde und auch das Land ist – bekanntlich fließt aus Kiel nicht ein Euro zur Unterstützung von Green Screen.

Als die kurze Trockenperiode sich dem Ende neigte, ging es zügig ins OIC. Dort warteten Adrienne Günther und Hannah Sliwka auf Torsten Albig und sein Gefolge. Dort sind übrigens Landesmittel geflossen. Albig, der sich bei Seenadeln, Seeanemonen und Dorschen gut auskannte, lernte auch den Gefleckten Lippfisch kennen. Das Männchen lebt mit mehreren Weibchen und sondert Hormone ab, die die Geschlechtsumwandlung bei den Weibchen unterdrücken. Fehlen diese Botenstoffe, weil das Männchen gestorben ist, wachsen dem kräftigsten Weibchen männliche Geschlechtsorgane, die dann auch sofort die Rolle des Männchens einnimmt. Der Ministerpräsident staunte und schmunzelte über die „Drag-Queen“. Am großen Fühlbecken krempelte er sich gleich die Ärmel hoch, um sich der Unterwasserwelt zu nähern. Biologin Adrienne Günther hatte ein paar Muschel- und Shrimpshäppchen dabei, die Albig den hungrigen Schollen, Flundern und Krabben maulgerecht servierte. Ein kleiner, gut getarnter Steinbutt zwickte den MP in den Finger – die Runde und auch Albig hatten ihren Spaß. Umweltgeografin Hannah Sliwka instruierte den prominenten Besucher schließlich über die Bemühungen zum Schutz der Schweinswale, die in der Eckernförder Bucht besonders intensiv seien, weil auch die Fischer mitmachten. Gerade jetzt in der Schweinswalschonzeit würde nur die Hälfte der Stellnetze gesetzt. Das OIC überprüfe die Einhaltung mit Kontrollfahrten, sagte Hannah Sliwka. Jährlich würden an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste 150 Kadaver gefunden, die meisten wiesen Netzverletzungen auf.

Vorbei an der neuen Hafenspitze ging es dann in die Frau-Clara-Straße in die Bonbonkocherei von Hermann Hinrichs und Heike Herbst. Jacke aus, Handschuhe an. Muschelbonbons in den Schleswig-Holstein-Farben blau-weiß-rot stehen auf der Produktionsliste. Albig packt mit an. Die 150 Grad heiße Bonbonmasse wird hin–und hergewendet, mit Aromen und Fruchtsäure verfeinert, geknetet, zerschnitten, in dünne Stränge ausgerollt und blau-weiß-rot nebeneinander gelegt. „Unser Ministerpräsident gibt alles“, sagt Hermann Hinrichs dem Publikum hinter der Glasscheibe. „Die mögen das, die Roten, wenn ich sie knete“, scherzte dieser schlagfertig beim Durchwalken der immer noch 75 Grad heißen, roten Bonbonmasse. An Anspielungen mangelt es ohnehin nicht am Bonbontisch, Hermann Hinrichs („Der Ministerpräsident bringt Schleswig-Holstein in Form“) und Bonbonkocher Kai Rehder („Das erste Mal, dass es in Schleswig-Holstein richtig heiß wird“) legen immer wieder vor, Torsten Albig aber belässt es bei dem einen Spruch, arbeitet sehr konzentriert, führt die blau-weiß-rote Bonbonmasse sicher durch die 87 Jahre alte Muschelwalze, verteilt die Bonbons persönlich an die vielen Besucher und verabschiedet sich mit einem Küsschen bei Heike Herbst.

„Ich liebe Eckernförde schon lange“, sagt der Ministerpräsident der EZ. „Eine zauberhafte Stadt“, es sei eine Freude, wie sie sich weiterentwickle. „Eine Perle an der Ostsee. Weiter so. So ein Engagement wie hier brauchen wir.“

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