Tag des offenen Stützpunkts : Ein Blick hinter die Schotts

Fast Roping: Boardingkräfte seilen sich aus einem Hubschrauber auf die Fregatte „Hamburg“ ab. Fotos: Peters
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Fast Roping: Boardingkräfte seilen sich aus einem Hubschrauber auf die Fregatte „Hamburg“ ab. Fotos: Peters

2800 Besucher zählte die Marine gestern beim Tag des offenen Stützpunkts. Publikumsmagnet – neben den U-Booten – war die Fregatte „Hamburg“.

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09. August 2018, 06:37 Uhr

Eckernförde | Sie ist mit ihren 14 Jahren noch recht jung, weiß aber genau, was sie will, und wurde gestern gleich von mehreren Männern quasi im Sturm erobert: Die Fregatte „Hamburg“ war beim Tag des offenen Stützpunkts der Star unter den Marineeinheiten. Erstmals hatte sich mit seinen 147 Metern Länge eines der größten Schiffe der Deutschen Marine zu dem jährlichen Stelldichein am Eckernförder Stützpunkt eingefunden.

Weil sie gerade zur Gefechtsausbildung in der Ostsee ist, hat sich die Fregatte sozusagen einen Tag freigenommen, um den Besuchern einen Blick hinter die Kulissen zu ermöglichen. Dazu gehörte sowohl der 76-Millimeter-Geschützturm „Otomelara“ als auch die „Marineleichtgeschütze“ (ferngesteuerte Maschinengewehre) und natürlich die Kommandobrücke.

Dreimal stand die „Hamburg“ im Mittelpunkt, als sie von den Boarding-Kräften des Seebataillons per „Fast Roping“ geentert wurde. Dazu seilten sich die Soldaten von einem Hubschrauber auf das Schiff ab, was von den Besuchern gespannt verfolgt wurde.

Ebenfalls neu war in diesem Jahr die Präse

nz der Luftwaffe: Wartungsmechaniker Thomas Mastek erklärte den Besuchern anhand eines Tornado-Cockpits geduldig die Funktionen der einzelnen Anzeigen und Knöpfe. Und auch wie man schießt – das wollte zum Beispiel Maximillian Jens (9) aus Kaltenkirchen wissen, der mit seinen Eltern und seinem Bruder den Stützpunkt besuchte. Er interessierte sich zwar für die Funktion des Cockpits, zieht aber der Karriere des Piloten lieber die eines Fußballstars vor.

Ganz anders Angelina Löpelt aus Dresden. Die 14-Jährige informierte sich beim Stand des Sanitätsdienstes im Seebataillon über eine Karriere bei der Bundeswehr. Krankenschwester allein sei ihr zu wenig. „Ich brauche Action“, sagte sie. Und: „Ich möchte helfen.“ Die lebensecht aussehenden Schuss- und Sprengverletzungen, die Maat B.A. Mayte Just ihr an einem Kunststoffbein zeigte, brachten sie nicht aus der Fassung. Stattdessen ließ sie sich erklären, wie sie die Wunden im Ernstfall versorgen müsste.

Für den Standortältesten und Gastgeber Fregattenkapitän Bernd Ufermann ist der Tag des offenen Stützpunktes eine Gelegenheit, Werbung für die einzelnen Marineeinheiten zu machen. Egal, ob U-Boot-Fahrer, Wehrtechnische Dienststelle, Seebataillon oder Kampfschwimmer – „Sie alle suchen ständig Nachwuchs“, so Ufermann. „Hier stehen sie den Besuchern Rede und Antwort.“ Insgesamt 2800 Besucher zählte die Marine gestern – halb so viele wie in den vergangenen Jahren. Vielen dürfte es zu warm für einen Abstecher gewesen sein.

Der Marinestützpunkt Eckernförde umfasst zurzeit 1900 Soldaten und 500 zivile Dienstposten. Es sollen in den kommenden Jahren 500 weitere Dienststellen geschaffen werden. Dann wäre der Stützpunkt nach Wilhelmshaven personell der zweitgrößte Marinestandort in Deutschland. Zurzeit wird der Stützpunkt saniert und die Unterkünfte aufgestockt – insgesamt 400 Millionen Euro werden investiert. Ursprünglich sollten die Bauarbeiten im Jahr 2028 abgeschlossen sein. Doch nach Aussage von Bernd Ufermann wird das nicht zu halten sein: „Die Gebäudemanagement Schleswig-Holstein hat zu wenig Personal. Dadurch werden Vorgänge schleppend bearbeitet, was zu Verschiebungen von einzelnen Vorhaben führt.“

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