zur Navigation springen
Eckernförder Zeitung

18. Oktober 2017 | 10:00 Uhr

Eifersüchteleien - haben wir das nötig?

vom

shz.de von
erstellt am 23.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Eckernförde | An einem schönen Sonnentag fuhr ich spontan mit meinem Hund nach Kappeln und setzte mich auf eine Mauer am Hafen. Ließ meine Beine baumeln, schaute zu den Schiffen und in den Himmel. Ich schloss meine Augen und hielt mein Gesicht in die Sonne. Ach, tat das doch gut! Ich war so versunken vor lauter Glück und Wohlbehagen, dass ich erst bemerkte, dass ich nicht mehr allein war, als ich Jemanden weinen hörte. Als ich meine Augen öffnete, saß neben mir eine ältere Dame, die herzzerreißend weinte. Was tun - sollte ich sie ansprechen oder nicht?

Ich nahm eins meiner Taschentücher, hielt ihr das hin und lächelte sie ganz leicht an. Nach ein paar Minuten hatte sie sich gefasst, und ich fragte sie, ob ich ihr helfen könne? "Ich glaube, mir kann keiner helfen", sagte sie und weiter "wieso können Menschen nur so gemein sein?" Ich schwieg, nahm aber ihre Hand und wartete.

Stockend fing sie an, zu erzählen. Sie sei in einem Altenheim und eine der Wenigen, die noch andere Interessen als das an der Speisekarte habe. Vor allem aber sei sie keine Befehlsempfängerin, würde sich gegen Unrecht wehren. Und sie sei - entgegen vieler anderer Heimbewohner - noch sehr gut zu Fuß, mache lange Spaziergänge und würde auf diesen Spaziergängen immer wieder neue Menschen kennen lernen. Es hätten sich sogar engere Kontakte entwickelt, die manchmal zu Besuchen im Heim führten. Das alles aber wäre wohl ein Dorn im Auge einiger Heimbewohner, sie wären eifersüchtig. Und würden sie ausgrenzen, ja, sogar anfeinden. Wir unterhielten uns noch recht lange und wen wunderts? Ich sagte einen Besuch zu.

Dieses Gespräch ging mir einfach nicht aus dem Kopf. Wie kann es sein, dass es sogar unter meinen Altersgenossen Eifersucht und Neid gibt? Wir haben doch alle schon viele Lebensjahre hinter uns - Lebensjahre, in denen wir jede Menge Erfahrungen sammeln konnten oder mussten. Lebensjahre, die uns gelehrt haben sollten, dass Eifersucht nicht glücklich macht. Früher, ja, früher, als wir noch nicht wussten, wer oder was wir waren, hätte Eifersucht vielleicht noch einen Sinn gemacht, aber heute? Was ist schlimm daran, dass der Eine oder Andere mehr Besuch kriegt als man selbst, dass der Eine oder Andere besser kochen, backen, handarbeiten oder andere Dinge besser kann als man selbst? Hat man denn in unseren Jahren immer noch nicht herausgefunden, welche Stärken man selbst hat, muss man sich immer noch mit anderen Menschen vergleichen? Ich meine, nein!

Jetzt, wo ich das schreibe, sitze ich in einem Café. Und schiele schon seit geraumer Zeit zum Nebentisch. Ist das Stück Torte dort auf dem Teller nicht größer als meins? Oh Mann, bin ich etwa eifersüchtig?

Die Antwort gebe ich selbst: Nö, verfressen!

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen