Klimaschutz : Eckernfördes Beitrag im Kampf gegen die Klimakiller

Bis 2050 soll der Ausstoß der Treibhausgase in Deutschland um 80 bis 95 Prozent reduziert werden. Eckernförde erarbeitet dafür wie alle größeren Kommunen derzeit ein Klimaschutzkonzept.
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Bis 2050 soll der Ausstoß der Treibhausgase in Deutschland um 80 bis 95 Prozent reduziert werden. Eckernförde erarbeitet dafür wie alle größeren Kommunen derzeit ein Klimaschutzkonzept.

Auf der ersten lokalen Klimaschutzkonferenz haben die Teilnehmer Ideen zum Energiesparen und -gewinnen formuliert. Am Ende soll ein Konzept mit konkreten Handlungsanweisungen stehen.

shz.de von
23. Mai 2015, 06:04 Uhr

Eckernförde | Deutschland hat sich ambitionierte Ziele beim Klimaschutz gesetzt: Bis zum Jahr 2050 soll der Ausstoß der Treibhausgase um 80 bis 95 Prozent gesenkt werden. Das kann aber – wenn überhaupt – nur gelingen, wenn sich auch Kommunen, Unternehmen und jeder einzelne Bürger beteiligen.

Die Stadt Eckernförde will deshalb ein Klimaschutzkonzept erstellen und hatte dazu am Donnerstagabend zur ersten Klimaschutzkonferenz im Technik- und Ökologiezentrum (TÖZ) eingeladen. Vertreter von Parteien, Vereinen und Institutionen waren gekommen, um erste Ideen zu sammeln, aus denen schließlich ein Maßnahmenkatalog entstehen soll.

Grundsätzliche Informationen zur Klima-Situation in Eckernförde gaben Cord Roepken und Sandra Giglmaier vom Bundesdeutschen Arbeitskreis für Umwelt und Management (B.A.U.M.), die unter anderem mit dem Erstellen einer Energie- und CO2-Bilanz für die Stadt Eckernförde beauftragt worden waren.

Demnach wird die meiste Energie in der Fördestadt, nämlich 43 Prozent, von der Wirtschaft verbraucht (siehe Diagramm oben links). 33 Prozent schluckt der Verkehr, während die Haushalte einen Anteil von 18 Prozent haben. Die öffentliche Verwaltung liegt bei 5,53 Prozent.

Die meiste Energie wird zur Erzeugung von Wärme verwendet (53 Prozent, siehe Diagramm oben rechts), 33 Prozent werden durch Treibstoffe freigesetzt, 14 Prozent durch Strom. Insgesamt verbraucht der Eckernförder 27 Megawatt Energie pro Jahr. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 30 Megawatt.

Den größten Anteil an der jährlichen CO2-Produktion in Höhe von 169  000 Tonnen hat die Wärmeproduktion (41 Prozent), gefolgt von den Treibstoffen (36 Prozent) und Strom (23 Prozent). Dennoch: Mit 7,8 Tonnen CO2 pro Einwohner und Jahr liegt Eckernförde weit unter dem Bundesdurchschnitt von 11 Tonnen.

Bei der Potenzialanalyse hat sich das Beratungsunternehmen B.A.U.M. an dem mittelfristigen Ziel bis 2030 orientiert. „Ein Zielszenario bis 2050 ist doch sehr ungewiss“, so Sandra Giglmaier. Die Frage lautet also: „Welche Ziele können erreicht werden?“ Wärmeeinsparungen von 10 bis 20 Prozent für die Wirtschaft wurden genannt durch die Optimierung von Heizungen, Prozesswärmeoptimierung und Gebäudesanierung, während für die Haushalte und die Verwaltung höchstens 9 Prozent erreicht werden könnten. Anders beim Strom: Bis zu 20 Prozent Einsparungen sind in der Wirtschaft möglich und bis zu 23 Prozent in den Haushalten und der Verwaltung durch effizientere Geräte und ein geändertes Nutzerverhalten. Der Treibstoffbedarf allerdings wird kaum zu senken sein.

Potenzial beim Einsatz von regenerativen Energien sehen die Berater in der Photovoltaik: Bis zu 20 Prozent zusätzlicher Dachfläche könnten genutzt werden. Auch Solarthermie, geringfügig Biogas und Wärmepumpen könnten zum Ziel beitragen. Tiefengeothermie und Windkraft gaben sie im Stadtgebiet keine Chance.

Schließlich waren die Teilnehmer gefragt, eigene Ideen zu entwickeln. Ergebnis: eine Beratung für mittelständische Unternehmen zum Energiesparen in der Wirtschaft. Besonders der Fahrradverkehr wurde auch unter die Lupe genommen und der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV). Dabei wurde angeregt, im Sommer eine Buslinie zum Südstrand einzurichten, um den Autoverkehr einzuschränken. Ein Touristenticket für den ÖPNV war genauso im Gespräch wie Kleinstwindkraftanlagen und Wärmepumpen. Zuletzt muss noch eine Stelle für einen Klimaschutzmanager, ein Beirat oder ein Arbeitskreis Klimaschutz eingerichtet werden – ein Gremium, das die Umsetzung der Schutzmaßnahmen im Auge behält und aktiv unterstützt.

Bei der zweiten Klimaschutzkonferenz am 18. Juni sollen ab 18 Uhr in den Räumen der Stadtwerke im Bornbrook die konkreten Maßnahmen weiter ausformuliert werden. Die Versammlung ist öffentlich, jeder kann teilnehmen. Bis Ende des Jahres soll ein Konzept entstehen, das konkrete Handlungsanweisungen gibt.


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