Borbyer Kirche : Ein Altar verändert sein Gesicht

James Cruikshank (2.v.li) ist der Regenbogenmacher. Architekt Günther Ferch (Mitte) überwacht die perfekte Pinselführung. Pastor Rainer Kluß googelt noch schnell die exakte Farbgebung. So kann es was werden, meinen auch Daniela Stöcken (2.v.re) und Maike Schmidt.
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James Cruikshank (2.v.li) ist der Regenbogenmacher. Architekt Günther Ferch (Mitte) überwacht die perfekte Pinselführung. Pastor Rainer Kluß googelt noch schnell die exakte Farbgebung. So kann es was werden, meinen auch Daniela Stöcken (2.v.re) und Maike Schmidt.

Bei einer Kunstaktion der evangelischen Kirchengemeinde Borby haben Gemeindemitglieder die dunklen Bilder des Altars durch bunte familienfreundliche Bilder ersetzt.

shz.de von
06. März 2018, 06:07 Uhr

Eckernförde | Glauben der Vergangenheit trifft auf Glaubensart der Gegenwart: Um ihren Altar von einem dunklen Passionsaltar in einen farbenprächtigen Familienaltar zu verwandeln, trafen sich am Sonnabend Erwachsene und Kinder der evangelischen Kirchengemeinde Borby im Gemeindehaus zu einer besonderen Kunstaktion. Sie malten Altarbilder, die die Originale bis Karfreitag verdecken.

Initiiert hatte die Aktion der Erwachsenenausschuss der Kirchengemeinde. Für Pastor Rainer Kluß ist diese Aktion ein weiterer Meilenstein auf dem Weg, Glauben modern zu leben. Die Kirche wandele sich, so wie auch die Form des Glaubens, erklärte der Borbyer Pastor. Wenn zum Entstehungszeitraum des Altars (Ende des 17. Jahrhunderts) noch die Kreuzigung Jesu den Schwerpunkt in der Gestaltung von Altarbildern bildete und Glaube eher von Ehrfurcht beherrscht war, so stehe heute eher das Ostergeschehen mit der Auferstehung Jesu im Mittelpunkt und damit ein hoffnungsvoller Glaube. Dies sollte sich in den zeitgemäßen Altarbildern ausdrücken.

Als Grundlage für die Bildgeschichte wählten die Gemeindemitglieder, die in ihrer Aktion von den Künstlern Siggi Siemsen und Martin Klimach-Dreger unterstützt wurden, die biblische Geschichte der Kindersegnung. „Das lag nahe, da der Fokus unserer Gemeinde auf der Familie liegt“, so Pastor Kluß.

Und so entstanden unter Pinseln und farbigen Lappen in einer fröhlichen, lockeren Atmosphäre auf vier Bildtafeln in der Größe der Altarbilder vier farbenfrohe Szenen zur Segnung und Auferstehung. Auch wenn vier der jüngsten Gemeindemitglieder zur Künstlertruppe gehörten, wurden die Bilder überwiegend von den Erwachsenen gestaltet, die – das wünschte sich Pastor Kluß – auch ihr Lebensgefühl mit in ihre Malerei einbringen sollten.

Barbara Hansen, Mitglied im Posaunenchor Borby, und Hannelore Schmidt arbeiteten an der oberen Altartafel. Aus den leuchtend gelben Sonnenstrahlen stiegen Engel empor. Günther Ferch, Pastor Rainer Kluß und James Cruickshank hatten sich für die Tafel 3 entschieden. Sie setzten Jesus’ Grab in Szene. Es entstand ein Bild fast in naiver Malerei mit einer Blumenwiese, Bäumen, Hase und Eichhörnchen und als Krönung einem Regenbogen über der Grabhöhle. Dank Smartphone und Google strahlte der Regenbogen zum Schluss auch in der richtigen Farbanordnung.

Natürlich hatten auch die Kleinen im wahrsten Wortsinn Hand angelegt und das untere Bild mit farbenfrohen Abdrücken gefüllt. Maike Schmidt und Siggi Siemsen komplettierten diese bunte schöne Kinderwelt noch mit Blättern als Symbol für das Leben. Das größte Altarbild zeigt Jesus, der die Kinder segnet. Ganz besonders stolz waren Daniela Stöcken, Gunda Wohlenberg und Günter Ferch sen. auf die naturalistische Wiese und darauf, dass dieses Bild der Vorlage sehr nahe kam. Und als gegen Abend das moderne Bildensemble vor die alten Bildtafeln gehängt war, schien der historische Altar zu leuchten.

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