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Filmpremiere in Eckernförde : „Eimersee“: Ein Eimer als genialer Geburtshelfer

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Kieler Filmemacher Sven Bohde hat einen Film über die Entstehung und Entwicklung des Eimersees gedreht. 80 geladene Gäste verfolgten im Ratssaal die Premiere.

shz.de von
erstellt am 07.Dez.2015 | 19:12 Uhr

Eckernförde | Genial einfach oder einfach genial? Gestern vor genau 25 Jahren besorgte sich der junge Geograph und damalige Naturschutzbeauftragte der Stadt Eckernförde, Michael Packschies, für 5,90 Mark im örtlichen Baumarkt einen stabilen Maurereimer, marschierte damit auf die Ackerfläche hinter der Feldwegsiedlung, stieg in den Kanalschacht und verkeilte den dickwandigen und nahezu unverwüstlichen Eimer in zwei Metern Tiefe in den verrohrten Ostarm des Lachsenbach – die Geburtsstunde des Eimersees, eines der bemerkenswertesten Ökosysteme und Naherholungsgebiete in Eckernförde. Das Werk nahm seinen – natürlichen – Lauf: Innerhalb weniger Tage war aus der öden Ackerfläche eine 1,5 Hektar große Wasserfläche mit weiteren 1,5 Hektar Feuchtgebiet geworden. Gestern präsentierte Filmemacher Sven Bohde im Ratssaal den Film zum Eimersee.

Michael Packschies (l.) und Sven Bohde machen sich in Wathosen auf die Suche nach dem Betonschacht mit dem Eimer.
Michael Packschies (l.) und Sven Bohde machen sich in Wathosen auf die Suche nach dem Betonschacht mit dem Eimer. Foto: Archiv / Kühl

Das Gewässer im Norden der Stadt mit seiner einfach-genialen Entstehungsgeschichte hat Packschies und Eckernförde mittlerweile zu internationalem Ruhm verholfen. Im Zuge des Weltklimagipfels 1997 in Kyoto haben die japanischen Gastgeber weltweit nach Beispielen für gelungene Renaturierungsmaßnahmen mit geringem Aufwand gesucht – und ein ideales Beispiel im fernen Eckernförde gefunden. „Dadurch kam ein großer Stein ins Rollen“, schildert Michael Packschies den dann beginnenden Öko-Tourismus: Besuchergruppen als aller Welt, vor allem aus Japan und Südkorea, pilgern seither in die Ostseestadt, die ihre Stadtentwicklung seit 30 Jahren konsequent nach ökologischen Gesichtspunkten ausrichtet und dafür 1994 zur Bundesumwelthauptstadt gekürt wurde. Der Eimersee als Teil des Ganzen dürfte dafür mit ausschlaggebend gewesen sein. Welche Wertschätzung Packschies seitdem bei den Naturfreunden in Fernost genießt, zeigt nicht zuletzt sein extravagantes Geschenk, dass er zur Filmpremiere trug: ein aus alten Kimono-Resten geschneidertes Oberteil mit Eimermotiven.

Um die außergewöhnliche Eimersee-Story der Nachwelt in kompakter Form gut aufbereitet zu erhalten und noch weitere Kreis ziehen zu lassen, hat die Stadt Eckernförde bei Filmemacher Sven Bohde einen Film über den Eimersee in Auftrag gegeben. Drei Tage lang hat er im Sommer mit Tim Butenschön (Kamera) und Daniel Wehrend (Ton) und einem Drohnen-Team bei herrlichem Wetter den Eimersee von oben, unten und von allen Seiten beleuchtet und Hauptdarsteller Michael Packschies erzählen lassen, warum Wasserdost, Igelkolben, Wildbienen, Eisvogel und Fischschwärme dort ideale, weitgehend ungestörte Lebensbedingungen vorfinden. Gestern gab’s die Premiere im Ratssaal mit 80 geladenen Gästen, denen Sven Bohde in seiner Begrüßung aus innerer Verbundenheit heraus vorsorglich das „Du“ anbot. Im Anschluss an die Premiere folgten dann drei weitere Aufführungen des 16 Minuten kurzen, aber sehr intensiven Films.

