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Eckernförder Zeitung

11. Dezember 2017 | 16:20 Uhr

Frau Jaschke : Ein Brühwürfel aus Eigenheiten

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Chefsekretärin Marlene Jaschke erklärt in der Stadthalle ihre Einstellung zum Leben, zur Liebe und zu ägytischen Männeraugen.

Eckernförde | Mensch, die Frau Jaschke – wie macht sie das nur immer? Sie hat sich gaaaaar nicht verändert. Guuuut sieht sie aus! Also, da kann man nur sagen: gute Geeeene. Und ein Händchen für Mode. So apaaaart, so piekfeiiiin, so korreeeekt: Tadelloses Kostümchen, der fesche Hut – nee wirklich. Alles immer sauber und adrett. Und das schon seit bald 30 Jahren im Beruf als Erbsenzählerin, äh, Chefsekretärin beim Schraubengroßhandel Rieger, Ritter, Berger & Sohn.

Aber von Anfang an: Dass die Stadthalle am Dienstagabend schon kocht, bevor die liebenswert-schrullige Schraubenliebhaberin aus „Hamburch“, Buttstraße 5b, überhaupt erst einen Fuß auf die Bühne gesetzt hat, lag an einem Missverständnis des Veranstalters: Der hatte die rechte Parkettseite der Stadthalle nicht gebucht, aber verkauft. So strömten viel mehr Menschen in den Saal, als Plätze da waren und beanspruchten ein und denselben Platz. Nach zehn Minuten war das Problem gelöst, Trennwand weg, Stühle hin, die 525 Zuschauer hatten einen Platz – fertig. Wer jetzt schlechter saß, war nicht „amused“, aber dafür war ja Frau Jaschke gekommen. Name des Programms: „Nie wieder vielleicht.“

Und Frau Jaschke hatte ihre eigenen Sorgen: Kauften sich doch Ägypter ein in ihre Hamburger Firma („Hachgoddel-neeneechen“). Sie könne doch gar kein Ägyptisch. Na ja, „Salamalaikum“, das schon. Fremdsprachen? Nööö. „Ich hatte nur meine Schrauben im Kopf!“ Und ihren Wellensittich Waltraud. Für den sie doch lieber die Leine aus Gummi anstelle der Leine aus Leder eingetauscht hätte. Es sei aber auch Sünde, och Mönsch nee, wie der Vogel so auf den Flügeln über den Boden geschlurrt sei, ja neee. Leder war wohl dann doch zu schweeeeer.

Aber dass Herr Konrad auf der Arbeit immer Sachen von ihrem Schreibtisch wegnähme, nee, das sei nicht in Ordnung. „Zum Beispiel meinen Bleistift. Wenn er ihn dann mal zurückbringt, ist er noch nicht mal angespitzt.“

Mehre Oktaven umfasst die vor Empörung bebende Stimme, Jaschke ist persönlich gekränkt. Wie respektlos das alles. Drama, Wut, Verzweiflung – sie bebt von Kopf bis Fuß, jede Faser ihrer beigen Dralonstrumpfhose scheint zu wispern: So. Geht. Es. Nicht.

Dieser Druck muss raus und so singt Marlene Jaschke. „Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen, Tod und Verzweiflung flammet um mich her.“ Die Arie der Königin der Nacht trifft ihre Gefühle auf den Punkt. Aber dass die Ägypter sich jetzt für ihre Schrauben interessierten, das sei ein Ding. „Vielleicht werden die Pyramiden bröckelig? Inschallah, Inschallah, Inschallah.“ Ihr Kollege, der hätte das Ereignis gefeiert – mit aufblasbaren Pyramiden habe er die Büroräume ausgeschmückt. Leise fügt sie hinzu, an ihrem Kostümchen nestelnd: „Ich hab da mal ne Spax-Schraube reingedrüüüüückt.“

Wobei, die Ägypter, der eine... „Der eine hatte einen Blick, oh, mmhh, der konnte gucken, huuuh, hach.“ Frühlingsgefühle im Kostümchen, Frau Jaschke? Sie erzählt vom deutschen korpulenten Wurstesser-Ehemann ihrer Freundin, dessen Hose ausgelassen werden müsse. Nur womit: „Nimm doch den Wimpel von eurem ollen Turnverein. Das merkt der nicht.“ Und nun habe die Hose folgende Beschriftung im Schritt: TSV Eimsbüttel, 1864.

Ihre Freundin hat ihren Mann schon vor 29 Jahren geheiratet. „Bis dass der Tod euch scheidet. Und nun warten sie.“ Sie selber habe sich mal verschossen, sie gesteht ihre Liebe zu einem Kollegen. Der sehe richtig gut aus. Ein Buchhalter erster Sahne sei er. „Er kommt aber nicht so in die Pötte. Mit mir auch nicht.“ Komisch, habe sie sich doch für ihn richtig in Schale geworfen. So ein schönes Kleid sei das gewesen, selbst gehäkelt.

Jutta Wübbe bzw. Marlene Jaschke ist ein Brühwürfel aus Eigenheiten und Sonderlichem, wie man es links und rechts im Alltag immer wieder zu sehen bekommt. Schön überzeichnet, schön schrullig, einfach liebenswert. Jaschke kann nicht singen, tut es aber gern. Sie kann sich nicht locker machen, glaubt aber, sie könne, und das übt sie fleißig in Atemkursen. Und locker, ist klar, macht sie auch ihr Eierlikörchen. Kurz: Jaschke ist klasse. Wir lachen ja alle mit ihr, nicht über sie, stimmt’s? Oder über ihre Witze: „Geht ein Dalmatiner zum Supermarkt, fragt die an der Kasse: Sammeln Sie Punkte?“ Dass sie am Ende den Glutaugen des ägyptischen Chefs verfällt, lässt hoffen. Sie ist zwar schrullig, aber eine Schrulle ist sie noch lange nicht. Über die Liebe sagt sie: „Ich war ja immer eine auf den zweiten Blick. Macht doch nix – Blick ist Blick!“ Dafür einen Witz zum Schluss: „Geht ein Indianer zum Friseur. Kommt er wieder raus, ist sein Pony weg.“

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