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Lorenz von Stein : Ehrung für einen „genialen Denker“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Heimatstadt ehrt den berühmten Staatswissenschaftler mit einer Büste auf dem Rathausmarkt und einer Feierstunde.

von
erstellt am 13.Nov.2015 | 06:33 Uhr

Eckernförde | Klug, kantig, vorausschauend – die gestern enthüllte Bronzebüste Lorenz von Steins auf dem Rathausmarkt schräg versetzt hinter der Wilhelm Lehmanns zeigt den kunstvoll veredelten Kopf eines der bedeutendsten Staatswissenschaftler des 19. Jahrhunderts. Der in der Bergstraße 12 geborene Borbyer wurde durch seine Lehrtätigkeit in Kiel, Jena, Paris und Wien sowie seine wegweisenden Schriften zum Staats- und Verfassungsrecht einer der ganz großen politischen Vordenker und Visionäre seiner Zeit. Mit dem großen Vorzug, dass seine auf wissenschaftlicher Analyse fußenden Vorhersagen meistens auch eintrafen. Wie beispielsweise das Ende Preußens und die Einheit Deutschlands. Gestern wurde der „wohl größte und bedeutendste Sohn Eckernfördes“, wie Bürgermeister Jörg Sibbel sagte, anlässlich seines am 15. November bevorstehenden 200. Geburtstages doppelt geehrt: mit einer Büste des hoch geschätzten Bildhauers Manfred Sihle-Wissel auf dem Marktplatz und einer Feierstunde im Ratssaal.

Drei Jahre lang hat ein Kreis privater Initiatoren um Dr. Uwe-Jens Müllenhoff und Günter Haß die Idee vorangetrieben, nach Lehmann auch Lorenz von Stein von Sihle-Wissel in Bronze gießen zu lassen. Sie haben ihr Ziel erreicht, in Anstimmung mit der Stadt einen Standort gefunden und die rund 10  000 Euro teure Büste mitsamt Sockel und Bodenplatte – die noch folgt – aufgestellt. Müllenhoff und Haß dankten allen Unterstützern, insbesondere den elf Spendern und der Lorenz-von-Stein-Gesellschaft, die dafür gesorgt haben, dass nun dauerhaft an den großen Eckernförder Staatswissenschaftler von Weltruf erinnert wird. Bürgermeister Sibbel dankte den Initiatoren für das große Engagement, „den bedeutenden Wissenschaftler in seiner Geburtsstadt zu ehren“.

Die Büste krönt die Ehrbezeugungen in der Stadt. In der Kieler Straße Süd erinnert ein Bronzerelief an von Stein, der dort bis 1832 Schüler des Christian-Pflegehauses war. Zudem hat das Museum von Stein eine eigene Abteilung gewidmet und die Stadt eine Straße nach ihm benannt – der Lorenz-von-Stein-Ring führt an der einstigen Bildungsstätte Fachbereich Bauwesen der FH Kiel vorbei.

Der Enthüllung der Büste folgte die Feststunde im Ratssaal. Nach der Begrüßung von Bürgervorsteherin Karin Himstedt zog Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU) in seiner Funktion als Vorsitzender der Lorenz-von-Stein-Gesellschaft zu Kiel einen Bogen vom Geburtsort Borby bis zu von Steins überragender Bedeutung als Staatsrechtler und Wissenschaftler mit bis heute ungebrochen großer Verehrung in Österreich und Japan. Kindheit und frühe Jugend in Borby und Eckernförde seien prägend für von Stein gewesen, sagte Schlie. Die Heimatliebe, betonte Prof. Dr. Utz Schliesky, Geschäftsführender Vorstand des Lorenz-von-Stein-Instituts der Christian-Albrechts-Universität anschließend, habe ihn nie losgelassen, wie auch seine Gedichte im Band „Alpenrosen“ zeigen. Von Stein sei durch sein Wirken zum „Vater des Sozialstaats, der sozialen Solidarität und der Freiheitsrechte“ geworden, sagte Schlie. „Von Steins Werk mahnt uns, aufmerksam zu sein und uns nicht vorschnell mit einfachen Antworten zufrieden zu geben.“

Lorenz von Stein, der auch Karl Marx beeinflusst hat, wie Prof. Schliesky ausführte, habe zwischen 1839 und 1890 206 Werke verfasst, darunter eine achtbändige Verwaltungslehre. „Alles ohne PC und Internet“, drückte Schliesky seine Hochachtung aus. Von Stein sei stets an ganzheitlichen wissenschaftlichen Systemen interessiert gewesen, daher seien seine Arbeiten oft schwer verständlich. Zudem sei er „im Denken und Schreiben kompliziert“ und eine „nicht einfache Persönlichkeit“, die im Herzen immer Schleswig-Holsteiner geblieben ist. Schliesky bezeichnete von Stein als „genialen, vorausschauenden Denker“, dessen Werk bis heute bedeutend geblieben sei.

Anschließend zeichnete Buchmitautor Dr. Jan Schlürmann vom Historischen Seminar den Lebensweg Lorenz von Steins nach – von Borby nach Wien.

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