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Eckernförder Zeitung

23. Oktober 2017 | 18:10 Uhr

Wohnmobil XXL : Ein Eigenheim auf vier Rädern

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Helge Lienau fährt einen ausgebauten Reisebus, der schon in den USA und Rumänien eingesetzt wurde – Urlaub auf 25 Quadratmetern Eigenheim zum Mitnehmen.

shz.de von
erstellt am 25.Okt.2014 | 06:16 Uhr

Auf 25 Quadratmetern fristet so mancher Student sein Dasein und fühlt sich pudelwohl dabei. Und auch Helge Lienau ist mit seiner kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung zufrieden. Mit dem kleinen Unterschied, dass sie auf vier Rädern sitzt und er sie überallhin mitnehmen kann.

Ein Fan von Wohnmobilen ist der 42 Jahre alte Inhaber des Stahl- und Nirobauunternehmens im Goldammerweg wirklich nicht. „Ich bin ja nicht von so zarter Gestalt, dass ich in die normalen Mobilbetten von 1,80 Metern Länge passe“, sagt er. Tatsächlich misst er 1,98 Meter. Also musste etwas Größeres her. Vor zwei Jahren fand er, was er suchte: einen ausgebauten Reisebus, der schon in der halben Welt unterwegs war.

Der zehn Meter lange und 2,50 Meter breite Bus wurde 1985 als einer von vieren seiner Art von der Firma Neoplan in Bayern gebaut, zunächst mit 27 Liegesitzen. Preis: 360 000 Mark. Er wurde an einen Limusinenservice in den USA geliefert, wo ein Detroit Diesel mit sechs Zylindern (Zweitakt) eingebaut wurde. Nach acht Jahren und 140 000 Meilen kam er zurück nach Deutschland, wo er für den saudischen Markt aufgerüstet werden sollte. Tatsächlich wurde der große Bruder des Busses als Luxus-Karosse an den saudischen König verkauft.

Doch für das kleinere Modell kam es anders: Ein Schildermacher aus dem hessischen Solms kaufte das Gefährt für 50 000 Mark und baute es zu einem Wohnmobil um. 2008 übernahm ein Textilunternehmer den Wagen und setzte ihn als Messebus in Rumänien ein – bis Helge Lienau ihn auf einer Internetplattform sah und kaufte. „Eingetragen war er unter der Stadt Wuppertal, aber abholen musste ich ihn aus Rumänien“, erzählt er. Also flog er nach Siebenbürgen und trat von dort die 1900 Kilometer lange Fahrt nach Eckernförde an.

Wichtig vor jeder längeren Fahrt ist, den Bus durchzuchecken und auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Helge Lienau: „Du brauchst nicht zu glauben, dass du mal eben in eine Werkstatt fahren und sagen kannst: Mach das mal eben.“ Ersatzteile sind in Deutschland Mangelware. Immerhin ist der deutsche Bus mit seinem amerikanischen Motor in Europa einzigartig. „Man muss schon ein Schrauber sein, denn auf der Autobahn abgeschleppt zu werden, ist teuer.“

310 PS schieben das 15 Tonnen schwere und 3,55 Meter Hohe Gefährt über die Straßen, das nur mit einem LKW-Führerschein gefahren werden darf. Ausgerüstet ist es wie eine kleine Wohnung: Schlafzimmer, Wohnzimmer mit Kochnische, Dunstabzugshaube, Kühlschrank und Herd, Dusche und Toilette, Gasheizung, Klimaanlage, Satellitenschüssel und Solaranlage.

Für Helge Lienau und seine Familie ist der Bus ein Heim für unterwegs: „Ich fahre jedes Jahr mit meiner Frau und meinen beiden Kindern in den Urlaub“, so Lienau. Und auch, wenn der Bus 25 Liter Diesel auf 100 Kilometer verbraucht, sei das günstiger, als wenn sie in Hotels übernachten. „In diesem Jahr war ich schon in Kroatien, Frankreich und den Niederlanden mit dem Bus.“ Oft ernte er viel Aufmerksamkeit, die ihn gar nicht so sehr interessiert. „Ich finde die Geschichte des Busses interessant“, sagt er. Individualität statt Massenware. Und praktisch ist das Teil natürlich auch: Wenn alle Stricke reißen und zum Beispiel das eigene Heim abbrennt, könnte die Familie zunächst im Bus leben – auf 25 Quadratmetern.

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