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Eckernförder Zeitung

23. Oktober 2017 | 10:52 Uhr

Szenen einer Ehe : Ehe - Ein vergeblicher Kampf

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Theatergemeinschaft holt „Szenen einer Ehe“ von Ingmar Bergmann nach Eckernförde. Aurélie Thèpaut und Richard Hucke überzeugten in ihren Rollen.

Eckernförde | Kam da ein leises Lachen aus dem Dunkel des Zuschauerraums? War auch mal tief Luftholen oder ein kleiner Seufzer zu hören? Das ist erklärlich, denn mit „Szenen einer Ehe“ ging Ingmar Bergmann hemmungslos in die Vollen: Rubrik Eheleben. Da konnten viele mitfühlen, denn die einzelnen Szenen waren den meisten Verheirateten vermutlich nicht unbekannt. Höhen und Tiefen im Zusammenleben oder auch Auseinanderleben von Marianne und Johannes – das konnten alle am Donnerstag in der Stadthalle hautnah miterleben.

Als zweiten Programmpunkt im Saisonplan hatte die Theatergemeinschaft „Szenen einer Ehe“, ein Schauspiel von Ingmar Bergmann, nach Eckernförde geholt. Als Schauspieler für dieses Zwei-Personen-Stück kamen als grandiose, weil so überzeugende, authentische Darsteller Aurélie Thèpaut und Richard Hucke vom „Kleinen Theater Bad Godesberg“ in die Fördestadt. Hier fanden sie ein gutes Publikum vor: Ein Publikum, das aus den gut gefüllten Reihen heraus mitging, sich einfangen und anzünden ließ, dem innere Distanz fremd zu sein schien.

So hatten auch beide Schauspieler keine Hemmung, die brisante Handlung – reich an Worten, Gesten, Aktionen – fetzend und leidenschaftlich über die Bühne zu schmettern.

Zehn Jahre verheiratet, gut situiert, zwei Kinder, merkt man an den Gesprächen von Marianne und Johannes sehr schnell, dass hier etwas zu versanden droht. Gespräche? Er liest die Zeitung, schweigt sich abwesend aus, unübersehbares Desinteresse, schmerzhafte Verfremdung – während sie wortreich, hoch emotional, versucht, zu ihm vorzudringen. Auch ihre Mitteilung, sie sei schwanger – weich und verletzlich in der Erwartung geteilter Vorfreude, macht mit seiner nasskalten Reaktion überdeutlich: Hier geht alles den Bach runter.

Da fehlt eigentlich nur noch, dass einer fremd geht. Und richtig: Er hat seit Jahren ein Verhältnis mit Paula, beichtet, fühlt sich erleichtert. Sie geht in die Knie vor so viel Betrug und Lüge über lange Zeiten, versucht dennoch – geradewegs goldig – zu retten was noch zu retten ist.

Aber trotz aller ihrer Anhänglichkeit, Kompromissbereitschaft und Bemühungen um Verständnis – da ist nichts zu retten. Er fährt mit Paula nach Paris, will danach mit seiner „Neuen” zu einer Gastprofessur ins Ausland, wird wohl viele Monate außer Landes sein. Seiner verzweifelten Marianne empfiehlt er ungerührt einen Psychiater, macht sich aus dem Staub, „vergisst“ seine Kinder.

Zwei Jahre vergehen: Keine Paula mehr, die Gastprofessur hat sich zerschlagen, am liebsten möchte Johann zurück zu seiner Frau. Die hat sich aber inzwischen „berappelt“, hat sich auf sich selbst besonnen, ist groß und stark geworden. Sie genießt ihre selbstbestimmte Freiheit, ihre Unabhängigkeit, hat einen Liebhaber – es geht ihr gut. Nun müssten nur noch die Scheidungspapiere unterschrieben werden.

Ist es der viele Cognac, den sie bei einer heftigen, ungebremsten Auseinandersetzung in seinem Büro vertilgen? Sind es seine Hilflosigkeit, ihr Erbarmen und Mitleid, die lange Verbundenheit – was sie einholt? Ist es ihre wieder gewonnenen Attraktivität, was ihn fast unterwürfig und zu jeder Besserung bereit, zu ihr zurück „kriechen“ lässt? Sie wissen beide: Ein gemeinsames Leben ist denkbar schwer wenn nicht unmöglich. Und dennoch: Man wird abschließend Zeuge einer kleinen Szene kurz vor dem 20. Hochzeitstag. Um es mit Tucholsky zu sagen: „ …gebt Ruhe, ihr Guten! Und haltet still. Jahre binden, auch wenn man nicht will. Das ist schwer: ein Leben zu zwein. Nur eins ist noch schwerer: einsam zu sein.“


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