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Eckernförder Zeitung

13. Dezember 2017 | 21:57 Uhr

Eckernfördes verschwundene Denkmäler

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Wenn alte Gebäude und historische Anlagen plötzlich aus dem Stadtbild verschwinden / Was bleibt, ist nur die Erinnerung

von
erstellt am 06.Mai.2014 | 11:29 Uhr

Es gehört zur natürlichen Entwicklung einer Stadt, dass Gebäude aus vergangenen Zeiten abgerissen und durch moderne Bauten ersetzt werden. Im Idealfall sorgen Denkmalschutz und Denkmalpflege dafür, dass besonders wertvolle Architektur und historisch wichtige Denkmäler erhalten bleiben. Oft entsteht darüber Streit zwischen Investoren und kulturell engagierten Bürgern, der mit einem Kompromiss enden kann.

In Eckernförde gibt es jedoch eine Reihe von Objekten, die von der Öffentlichkeit unbemerkt, gleichsam über Nacht verschwunden sind. Erst lange nach dem Verlust beginnt die Bürgerschaft darüber zu diskutieren – ohne etwas ändern zu können.

Ein Beispiel aus der Architektur ist die Villa des Freiherren von Schröder, die seit Beginn des 20. Jahrhunderts auf dem höchsten Punkt der Carlshöhe stand: Sie gehörte zu den besten Werken des prominenten Architekten und Absolventen der Baugewerkschule Wilhelm Kruckau (1867 – 1941), von dem sich eine Reihe denkmalgeschützter Gebäude erhalten haben: das Haus Schwensen am Rathausmarkt zum Beispiel. Schröders Villa war lange Jahre Offiziersheim der Bundeswehr und damit nicht im Blickpunkt der Öffentlichkeit – wer doch das Glück hatte, das eigenwillige Gebäude mit seiner vielgestaltigen Dachlandschaft und dem Turm mit großem Blick über das Noor besichtigen zu dürfen, staunte über ein solches Denkmal. Ohne öffentliche Vorwarnung verschwand der edle Sitz des Freiherren von der Bildfläche. Die Bürger Eckernfördes wurden nur von einem gewaltigen Donnerschlag aufgeschreckt, den die notwendige Sprengung des Turmes am 14. Mai 2009 auslöste.

Ein zweites beiseite gebrachtes, wenn auch ganz anders gestaltetes Objekt ist der „Alte Hafenkran“, einst im Besitz des Ersten Eckernförder Fischereivereins. Jahrzehnte lang stand er auf Schienen am Vogelsang, beeindruckte durch ein fünf Tonnen schweres Ausgleichsgewicht und wurde bis in die 1970er Jahre per Hand betrieben. Im Jahr 2007 verschwand der Kran, ebenfalls „über Nacht“ – die nicht eingeweihten Borbyer Bürger rieben sich am Morgen verwundert die Augen. Der Volksmund will wissen, dass die Beseitiger sehr wohl den Ort kennen, an dem das Stück in der Ostsee versenkt wurde. In Wirklichkeit war das unter Denkmalschutz stehende Gerät baufällig, die Besitzer fragten bei der unteren Denkmalpflege nach und erhielten die Genehmigung zur Entsorgung.

Ein optischer Verlust war auch die plötzliche Demontage des golden leuchtenden Zunftzeichens „Brezel“, lange Jahre an der Makoben-Filiale in der Kieler Straße werbend. Und das historisch bedeutsame und architektonisch wertvolle Kontorhaus zeigte auf seiner Rückseite (die einst die Eingangsseite war) zwei Fensterscheiben mit von Künstlerhand eingeätzten Motiven: Dargestellt wurde unter anderem Fürst Bismarck. Auch diese Objekte waren eines Tages nicht mehr auffindbar - Einbrecher, so wurde gesagt, hätten die Scheiben zerschlagen, um ins Innere des Hauses zu gelangen. In Schleswig-Holstein ist kein zweites Beispiel solcher Glaskunst erhalten; damals wie heute waren die Scheiben eine teure Antiquität.

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