Plattdeutsches Theater : Ein Donnerwetter in der Pension Sünnschien

Hier bestimme ich: Otto Salm (Joachim Thomsen)  erschreckt manchmal sogar seine resolute Frau Ida (Connie Thomsen).
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Hier bestimme ich: Otto Salm (Joachim Thomsen) erschreckt manchmal sogar seine resolute Frau Ida (Connie Thomsen).

Die Premiere der Theatergruppe der Plattdüütsch Gill mit ihrer neuen Komödie ist in der ausverkauften Stadthalle gut angekommen. Eine Gruppe von Senioren probt in der „Pension Sünnschien“ den Aufstand.

Arne_Peters-8499.jpg von
15. November 2013, 06:05 Uhr

In der „Pension Sünnschien“ herrschte am Mittwochabend alles, nur kein Sonnenschein: Die Theatergruppe der Plattdüütsch Gill feierte in der ausverkauften Stadthalle Premiere mit der Komödie von Karl Wittlinger und lieferte eine Vorstellung, die zu Recht mit viel Applaus belohnt wurde.

Vier Senioren warten in der Pension auf ihre neue Mitbewohnerin, nachdem deren Vorgängerin das Zeitliche gesegnet hat. Bissig herrschen sie sich an und lassen gleichzeitig kein gutes Haar an dem Ehepaar Salm, das die Pension leitet. Und tatsächlich: Besonders Otto Salm (Joachim Thomsen) ist ein cholerisches Ekelpaket, das die Bewohner nicht nur unterdrückt, sondern auch noch gegeneinander aufhetzt. Die Pension gleicht eher einem Gefängnis denn einer Seniorenresidenz.

Doch dann kommt Elfie Wohlsen (Margrit Thomsen), die den Laden aufmischt: Gerade aus dem Gefängnis entlassen, schockiert sie durch ihre saloppe Redensweise, will sie doch die Pension in einen „richtig schnuckeligen lütten Seniorenpuff“ ummodeln. Einen entscheidenden Vorteil hat sie: Erst vor kurzem hat sie geerbt, weshalb sich die Salms besonders um sie bemühen.

Doch damit ist bald Schluss, als die Neue mit Erotikbroschüren und Alkohol die in Angststarre verharrten Pensionsbewohner aus ihrer Lethargie rüttelt. Auf einmal begehren die Alten auf, und das Ehepaar Salm weiß sich nicht anders zu helfen, als die unbequeme Elfie bei der Polizei anzuschwärzen. Doch die hat noch ein Ass im Ärmel...

Mit der Komödie „Pension Sünnschien“ hat die Theatergruppe der Plattdüütsch Gill ins Schwarze getroffen: Die Geschichte ist zwar nicht besonders anspruchsvoll, doch die schauspielerische Leistung des Ensembles gleicht das mehr als aus und lässt den Theaterabend zu einem vergnüglichen und kurzweiligen Erlebnis werden.

Allen voran Margrit Thomsen, der die Rolle der frech-saloppen Elfie Wohlsen auf den Leib geschneidert ist. Im charakteristischen Bauarbeitergang fährt sie mit ihrer Kodderschnauze allen über den Mund („De möt wi düchtig in’n Mors petten.“). Sie bleibt dabei aber immer eine aus dem Volk, eine von uns, der die Zuschauer sofort ihre Sympathien schenken – Knasterfahrung hin oder her – und die mit ihren deftigen Sprüchen einen Lacher nach dem anderen landet.

Auch Hilde Schlotfeldt als Pensionsbewohnerin Henriette Borasch nimmt man von der ersten Sekunde die verstockte Spießerin ab, die ihren Mann Kurt (solide Leistung von Otto Schlotfeld) fest im Griff hat. Ausgezeichnet auch die schauspielerische Leistung von Ulla Tews, die als Mitbewohnerin Bella von Tadler die verarmte Starpianistin mimt. Sein komödiantisches Talent kann Holger Holling in der Figur des Pensionsbewohners Rene Meier-Raffael unter Beweis stellen und setzt als Paradiesvogel der Runde einen schönen Kontrapunkt zum grimmigen Otto Salms (Joachim Thomsen). Thomsen zeigt einmal mehr, dass er seine Rolle förmlich aus jeder Pore schwitzt. Er stellt den Pensionsleiter etwas überzeichnet dar, dass nur ein Blick von ihm genügt, um den Zuschauern zu vermitteln, wer hier der wirkliche Bösewicht ist. Und das, obwohl er ganz unter der Fuchtel seiner Frau Ida Salm steht: Connie Thomsen bringt die hinterlistige und dennoch überlegte Pensionsleiterin überzeugend rüber.

Die „Pension Sünnschien“ sollte jeder einmal besuchen, der gerne lacht und gute schauspielerische Leistungen sehen möchte.

>Die nächsten öffentlichen Vorführugen finden heute um 20 Uhr und am Sonntag um 18 Uhr statt.

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