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Eckernförder Zeitung

23. Oktober 2017 | 16:04 Uhr

Abenteuer : Ein Borbyer in Alaskas Wildnis

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Harald Gross war mit dem Schlauchboot zwischen Bären und Lachsen unterwegs und hatte immer eine Eckernförder Zeitung dabei.

shz.de von
erstellt am 15.Aug.2015 | 06:20 Uhr

Eckernförde | Der Borbyer Harald Gross war vier Wochen lang mit drei Freunden in der Wildnis Alaskas. Von seinen Abenteuern berichtet er für die EZ.

Eine Landebahn gibt es nicht in der Wildnis. Hunter zeigt auf einen vor uns liegenden etwa 100 Meter langen Flussabschnitt und meint grinsend: „Wir können es hier mal probieren, haben aber nur einen Versuch, eh“. Er ist ein erfahrener Flieger, der bereits viele spektakuläre Starts und Landungen hinter sich gebracht hat. Und auch diese Landung mit dem Wasserflugzeug gelingt ihm. Das Abenteuer Alaska kann beginnen.

Mit zwei Rafting-Schlauchbooten einen Fluss im System des Kuskokwim Rivers im menschenleeren Südwesten Alaskas zu befahren und dabei den in die Flüsse aufsteigenden Lachsen entgegenzupaddeln, zu fischen und die unzähligen Bären (bärenreichste Region Alaskas) zu beobachten, hatten uns schon vor längerer Zeit vorgenommen. 40 Millionen Lachse steigen jährlich in Kuskokwimbay die Flüsse hinauf, um abzulaichen und zu sterben. Lachse werden im Süßwasser geboren und wandern später ins Meer. Danach kehren sie zum Laichen wieder an den Ort ihrer Geburt zurück. Anders als der nordatlantische Lachs, der vier- bis fünfmal laichen kann, sterben die pazifischen Lachse nach dem ersten Mal.

Einige Tage später liegen unsere beiden Schlauchboote gut vertäut am Ufer, die Zelte sind aufgebaut und wir stehen bereits zum Angeln im rasch dahinfließenden Wasser. Der „Run“ der Lachse ist voll im Gange, wie in einer unaufhörlichen Rush Hour. Wir werden teilweise sogar von ihnen angerempelt. Thomas fängt einen etwa vier Kilo schweren Dolly Varden, einen Saibling, der die Lachse begleitet und sich von deren Lachseiern ernährt. Wir haben eine Abmachung: Der letzte von uns, der einen Fisch fängt, muss kochen. Für mich ist das weniger schlimm, denn ich bin leidenschaftlicher Koch. Deshalb nehme ich auch immer eine Eckernförder Zeitung mit auf Reisen. Sie lässt sich hervorragend in einen „Dampfgarer“ verwandeln. Man nehme: einen frisch gefangenen Lachs. Nach dem Ausnehmen wird er etwas gesalzen. Die Zeitung, je nach Fischgröße etwa vier bis sechs Doppelseiten, wird einige Zeit gewässert. Danach wird der Fisch komplett darin eingewickelt und für rund 15 bis 20 Minuten in die Glut des Lagerfeuers gelegt. Die Hitze der Glut sorgt dafür, dass sich die Feuchtigkeit im Zeitungspapier erhitzt und den Fisch „dampfgart“. Wenn die ersten zwei bis drei Zeitungspapierschichten langsam verglimmen, ist der Fisch fertig. Beim Auswickeln bleibt die Haut des Lachses meist an der Zeitung kleben und vor einem liegt ein dampfender rosafarbener Lachs.

Einige Tage später begrüße ich eine Indianerin mit „Moin“, die prompt auf die selbe Art antwortet. Von Weitem sahen wir bereits den Lagerplatz am Fluss mit den zum Trocknen aufgehängten Lachsseiten. Ein derartiges Bild ist in dieser Jahreszeit nicht ungewöhnlich. Über ein Schöpfrad, ähnlich einer von der Strömung angetrieben Wassermühle, werden die gegen die Strömung schwimmenden Lachse direkt in die Hände der Fischer geschaufelt. Als die Frau mit „Moin“ antwortet, müssen wir beide lachen und Asja, eine Alaskan Native vom Stamme der Yupik, klärt mich auf: Das „Moin“ ist ein Überbleibsel von ihrem früheren Lebenspartner, einem deutschen Einwanderer aus Schleswig-Holstein.

Einige Flusskilometer weiter stoßen wir auf zwei Braunbären am Ufer. Bärenbegegnungen sind an der Tagesordnung, und obwohl die Bären in dieser Zeit eher auf Lachse fixiert sind, sollte man in höchstem Maße vorsichtig sein. Frank ist der Meinung: „Das Beste bei einem Bärenangriff ist immer noch weglaufen. Man muss ja nicht schneller als der Bär sein, nur schneller als der Tourenpartner.“ Derzeit treffen sich zahlreiche Bären an den Flüssen (Der Katmai Nationalpark hat die dichteste Grizzly-Population in Alaska), um sich für den kommenden Winter dick und rund zu fressen. Die zum Teil mehr als drei Meter großen Kolosse verschlingen pro Tag etwa 40 Kilo Lachs, wobei die Feinschmecker meist nur die fettesten Teile Haut, Hirn und Rogen entnehmen. Sie brauchen das Fett, damit sie sich mit etwa 100 Kilo mehr auf den Rippen in den Winterschlaf begeben können. Und auch die restliche Tierwelt hat keine Zeit zu verlieren. Schon im September wird sich der Winter wieder ankündigen. Überall ist die Tierwelt zu beobachten, und wir können uns nicht satt sehen an Karibu-Herden, an Fischadlern, die uns im Tiefflug fast streifen, an den fleißigen Bibern und an Fischottern. Nur auf die dichten Mückenschwärme, die uns manchmal überfallen, würden wir gerne verzichten.

Unsere gemeinsame Zeit in Alaska geht zu Ende. Wir genießen noch den letzten Abend am Lagerfeuer und lassen die vergangenen Tage bei Fireball Cinnamon Whisky und Kubanischen Zigarren (nur wegen der Mücken) Revue passieren. Morgen werden wir am vereinbarten Treffpunkt sein und unser Pilot Hunter bringt uns wieder zurück in die Zivilisation. Die Freunde fliegen wieder zurück in ihre Heimatländer, während ich noch einen Bekannten in der Gegend von Talkeetna besuche. Vielleicht klappt es diesmal, dass Karl May (er heißt wirklich wie der Schriftsteller) und ich in den Bergen auch mal Gold finden werden.

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