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Willkommen in Fleckeby ! : Ein Abend der besonderen Begegnung

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Gut 80 Besucher bei Vorstellung des Fleckebyer Willkommenskreises in der Hardesvogtei / Flüchtlinge erzählen über ihr Leben

von
erstellt am 30.Mär.2015 | 06:24 Uhr

Das neue Leben von Sharif, Mohannad, Pooya, Riat und Blessing sowie ihre Geschichten standen im Mittelpunkt am Freitagabend in der Hardesvogtei. Groß war das Interesse aber auch an der ehrenamtlichen Arbeit des Fleckebyer Willkommenskreises. Gut 80 Besucher folgten der Einladung der Kulturinitiative und des Willkommenskreises. Sie erfuhren einiges über das Leben der rund 20 Flüchtlinge, die derzeit in Fleckeby leben, und über das Engagement der Ehrenamtler, aber auch über die Grenzen, an die sie immer wieder stoßen – Sprachprobleme, Gesetze und behördliche Vorgaben.

Einen „informativen und sehr persönlichen Abend“, versprach Thies Meeves vom Willkommenskreis. Ein Abend, der aber humorvoll beginnen sollte. Karla Hoppe spielte in einem Sketch die sozial engagierte Ehefrau und Dr. Rolf Wenzel den vorurteilsbehafteten Ehemann, dem zwar das afrikanische Kuskus und das syrische Nasali vorzüglich schmeckt, dem aber der Besuch seiner Frau bei den Ausländern im Dorf gehörig gegen den Strich geht.

Der Fleckebyer Willkommenskreis wünscht sich mehr Offenheit von den Bürgern. „Keine Hemmungen haben“, sagen sie und animieren zum Besuch des Willkommens-Cafés (dienstags 16 -18 Uhr in der Sozialstation Schmiederedder). Ziel ist es, miteinander ins Gespräch zukommen, sich kennen zu lernen und auszutauschen. Flüchtlinge können dort Kontakte knüpfen und ihre Sprachkenntnisse verbessern. Ins Leben gerufen haben diesen Treff Anke Nissen, Frauke Quedens und Wiebke Messerschmidt. Natürlich habe sie ein ungutes Gefühl gehabt, gestand Frauke Quedens ein. Sie hätte sich einfach ein Herz gefasst und die Bewohner der Unterkunft im Appeljord angesprochen. Auch wenn ihr erster Kontakt mit den Menschen dort mit einer handfesten Auseinandersetzung zweier Bewohner untereinander begann, blieb sie dran. Und siehe da, die Freude der Bewohner über die Ansprache war positiv.

Wie und wo melde ich mein Kind für den Kindergarten oder die Schule an ? Was brauche ich für den Besuch beim Arzt ? Es entstand der Willkommenskreis, der sich der Sorgen und Nöte der Menschen aus Syrien, Eritrea, Serbien, Nigeria, Tschetschenien und dem Iran annahm. Die Mitglieder begleiten die Flüchtlinge zum Einkauf, zu Behörden, zu Ärzten, bieten Deutsch-Unterricht an. Mittlerweile habe man ein gut funktionierendes Netzwerk aufgebaut, berichtete Wiebke Messerschmidt. Man kenne bestimmte Stellschrauben, wisse, an wen man sich wenden können.

Unterstützung erfahren die Ausländer auch aus Louisenlund. Der Ägypter Hazem Abdel Karim, Lehrer am Internat, übersetzt vom Arabischen ins Deutsche, Schüler Julia Adler beherrscht Englisch, Michail Zhdanov und Internatsmitarbeiterin Arus Kirakosjan das Russische.

Viele haben auf ihrer Flucht vor Krieg und Verfolgung eine Odyssee hinter sich. Sharif studierte in seiner syrischen Heimat bereits zwei Semester Zahnmedizin. Er zieht jetzt nach Kiel, will sein Deutsch aufbessern und weiter studieren. Riat aus Aleppo, seit sieben Monaten in Deutschland, möchte gerne Bäcker werden. Mohannad, syrischer Kurde, lebte zuletzt in Kobane, vermisst seine fünf Jahre alte Tochter Amara. Der 24 Jahre alte Iraner Pooya ereilte das selbe Schicksal wie viele junge Freidenker im Land, die der Religion nicht viel abgewinnen können. Es blieb ihm nur die Flucht. Katholikin Blessing (28) aus Nigeria floh vor dem Religionskrieg zwischen Christen und Moslems. Khusen Tatarkhamov wurde in Tschetschenien gefoltert. Familie Dordevic kommt aus Serbien – von einem sicheren Herkunftsland könne keine Rede sein, sagte Rolf Wenzel. Für Roma sei eine menschenwürdige Existenz nicht möglich. Sie seien Diskriminierungen und Übergriffen ausgesetzt.

Gernot Lausen musste angesichts der Flüchtlingsthematik an seine Eltern denken, die aus Danzig vertrieben wurden und sich als Flüchtlinge vielen Vorurteilen gegenüber sah. „Wir sollten die Potenziale der Menschen stattdessen lieber nutzen“, sagte er. Unserer Land werde davon profitieren.

Gute Bürger wollen sie werden, antworteten die Flüchtlinge auf die Frage nach der Zukunft. So schnell wie möglich Arbeit und ein Zuhause finden und wieder mit der Familie vereint sein. Die Wünsche von Sharif und Mohannad aus Syrien, von Pooya aus dem Iran oder von Blessing aus Nigeria sind nachvollziehbar und menschlich.

 


>Spendenkonto bei der Förde Sparkasse IBAN: DE23 2105 0170 1000 2413 39, SWIFT-BIC: NOLADE21KIE, Verwendungszweck: Willkommenskreis Fleckeby


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