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Aus dem gericht : Ecstasy an Minderjährige verkauft

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Whats App bringt Polizei auf die richtige Spur

shz.de von
erstellt am 19.Feb.2016 | 06:24 Uhr

Mit 17 Jahren erstmals Vater geworden, mit Erreichen der Volljährigkeit über die Verhältnisse gelebt und nicht aufgepasst und dann Schulden angehäuft. In dieser Situation sah der junge Mann aus Meißen keinen Ausweg und begann, mit Drogen, hauptsächlich Ecstasy und Marihuana, zu handeln. „Ich habe Drogen verkauft, um über die Runden zu kommen“, sagte der gelernte Einzelhandelskaufmann, der 2008 wegen seiner Freundin – seiner jetzigen Frau und Mutter seiner zwei Kinder – den Weg in den Norden (zuerst nach Gettorf, dann nach Eckernförde) gefunden hatte. Gestern musste sich der 23-Jährige wegen Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz von April bis August 2014 vor dem Amtsgericht Eckernförde verantworten.

Dem Angeklagten, der früher selbst Drogen konsumiert hat und bereits wegen einiger Diebstahldelikte als Jugendlicher von Jugendgerichten in Kehl und Offenburg verurteilt worden war, warf die Staatsanwaltschaft in 32 minderschweren Fällen den Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz vor. Besonders schwerwiegend sei die Tatsache, dass es sich um Käufer gehandelt habe, die unter 18 Jahren gewesen seien, so die Staatsanwältin. Auf Befragung von Richter Tiedemann, ob der Angeklagte gewusst habe, dass der Käufer, dem er Ecstasypillen verkauft habe, erst 16 Jahr alt gewesen sei, antwortete dieser. „Leider nicht.“ In drei weiteren Fällen muss der Angeklagte, der der Kripo Eckernförde bereits bekannt war, sich wegen unerlaubten Drogenbesitzes verantworten.

Nach Aussage des Zeugen, Polizeikommissar Ingo Kraak, hat eine Mitteilung über Facebook, dass eine Marihuanalieferung im Zug von Kiel nach Eckernförde unterwegs sei, die Polizei auf die Spur des Angeklagten geführt. Sie holten ihn aus dem Zug und nahmen ihm sein Handy ab. Dort fanden sie eine Whats App-Nachricht mit dem Inhalt, dass am selben Tag um 19 Uhr mehr als 100 Ecstasypillen (sogenannte Goldbarren, die einen erhöhten Anteil an MDMA (3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin enthalten) in der Wohnung des Angeklagten auf einen bestimmten Käufer warteten. Der Angeklagte war bei Ankunft der Beamten sofort geständig.

Geständig war er auch vor Gericht. Dieses und die Tatsache, dass er in einem Arbeitsverhältnis in einer Spielhalle steht, allein für seine dreiköpfige Familie sorgen muss, selbstständig eine Schuldnerberatung aufgesucht hat und seit August 2014 polizeilich nicht mehr auffällig geworden ist, wertete die Staatsanwältin als positiv. Das vom Gesetzgeber geforderte Strafmaß, 32 mal eine Mindestfreiheitsstrafe von drei Monaten und zweimal Geldstrafe von 60 Tagessätzen, reduzierte die Staatsanwältin auf ein Strafmaß von einem Jahr und drei Monaten, das auf drei Jahre auf Bewährung ausgesetzt ist. „Dann dürfen Sie noch nicht mal schwarzfahren. Ich glaube nicht, dass Sie wollen, dass Ihre Kinder sie im Knast besuchen“, sagte sie.Das Gericht schloss sich ihrem Plädoyer an und verurteilte den Angeklagten auf ein Jahr und drei Monate auf Bewährung. Das Urteil ist rechtskräftig, da die Verteidigung auf Rechtsmittel verzichtete.

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