zur Navigation springen

30 Jahre Umwelterhebung : Eckernförder Weg: Vorrang für die Natur im Norden

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Geograph Michael Packschies gibt im Umweltausschuss einen Rückblick auf 30 Jahre Umwelterhebung in Eckernförde. Ökologisch wertvoller Norden wird nicht weiter bebaut. Die Stadtentwicklung erfolgt im Südwesten.

von
erstellt am 12.Nov.2015 | 06:47 Uhr

Eckernförde | Nord oder Süd? Das war die kontrovers diskutierte Frage im Jahr 1982. Die Bevölkerung wuchs jedes Jahr um 1,5 Prozent, Eckernförde brauchte neue Wohngebiete. Und die sollte in großem Stil im Norden bis hin zur „Bundeswehrstraße“ entstehen. „Rettet den Lachsenbach“ hieß es dann von Bürgerinitiativen, die Front gegen die Planungen machten. Ratsversammlung und die Verwaltung mit Bürgermeister Kurt Schulz an der Spitze griffen diese Proteste auf und gaben 1984 bei der Zentralstelle für Landeskunde in Eckernförde ein Gutachten zum Eckernförder Naturpotential in Auftrag. Michael Packschies und eine Kollegin marschierten los und kartierten die gesamte Stadt. Jeder Baum, jeder Knick, jedes Feuchtgebiet wurde erfasst, dabei auch schon mal über Grundstücksmauer geguckt, alles tabellarisch in einem großen Stadt-Atlas verzeichnet und Geländestrukturen und Kartierungsobjekte im Maßstab 1:5000 in Karten übertragen. Den Atlas gibt es immer noch – und aus dem jungen Geografen der Zentralstelle ist der Leiter der Abteilung Naturschutz und Landschaftsplanung der Stadt Eckernförde geworden. Michael Packschies blickte am Dienstagabend im Umweltausschuss auf 30 Jahre Umwelterhebung in Eckernförde zurück.

Wesentliches Ergebnis der Auswertung: Am nördlichen Stadtrand, dem geplanten Baugebiet, gibt es ein viel dichteres Netz an „linearen Verbindungselementen“ wie Knicks, Gewässer und Vegetation als im Südwesten. Mit anderen Worten: Wertvolle Biotope im Norden, ökologisch wenig bedeutsames Ackerland im Süden. Das Ganze wurde mit dem gerade neu aufgestellten Flächennutzungsplan abgeglichen, insgesamt 24 Problempunkte – 19 davon im Norden – benannt und Konsequenzen abgeleitet, die bis zum Verzicht auf den Bau neuer Wohngebiete am nördlichen Stadtrand reichten. Ein neuer, noch heute gültiger Landschaftsplan wurde aufgestellt, der F-Plan geändert und Grünordnungspläne installiert – Eckernförde war voll auf Kurs.

Packschies ist noch heute sehr dankbar, dass Politik und Verwaltung seinen Ratschlägen folgten und sich so 95 Prozent der geforderten Konsequenzen umsetzen ließen. Die Stadt setzte sich damit an die Spitze der Kommunen mit einer ökologisch ausgerichteten Stadtentwicklung. 1994 wurde Eckernförde Bundeshauptstadt für Natur- und Umweltschutz und errang internationales Renommee. Vor allem Gäste aus Japan und Korea studieren seitdem den Eckernförder Weg und nehmen Anregungen mit nach Asien. Zum Beispiel der am 6. Dezember 1990 aufgestauten Eimersee: Packschies hatte den verrohrten Ostarm des Lachsenbachs am Rande der Feldwegsiedlung mit einem Maurereimer verstopft – fertig. Heute ist der Eimersee ein gut entwickeltes Biotop mit großer Tier- und Pflanzenvielfalt. Welch hohe reinigende Wirkung der Eimersee mitsamt seiner sumpfigen Uferflächen hat, zeigte sich vor wenigen Jahren beim Bruch einer Abwasserdruckleitung: Die Abwässer aus Barkelsby ergossen sich tagelang in den Eimersee, kamen aber ohne erhöhte Verschmutzung in der Ostsee an. Quellbrüche, freigelegte Bachläufe und sich selbst entwickelnde Naturflächen prägen inzwischen den nördlichen Stadtrand. Selbst die neuen Supermärkte in der Ostlandstraße sind mit Grasdach in die Landschaft eingepasst und das Gewerbegebiet Marienthal durch Biotope und Anpflanzungen aufgewertet worden. Leider habe das im Gewerbegebiet Grasholz nicht gefruchtet, so Packschies, „das sieht aus wie ein Verkehrsübungsplatz“. Aber auch im Süden sind im Bereich der neuen Wohngebiete wie Domsland oder Schiefkoppel aus Ackerflächen neue Naturlandschaften mit Teichen, Knicks und Bäumen entstanden, Flächen wie das Schuch-Gelände wurden entsiegelt, Gebäude abgerissen. Letztlich seien auch das Umwelt-Info-Zentrum und das Ostsee Info-Center Folgen der naturnahen Stadtentwicklung, so Packschies.

Weitere Projekte stehen an. So soll der Lachsenbach auch in der Karlstraße geöffnet werden, um Meerforellen den Aufstieg zu ermöglichen, und im Möhlwischbach an der Letzten Pappel soll im Winter eine Fischtreppe gebaut werden, damit die Fische zum Laichen aufsteigen können. „Was noch fehlt, ist die Mündung auf dem SCE-Gelände“, sagt Packschies. Wer ihn kennt, weiß, dass ihm dies auch noch gelingt.

 

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen