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Eigenheime und höhere Quote für Gestaltung

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Gestaltungsbeirat äußert sich kritisch zur Nooröffnung

Helmut Riemann, Vorsitzender des Planungs- und Gestaltungsbeirats, der auf Betreiben der Stadt die Bauentwicklung im Ostseebad aus übergeordneter Sicht fachlich begleitet und Empfehlungen ausspricht, war sichtlich irritiert. „Ach so?!“, lautete seine Reaktion am Mittwochabend in der öffentlichen Beiratssitzung im Ratssaal auf die Ansage von Bürgermeister Jörg Sibbel, dass an der Wasserkante der künftigen Nooröffnung ausschließlich Mietwohnungen gebaut werden sollten, das sei einvernehmliche politische Beschlusslage. Riemann wunderte sich, fragte mehrfach nach. Man wolle dort kein Wohnen erster und zweiter Klasse, das sei der politische Wunsch, erläuterte der Bürgermeister. „So?!“, reagierte Riemann einsilbig. Ihm und auch seinen an diesem Abend drei Kollegen Laust Lorenzen, Fredo Wiescholek und Rainer Steffens schweben für die Wasserlage vielmehr hochwertige Einfamilien- und Doppelhäuser vor. „Die Wohnqualität wäre dann unübertroffen hoch“, meinte Steffens. Die Beiratsmitglieder regten an, in der ersten Reihe keine Mietwohnungen zu bauen, sondern Bürgern die Chance zu geben, Grundstücke zu erwerben und Eigenheime zu errichten.

Nachdem Alexandra Dahmen vom Sanierungsträger BIG Städtebau das Großprojekt „Binnenhafen-Nooröffnung“ mitsamt dem angeschobenen zweistufigen Vermarktungsverfahren einschließlich eines integrierten Gestaltungswettbewerbs dem Beirat noch einmal vorgestellt hatte (wir berichteten mehrfach), nahm Vorsitzender Riemann die prozentuale Einteilung der Bewertungskriterien kritisch ins Visier. Die sind im Vermarktungsverfahren so festgelegt: 1. Stufe: 40 % Nutzungskonzept, 20 % Städtebau/Gestaltung, 20 % Refinanzierung, 20 % wirtschaftliche Leistungsfähigkeit; 2. Stufe: 25 % Nutzungskonzept, 25 % Städtebau/Gestaltung, 15 % Energetisches Konzept, 15 % Freiraumgestaltung, 20 % Wirtschaftlichkeit/Realisierbarkeit. Der Faktor Städtebau/Gestaltung sei deutlich unterbewertet. „Das halte ich für diese exponierte Lage für zu wenig. Diese Gewichtung wird dem Projekt nicht gerecht. Das sollten Sie noch einmal diskutieren.“ Für diese Aussage gab’s spontanen Beifall auf den Rängen des Ratssaals, vornehmlich von den Vertretern der Bürgerinitiative „Bauen in Eckernförde“. Beispielsweise könnte man das Nutzungskonzept abwerten, weil die Nutzung ohnehin durch die Stadt weitgehend vorgegeben werde. Dem sei nicht ganz so, entgegnete Bürgermeister Sibbel. Es seien „keine harten Vorgaben“, und es gebe bewusst noch einige Spielräume für die Investoren. Ihm komme es jedoch so vor, dass die Gestaltung „das fünfte Rad am Wagen ist“, sagte Helmut Riemann. Sein Kollege Wiescholek empfahl die Kategorie Gestaltung auf 40 Prozent aufzuwerten. „Nur eine gute Gestaltung schafft auch eine super Qualität.“

Dritter zentraler Kritikpunkt ist die Bebauung an der Gaehtjestraße. Die, so Riemann & Co., solle in der Traufhöhe nicht auf sieben Meter beschränkt bleiben, sondern durchaus bis acht oder neun Meter hoch werden. „Sieben Meter Traufhöhe ist ganz schön mickrig“, meinte Riemann. Begrenzt werden hingegen müsse die Häuserbreite, und zwar auf sechs Meter. Festgeschrieben werden sollte zudem eine Dachneigung von 45 Grad für alle dort entstehenden Gebäude. „Nur dann bekommt man die Qualität, die an dieser Stelle ganz wichtig ist.“ Der Gestaltungsbeirat lehnt zudem eine Ansiedlung eines Discounters mit 1500 Metern Verkaufsfläche am Schulweg strikt ab. „Dann ist das gesamte Quartier tot“, prophezeite Riemann.

Man werde die Anregungen nun mit in die politische Diskussion nehmen, sagte Jörg Sibbel.

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erstellt am 04.Sep.2015 | 06:09 Uhr

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