Klimale : Ein Festival statt Bedrohungsszenarien

Tonnenweise Seegras wird jedes Jahr an den Eckernförder Strand geschwemmt. Was für viele Strandbesucher ein Ärgernis ist, ist für Experten ein natürlicher Küstenschutz.
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Tonnenweise Seegras wird jedes Jahr an den Eckernförder Strand geschwemmt. Was für viele Strandbesucher ein Ärgernis ist, ist für Experten ein natürlicher Küstenschutz.

Das 2. Klimale-Festival rückt den Klimawandel in den Fokus. Veranstaltung rum um das Thema finden am 14. und 15. Juli am Strand und an der Hafenspitze statt. Seegras wird in diesem Jahr das Schwerpunktthema sein.

shz.de von
11. Juli 2015, 05:45 Uhr

Eckernförde | Um die Küste, den Klimawandel und die Kunst dreht sich nächste Woche alles auf der zweiten Klimale am 14. und 15. Juli. Der Klimawandel ist vielerorts bereits Realität – so auch in Schleswig-Holstein. Extremwetterlagen wie jüngst am vergangenen Wochenende und ein Anstieg des Meeresspiegels sind die Folgen. Klimawissenschaftler gehen davon aus, dass die Temperatur bis 2100 um mehrere Grad Celsius und der Meeresspiegel über einen Meter ansteigen werden.

„Die Klimale will nicht mit einem Bedrohungsszenario auf den Klimawandel aufmerksam machen, sondern mit Spielen, Kunst und Unterhaltung“, sagt Sandra Enderwitz vom Klimabündnis Kieler Bucht. Zum zweiten Mal veranstaltet das 2010 auf Initiative von Prof. Dr. Horst Sterr von der Abteilung Küstengeographie und Klimafolgenforschung der Universität Kiel ins Leben gerufene Bündnis in diesem Jahr die Klimale. Auftakt war 2014 in Laboe.

Nach Auffassung des 20 Ostseegemeinden umfassenden Bündnisses steht eines fest: Der Klimawandel lässt sich nicht mehr aufhalten. Die Konsequenzen können aber sowohl positiv als auch negativ sein. „Wir wollen auch auf die Chancen des Klimawandels hinweisen“, so Enderwitz. Vom trocknen und warmen Wetter im Sommer könne etwa der Tourismus in Ostseedestinationen profitieren. Das Credo des Bündnisses lautet daher: Dem Klimawandel durch Klimaanpassung begegnen. Der Klimaschutz rücke dabei in den Hintergrund und Maßnahmen wie die Klimale, die das Thema breit in der Öffentlichkeit platzieren und die Wahrnehmung der Menschen dafür stärken sollen, in den Vordergrund. Ziel der Initiatoren sei es die Klimale nun regelmäßig jährlich an wechselnden Ostseestandorten zu veranstalten, so Prof. Dr. Horst Sterr. Hinsichtlich der Finanzierung sei man mit der Landesregierung im Gespräch. Zurzeit bezuschusst das Umweltbundesministerium das Projekt. Vor Ort wurde die Eckernförder Touristik und Marketing GmbH (ETMG) mit ins Boot geholt.

Ob Podiumsdiskussionen, Kunst, Naturfilme im Strandkino, Konzerte oder Workshops – am 14. und 15. Juli erwartet Besucher ein umfassendes Programm (s. Info-Kasten). Schwerpunkt wird das Thema Seegras sein. Von vielen Strandbesuchern verpönt, wird es von Experten als natürlicher Küstenschutz, wertvolles Biotop und Dämmmaterial geschätzt. Der Eckernförder Künstler Rüdiger Ziegler wird mit einem Kunstprojekt am Strand den Anstieg des Meeresspiegels symbolisieren. „Mit solchen Aktionen kann das Thema plastischer dargestellt werden“, so Ziegler.

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