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Eckernförder Zeitung

19. August 2017 | 07:59 Uhr

Tempo 80 : Ein Fall für die Politik

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Lärmbelastete Anwohner stoßen politische Debatte an / Unverständnis über heraufgesetzte Höchstgeschwindigkeit

Mehr konnte Karl Agger, Anwohner in der Schleswiger Straße und einer der Leidtragenden der Tempo-80-Zone auf der vierspurig ausgebauten B 76 zwischen Noorstraße und alter Straßenmeisterei, kaum erwarten. Seine Beschreibung der erheblich stärker gewordenen Lärmbelastung der Anwohner im Kernschatten der Lärmschutzwand hat am Dienstagabend im Umweltausschuss gezündet. Das liegt in erster Linie am Ausschussvorsitzenden Edgar Meyn (Die Grünen), der Aggers Klagen als absolut berechtigt einstufte und eine politische Debatte daraus machte: Die Fraktionen mögen sich mit diesem Thema befassen mit dem Ziel, „das Problem zu lösen“.

Der frühere Mitarbeiter des Kirchenkreises Eckernförde wohnt zwischen Friedhof und Lärmschutzwand B 76 in der Schleswiger Straße und hat eine erhebliche Zunahme der Lärmbelastung durch die auf 80 km/h heraufgesetzte Geschwindigkeitsbegrenzung festgestellt. Die 80 km/h gelten nur auf dem 980 Meter langen Teilstück zwischen Noorstraße und Alter Straßenmeisterei. – ansonsten gilt 60 km/h als Höchstgeschwindigkeit. Karl Agger kann diese Heraufsetzung nicht nachvollziehen. „Sie bringt verkehrstechnisch überhaupt nichts“, so Agger. Dafür sei die Lärmbelastung „fast unerträglich geworden“, weil die Autos auf der Überholspur oft bis 100 km/h schnell führen, aber unmittelbar danach wieder auf 50 km/h oder sogar 30 km/h bei der Zufahrt auf die B 203 abbremsen müssten. Diese Problematik hatte er bereits in seinem Leserbrief „Über 100 km/h auf der Eckernförder Autobahn“ in der EZ vom vergangenen Dienstag ausführlich dargestellt.

Ordnungsamtsleiter Klaus Kaschke erklärte die Sache rechtlich. Durch die „hochabsorbierende Lärmschutzwand“ würde die Immissionsrichtwerte eingehalten, zitierte er aus einem Antwortschreiben des von Agger angeschriebenen Landesbetriebs Straßenbau in Rendsburg. „Solange keine neuen Zahlen vorliegen“, sei da wohl nichts zu machen. Im Übrigen gebe es auch anders lautende Aussagen, dass die Autofahrer trotz der heraufgesetzten Höchstgeschwindigkeit auf 80 km/h bei 60 km/h blieben. „Solche Behauptungen gibt es auch“, so Kaschke. Er könne nicht sagen, ob die lärmdämpfende Wirkung der Schutzwand falsch berechnet worden sei. Sein Vorschlag: Man könnte die Polizei bitten, auf diesem Streckenabschnitt Geschwindigkeitsmessungen durchzuführen, um zu belastbaren Ergebnissen zu kommen.

„Wir bleiben an dem Thema dran“, versicherte Ausschussvorsitzender Edgar Meyn. „Ich sehe die Problematik genau so: es wird schneller als 80 km/h gefahren.“ Angesichts des zunehmenden Verkehrs sei es „schwer zu begreifen“, was dieses 980 Meter kurze Teilstück mit einer höheren Geschwindigkeit bringen soll „außer zusätzliche Imissionen und zusätzlichen Lärm“.

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erstellt am 12.Mär.2015 | 06:32 Uhr

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