Die Geburtsstunde des Eimersees: Michael Packschies verstopft den Abfluss des Lachsenbaches mit einem Eimer.
Die Geburtsstunde des Eimersees: Michael Packschies verstopft den Abfluss des Lachsenbaches mit einem Eimer. Foto: Archiv / Kühl

Für Sven Bohde war der Eimersee-Film das erste Projekt seiner Selbstständigkeit. Der Filmer aus Leidenschaft hat dafür vor ein paar Monaten sogar seine Redakteursstelle in der Kulturredaktion des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags (sh:z) geopfert. Bohdes nach wie vor ausgeprägter journalistischer Blick auf die Geschehnisse gepaart mit kreativen Ideen wie den pfiffigen Cartoon-Animationen und die zusammen mit Michael Packschies mit einer Claviola und einer Ukulele selbst eingespielte, fröhliche Filmmusik zeigen, dass er auf dem richtigen Weg ist.

Zu seiner Filmpremiere im Eckernförder Rathaus über „das Biotop mit einem Handgriff“ hatte Bohde auch seinen alten Weggefährten Gerald Grote, den Leiter des Internationalen Naturfilmfestivals Green Screen, eingeladen. Grote ließ das Publikum teilhaben an seiner Suche nach den richtigen Einführungsworten zum Film seines Freundes. Er würzte seine launige Rede zwischen Brockhaus-Definitionen und Liedtexten des Medium-Terzetts („Ein Loch ist im Eimer“) mit witzigen Kindermund-Zitaten und hatte am Ende nach einem „Eimer“-Traum folgende Erkenntnis parat: Das Wort „Eimer“ sei für ihn die Abkürzung für „eine Idee mit eindrucksvollem Resultat“.

Im Film selbst lässt Eimersee-Erfinder Michael Packschies wissen, dass der damalige Stadtwerke-Geschäftsführer Werner Pötzsch für ihn der eigentliche Impulsgeber gewesen sei: Da die Stadtwerke 100 Meter entfernt einen Trinkwasserbrunnen betreiben, sei Pötzsch aus Gründen des Trinkwasserschutzes daran gelegen gewesen, die Intensiv-Ackerfläche zu renaturieren. Der Denkanstoss fiel bei Packschies auf fruchtbaren Boden. Bei den Untersuchungen stieß er dann auf den in zwei Metern Tiefe verrohrt fließenden Ostarm des Lachsenbaches, dem er mit Hilfe des wohl berühmtesten aller Maurereimer am 6. Dezember 1990 wieder neues Leben einhauchte und einen See entstehen ließ. Bohde und Packschies nehmen die Zuschauer im Film mit auf ihre Erkundungsreise des Eimersees, die sie an dicht bewachsene Uferzonen wie auch an den unterseeischen Kanalschacht führt, der mittlerweile selbst zur Naturlandschaft geworden ist. Jede Menge eindrucksvolle Naturaufnahmen aus unterschiedlichen Perspektiven, Pflanzen, Tiere und eingestreute Interviews und Animationen machen die 16 Minuten zu einem kurzweiligen und informativen Sehvergnügen. Am Ende gab’s großen Applaus.

Noch ist der Eimersee wohl einzigartig in der Welt. Ob das so bleibt, dürfte auch von den Gesprächen abhängen, die Michael Packschies noch mit Grundeigentümern aus der Umgebung führen wird, die über Potentialflächen für weitere Eimersee-Ableger verfügen.

Wer die Film-Aufführungen verpasst hat, kann die auf DVD gebrannte Produktion bei Krohn-Schuhe in der Kieler Straße für 5 Euro erwerben und sich dann in aller Ruhe die außerordentliche Entstehungsgeschichte des Eimersees ansehen.

 

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