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Kreis-Jazztage : Ehrwürdige Herren mit Jazz im Blut

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Temperament, Schwung und Ausgelassenheit: Dutch All Stars Jazzband spielt im TÖZ mit filigraner Technik und formidablen Ausreißern. Das Publikum ließ sich von diesem Konzert im Rahmen der Kreis-Jazztage mitreißen.

Eckernförde | TÖZ – „Tolle Öffentliche Zentrale für Oldtime-Jazz“ – so könnte man den abgekürzten Namen des Veranstaltungsortes im Eckernförder Gewerbegebiet auch deuten. Mit der „Dutch All Stars Jazzband“ aus den Niederlanden haben die Veranstalter mal wieder ein gutes Händchen bewiesen, wie die voll besetzen Reihen zeigten. Die sechsköpfige Truppe auf der Bühne und die tolle Atmosphäre in diesen Räumen bescherten dem Publikum, darunter die üblichen (begeisterten) Verdächtigen der Eckernförder Dixie-Szene, einen tollen Samstagabend.

Schon gleich nach den ersten Stücken raunt die Sitznachbarin unbekannterweise: „Die sind gut!“ Recht hat sie. Die ehrwürdigen Herren in den blau-gestreiften Jacketts da auf der Bühne sind Vollprofis und bestechen mit Können, Leidenschaft und Ausdauer – drei Sets sollten es an diesem Abend werden. Die Musiker, die zusammen Posaune, Trompete, Klarinette, Flügelhorn, Kornett, Schlagzeug, Kontrabass, Klavier und Saxophon beherrschen und fast alle auch noch singen können, rekrutieren sich aus den unterschiedlichsten, anderen Bands bzw haben dort Erfahrungen gesammelt.

Kenner wissen Bescheid: Ob Dutch Swing College Band, New Orleans Syncopaters, New Aces Jazz Band oder Dr. Jazz Companie – das ist Musik in aller Ohren. Im Jahr 2000 haben sich pfiffige, prominente Musiker gesagt: „Was wir hier schon einzeln können, können wir erst recht zusammen.“ Sie taten sich für Aus- und Inlandsauftritte zusammen, die Leitung übernahm Frans van Wasbeek (Trompete, Kornett, Flügelhorn, Klavier, Gesang). Und inzwischen dürfen sie sich laut Homepage „...sicher zu den tonangebenden Top-Jazzorchestern in den Niederlanden“ zählen. Ob „Georgia on my mind“, „High Society“ oder „Petite Fleur“ (Kleine Blume) von Sidney Bechet, das macht hier richtig Spaß.

Jürgen Schmidt, der am Morgen noch die Domsmoorland-Apfelwiese für die Eckernförder geöffnet hat, kann sich jetzt für Blumen begeistern: „Petite Fleur – das hätte ich mir gewünscht, wenn man sich etwas hätte wünschen dürfen. Ich war mehrfach in New Orleans, damals mit der Marine. Das war ein tolles Erlebnis.“ Das wunderschöne, melancholische Stück, das seit mehr als 60 Jahren die Menschen berührt, wird vor der Pause noch einmal durch Temperament, Schwung und Ausgelassenheit abgelöst.

Und wie das so ist in der High Society – auch hier will jeder gesehen, äh, gehört werden. Fantastische Soli geben sich die Klinke in die Hand, das Publikum honoriert jeden der formidablen Ausreißer mit begeistertem Applaus. „Das ist New Orleans Jazz – wie sie miteinander spielen, wie sie sich gegenseitig hochschaukeln. Und Posaune und Trompete spielen exzellent zusammen, ergänzen sich hervorragend“ – Klaus-Dieter Nielsen (Klicky), der selber Klarinette bei den Borby Dixies spielt, kann den Abend nur genießen. „Was für eine filigrane Technik.“

Selbst der Mann, der immer wieder Fotos macht, wippt im Takt der Musik, die Kamera geht auf und ab, er muss absetzen oder kurz innehalten, um nicht alles zu verwackeln. Wann kriegt man aber auch schon ein so schönes, freches Banjosolo serviert. Was immer die Musiker anfassen, es gelingt. Mehr als das: Ob Filmmusik, ob Klänge, wie auf einer New-Orleans-Funeral-Procession, ob Liebeslied oder Weltstandard – Klasse.

Findet auch Jürgen Schmidt: „Das ist genau meine Musik.“



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