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Einzelhandel : Edeka-Umzug: Von der Mitte an den Rand?

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Bauausschuss vertagt Start des B-Planverfahrens für neuen Verbrauchermarkt an der Ortseinfahrt aus K 83 in Rieseby.

von
erstellt am 09.Feb.2017 | 06:03 Uhr

Rieseby | Mehr Verkaufsfläche, mehr Lagerplatz und mehr Parkplätze für Kunden – am Ortseingang aus Bohnert (nördlich der K83) kommend könnte ein neuer Verbrauchermarkt entstehen. Entsprechende Pläne wurden Dienstagabend bei der Sitzung des Bau-, Weg- und Umweltausschuss vorgestellt. Bereits in diesem frühen Stadium aber schon ein politisches Signal, mit dem Einstieg in die Bauleitplanung zu geben, das lehnte der Ausschuss unter Leitung von Heino Stüve (SPD) mit Mehrheit ab. Mit Stimmen aus allen Fraktionen, wurde die weitere Beratung über den Aufstellungsbeschluss für eine F-Planänderung wie auch zur Aufstellung des B-Plans Nummer 21, auf die nächste Sitzung des Bauausschusses am 28. März, vertagt.

Daniel Bauer von der Firma VLP, Projektmanagement für Gewerbeimmobilien, und Jörg Menking von der Edeka- Handelsgesellschaft Nord stellten die angedachte Umsiedlung mit dem Riesebyer Edeka-Marktbetreiber Malte Reimer vor. So soll der neue Markt 1300 Quadratmeter Verkaufsfläche (bisher weniger als 800), ein 400 Quadratmeter großes Lager mit Anlieferrampe und 80 Kundenstellplätze erhalten, erklärte Bauer. Im Markt integriert werden soll ein Bäcker mit Sitzplätzen. Eingefasst wird das gut 7200 Quadratmeter große Gelände durch einen Knick.

Wirtschaftliche Gründe würden für den Neubau sprechen, erläuterte Jörg Menking von der Edeka Handelsgesellschaft. Zuallererst hätten sie versucht am Standort in der Ortsmitte die Möglichkeit einer Erweiterung zu realisieren. Verschiedene Gründe machten dies aber unmöglich. So käme es an drei Seiten zur Grenzbebauung durch einen neuen Markt, die Preisvorstellung von Eigentümer und Käufer für die nötigen Flächen gingen auseinander und es bestehe die Gefahr, dass Kunden während der rund acht monatigen Bauzeit (und Ladenschließung) abwanderten. Es dauere Jahre, ehe sie zurückkämen, so die Erfahrung, wie Menking berichtete. Der neue Markt sei ein Vollsortimenter, der zeitgemäßes Einkaufen in den nächsten zehn bis 30 Jahren ermögliche. Der Umsatz eines Markts ist endlich, aber noch gebe es in Rieseby Luft nach oben und Platz für bis zu 600 Quadratmeter Verkaufsfläche. Die Edeka sei aktiv geworden, nachdem Wettbewerber Rieseby ins Auge fassten. Ein zweiter Markt im Ort werde zu starkem Wettbewerb, zur Verdrängung führen, sie wollen ihren Kaufmann schützen, sagte Menking.

In der Diskussion wurde einerseits moniert, dass mit dem Weggang des Marktes aus der Ortsmitte, diese veröden könnte, anderseits wurde anerkannt, dass der vorhandene Markt eng und klein sei und eben nicht modern ist. Hierbei wurde an die Arbeit der Arbeitsgruppe Rieseby 2025 erinnert, die sich bemüht hatte, den Ortskern als lebendiges Zentrum und sozialen Treffpunkt zu erhalten. „Er könne den Argumenten der Edeka folgen“, stellte Matthias Remnitz (Grüne) fest, gleichwohl würde er mehr über die Bemühungen erfahren, den Markt am vorhandenen Standort zu erhalten. Erst dann könne der Ausschuss doch über den Start einen Bauleitplanung entscheiden, unterstützte er den WGR-Antrag, das Thema zu vertagen. Entsprechende Ideen und Entwürfe für ihre innerörtliche Planung wird die Edeka dem Ausschuss bereitstellen, kündigte Menking an.

Er sei gespalten, meinte Bernd Mordhorst (CDU) und Sprecher der AG Rieseby 2025. „Ich habe die Sorge, dass der Ortskern kaputt geht. Aber der Markt kann auch eine große Chance sein.“ Bürgermeister Jens Kolls (SPD) bestätigte die Bedeutung des Marktes als sozialer Treffpunkt. Andererseits könne ein moderner Markt der Zukunft entstehen. Riesebys Einwohnerzahl steigt und der Markt könnte auch zusätzliche Kunden in den Ort führen, so seine Vorstellung.

Malte Reimer, er betreibt seit 2010 den Edeka-Markt, würde gerne am alten Standort etwas bewegen, aber wirtschaftliche Aspekte würden dem entgegenstehen, sagte er auf Nachfrage der EZ. Er könne den Unmut verstehen und er wisse um die Bedeutung des Marktes in der Ortsmitte, aber der Markt müsse modernisiert und größer werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Er würde den Neuanfang am Ortseingang wagen und sieht den Markt auch als Chance für Rieseby. Mit dem größeren Markt und dem Ausbau der Verkaufsfläche werde auch der Druck von Mitbewerbern sinken, und Ruhe einkehren, sagte er. Er werde am Lieferservice festhalten.

Bauamtsleiter Norbert Jordan berichtete davon, dass derzeit in vielen Gemeinden ein ähnlicher Prozess in Gang sei. Mit dem Start der Bauleitplanung würde die Gemeinde sich intensiv mit dem Projekt befassen. Dabei werde sich auch ergebnisoffen klären, ob die Fläche aus dem Landschaftsschutzgebiet entlassen werden könne und was die Landesplanung Rieseby als Ort mit überregionaler Aufgabe bei ihrer Betrachtung mit auf den Weg gibt.

Weiterer Bericht zum
Bauausschuss folgt


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