Auf hoher See : Eigenes Schulschiff fürs Internat

 Der Traditionskutter Gorch Fock liegt nun im Hafen Louisenlunds.
Der Traditionskutter Gorch Fock liegt nun im Hafen Louisenlunds.

Die „Gorch Fock“ liegt seit kurzem im Hafen des Internats

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10. Juli 2014, 07:26 Uhr

Zur Zeit kann sich die Internatsstiftung Louisenlund über mangelnde Großzügigkeit nicht beklagen. Erst die Spende über 500 000 Euro eines Schülervaters, die die Internatsstiftung in ein neues Stipendiatsprogramm steckt (wir berichteten) und seit wenigen Wochen liegt nun ein Traditionskutter am Hafen Louisenlunds vor Anker. Enno Schubert, Großvater einer Schülerin, ist passionierter Segler. 35 Jahre lang steckte er viel Liebe und Geld in den Zweimaster, segelte auf allen Meeren. Nun ist Schubert 85 Jahre alt und bereit, sich von seinem Schiff zu trennen und bei der Internatsstiftung sieht er es in guten Händen.

„Gorch Fock“ heißt das Schiff, das 1952 gebaut wurde. Verantwortlich dafür sind jetzt die Lehrer Christian Helm und Burghardt Haß. „Das Schiff ist voll hochseetauglich und perfekt für die seemännische Ausbildung“, sagt Helm. Zehn bis zwölf Personen können auf dem 12,50 langen, vier Meter breiten und 22 Tonnen schweren Schiff arbeiten und wohnen. „Die Schüler lernen auf dem Schiff Verantwortung zu übernehmen“, sagt Schulleiter Dr. Peter Rösner. Louisenlund sei damit vermutlich die einzige Schule in Deutschland, die ihr eigenes Schulschiff hat, so Rösner. Den Schulleiter reizt dieser Pioniergedanke, sowohl Schüler und Lehrer immer wieder aufs Neue zu motivieren.

In den ersten Jahren fuhr das Schiff als Fischkutter, erst später wurde es umgebaut und zu einem echten Motorsegler, sagt Haß. Auch die Ausstattung ist hervorragend. „Wie in der Berufsschifffahrt“, sagt Helm, robust, langlebig und sicher, genau richtig für Schülerhände. Ausgestattet ist die „Gorch Fock“ mit einem hydraulischen Bugstrahlruder, hydraulischer Lenzpumpe, 220-Volt-Generator sowie einer hydraulischen Ankerwinde. Der Wert? Bei der Neuanschaffung so um die 400 000 Euro, schätzt Haß. Jetzt seit der Segler vor allem was für Liebhaber. Aber 100 000 Euro oder mehr könnten immer noch für die „Gorch Fock“ verlangt werden.

Eine erste Tour hat das Schiff bereits hinter sich. Gemeinsam mit Schülern des zwölften Jahrgangs stach Christian Helm zu einem ökologischen Praktikum in See. Acht Tage war die Crew unterwegs, um Plankton zu bestimmen, Schlammproben zu entnehmen und das Ökosystem Meer kennen zu lernen. „Diese Form des Unterricht ist allemal besser als im Klassenzimmer an der Tafel“, betont Rösner. Ausgerüstet wurden sie von der Kieler Forschungswerkstatt, einem Labor der Kieler Universität. Unterstützung hat aber auch Prof. Dr. Peter Herzig, Direktor vom Forschungszentrum Geomar, zugesagt. Er könnte sich sehr gut eine Kooperation bei Forschungsprojekten mit dem Internat vorstellen.

Beim Hafenfest am 30. August sollen nicht nur die Neuschüler und -lehrer getauft werden, sondern auch das Schiff soll dann einen neuen Namen erhalten. Demokratisch solle darüber entschieden werden, so Rösner, eine Schülerbefragung sei bereits auf den Weg gebracht.

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