Flüchtlinge in Eckernförde : Eckpunkte der Integration: Sprache und Mobilität

Koordinieren die ehrenamtliche Hilfe in Eckernförde und Umgebung: Lutz Oetker und Sabine Bleyer vom Verein UTS sowie Annette Giencke vom Awo-Ortsverein (v.l.).
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Koordinieren die ehrenamtliche Hilfe in Eckernförde und Umgebung: Lutz Oetker und Sabine Bleyer vom Verein UTS sowie Annette Giencke vom Awo-Ortsverein (v.l.).

Die ehrenamtlichen Helfer ziehen eine erste Zwischenbilanz nach einem Jahr Flüchtlingsbetreuung in Eckernförde. Neu im Boot sind zwei hauptamtliche Flüchtlingsbetreuerinnen.

shz.de von
31. Juli 2015, 06:14 Uhr

Eckernförde | Ahmad Alshaar ist 25 Jahre alt, stammt aus Syrien und lebt seit fünf Monaten in Eckernförde. Als Seemann arbeitete er in Spanien, ehe er aus seiner Heimat floh. Sein Wunsch ist es, deutsch zu lernen, eine Ausbildung zu machen und in Eckernförde zu bleiben. „Die Stadt ist meiner syrischen Heimat sehr ähnlich – klein und am Meer gelegen“, sagt der junge Mann. Ibrahim Mouhamed ist auch Syrer und seit fünf Monaten in Eckernförde. Wie Ahmad Alshaar wünscht auch er sich, deutsch zu lernen und Arbeit zu finden. Die Sprache sei der Schlüssel, sagt er.

Die beiden Männer sind zwei von derzeit rund 170 in Eckernförde lebenden Flüchtlingen. Ihre Wege haben sie aus Eritrea, Syrien, Albanien, Tschetschenien oder Serbien über Erstaufnahmelager nach Eckernförde geführt. Gemäß der Aufnahmequote für die Stadt sollen 2015 164 Flüchtlinge aufgenommen werden. „Nächste Woche werden davon bereits 100 Flüchtlinge hier leben“, sagt Klaus Kaschke, Leiter des Ordnungs- und Sozialamtes. Ende 2014 lebten etwa 70 Flüchtlinge in Eckernförde. „Diese sind jedoch nicht innerhalb eines Jahres nach Eckernförde gekommen, sondern über mehrere Jahre verteilt“, so Kaschke. „Die Vermutung liegt nahe, dass die Quote noch angehoben wird.“

Für die Stadt eine besondere Herausforderung ist die Bereitstellung von Wohnraum. „Zurzeit sind wir noch in der guten Situation, dass wir dezentrale Unterbringungsmöglichkeiten zur Verfügung stellen können“, sagt Kaschke. Bei der Suche nach Wohnraum unterliegt die Stadt wie jeder andere auch dem Wettbewerb: Wohnraum, der auf dem freien Wohnungsmarkt angeboten wird, kann sie anmieten. Containerlösungen oder Zeltlager, wie es sie bereits in anderen Städten gibt, sieht Kaschke auch dann nicht für Eckernförde, wenn Ende des Jahres die Quote erfüllt sein sollte.

Während die Stadt für die Bereitstellung des Wohnraums zuständig ist, findet Hilfe, die darüber hinaus geht, weitgehend ehrenamtlich statt. In Eckernförde koordiniert dies vor allem der Verein UTS (Umwelt, Technik und Soziales) sowie der Awo-Ortsverein unter dem Motto „Willkommen in Eckernförde“ (www.willkommen-in-eckernfoerde.de). Schulanmeldungen, Behördengänge oder Sprachkurse – das Angebot der Ehrenamtler soll als erste Unterstützung für die Neu-Eckernförder dienen.

Am vergangenen Dienstag lud UTS-Geschäftsführer Lutz Oetker zu einer ersten Zwischenbilanz in die Bürgerbegegnungsstätte ein. „Ein Jahr ist es jetzt her, dass wir unsere Arbeit aufgenommen haben“, so Oetker. Seither haben sich rund 80 ehrenamtliche Helfer gefunden. „Viel Kopfschmerzen bereitet uns nach wie vor das Thema Mobilität“. In einem Flächenkreis wie Rendsburg-Eckernförde sei Mobilität oftmals die Voraussetzung, um Angebote überhaupt annehmen zu können. Gerade die Möglichkeit, Angebote wie Sprachkurse besuchen zu können, sei jedoch wichtiger Teil der Integration. Seit Anfang Juli hat der Verein gemeinsam mit Pro Regio das ehrenamtliche Angebot um zwei festangestellte Integrationslotsinnen ergänzt. Susann Müller und Hanane Dhaibi arbeiten seither als Betreuerinnen für neu ankommende Flüchtlinge (siehe Interview unten auf dieser Seite).

Zum Helfertreffen waren auch die Koordinatorinnen Gitte Bärbig-Harrsen und Katharina Lübs des Kreises geladen, die seit Anfang Mai mit dem Aufbau einer Informationsstelle für die Flüchtlingsbetruung auf Kreisebene beauftragt sind. Ihr Ziel ist es, eine Vernetzung zwischen Haupt- und Ehrenamt herzustellen. „Wir sehen uns als Vermittlerinnen“, so Bärbig-Harrsen. Gleichzeitig betonten auch die Kreis-Koordinatorinnen, wie wichtig es sei, dass neu ankommende Flüchtlinge Deutsch lernen. Der Bund plant dafür eine Sprachförderkette aus aufeinanderaufbauenden Kursen. Dabei sei nicht nur der Bedarf an Ehrenamtlern, die Deutsch unterrichten können, groß, sagt Katharina Lübs. Wichtig sei zudem, dass sich die Sprachlehrer zertifizieren lassen, damit die Teilnehmer der Kurse den Spracherwerb nachweisen können.

> Wer einen Sprachkurs geben möchte, kann sich mit Gitte Bärbig-Harrsen und Katharina Lübs ,Tel. 04331/202  169, in Verbindung setzen.

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