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Eckernförder Zeitung

16. Dezember 2017 | 16:29 Uhr

Ein Abend voller Melancholie, Tiefe und Stolz

vom

Gina Pietsch beeindruckt das Publikum beim Mikis-Theodorakis-Abend der Theatergemeinschaft im Stadthallenrestaurant

shz.de von
erstellt am 27.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Eckernförde | Spiegelglatt ist das Wasser der Eckernförder Bucht, kaum ein Kräuseln zeigt sich auf der Oberfläche. Ganz anders als im Leben des großen, griechischen Musikers Mikis Theodorakis.

Rund 50 Zuschauer erlebten im Stadthallenrestaurant einen intensiven, von der Theatergemeinschaft organisierten Mikis-Theodorakis-Abend, den Gina Pietsch (Gesang) und Uwe Streibel (Piano) musikalisch illustrierten. Pietsch berichtet detailreich aus Lebensabschnitten des griechischen Komponisten, der sich auch als Schriftsteller und Politiker einen Namen machte, bevor sie chronologisch passende Stücke präsentiert. Beeindruckend: Die Lieder werden teils auf Griechisch, teils auf Deutsch gesungen und erlauben so tiefere Einblicke in Aussage und Bedeutung manch bekannter Melodie, sensibel übertragen von einem Freund für sie - Frank Viehweg. Schon das Motto des Abends, "Weil ich mich nicht Gesetzen beugte", wies auf ein bewegtes Leben hin. Wie bewegt, das wurde Stück für Stück und Satz für Satz immer klarer: Der Mann, der sich stets als Kreter sah - stolz und unbeugsam (sein Vater stammte von der Insel im Mittelmeer) - bezog schon früh Stellung, schloss sich im Zweiten Weltkrieg dem Widerstand an, wurde mit 18 Jahren erstmals inhaftiert und gefoltert. Noch als Schüler ließ er die Berufsbezeichnung "Komponist" in seinen Pass eintragen. Anfang der Fünfzigerjahre bestand er nach durch Kampf, Verhaftung, Verbannung und Folter tief gezeichneten Lebensjahren sein Examen am Athener Konservatorium.

Gina Pietsch, ein Energiekraftwerk in Purpur, interpretiert dies respektvoll und angemessen ernsthaft. Ihre Stimme, vom fremden Leid gezeichnet wie Schleifpapier der feinsten Körnung, macht sich während des Progamms Theodorakis Leben zu eigen, singt Zeilen wie "...doch ein Sturm kam auf, von ungeheurer Stärke" (aus "Gesichter der Sonne") oder "Sie reden und schon lügen sie!" ("Zeit der Klarheit") mit dem Theodorakis eigenen Tremolo, protestiert, empört sich, wühlt auf, beklagt den Tod von Unschuldigen: "Nun, da du erloschen bist, erlischt auch meine Sonne..." (aus dem Zyklus "Epitaphios").

Wehmut, Melancholie und ganz viel Tiefe begleiten diesen Abend. Aber auch Stolz darüber, den eigenen Prinzipien treu geblieben zu sein, aktiv Geschichte mitbestimmt zu haben und nicht wie der Tanzbär abgerichtet nach fremder Pfeife zu tanzen: "Die Kette zieht mich, sie regiert mich." ("Der Bär"). Das letzte Stück vor der Pause, Ikaovos Kambanellis "Mauthausen-Kantate" dann: ergreifend, tieftraurig. Es beschreibt in zärtlichen Tönen den furchtbaren Verlust einer Liebe: "Man hat sie fortgebracht, und keiner sieht wie schön sie ist..., man hat sie fortgebracht und keiner weiß wohin..."

Das Wasser der Eckernförder Bucht ist immer noch unbewegt - die Menschen im Saal sind es nicht.

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