Fotoausstellung in der Stadthalle : Eckernförder Szenen mit Jongleur

Beeindruckende Schwarz-Weiß-Aufnahmen: Peter Nissen, Kai Wösthoff und Karen Reelmann haben ihre Freude an den Bildern.
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Beeindruckende Schwarz-Weiß-Aufnahmen: Peter Nissen, Kai Wösthoff und Karen Reelmann haben ihre Freude an den Bildern.

Der Fotograf Dieter Borchert hat Eckernförde mit seinem Superweitwinkel ins Visier genommen. Seine Schwarz-Weiß-Aufnahmen werden in der Stadthalle ausgestellt. Immer mit dabei – ein Jongleur als Stilmittel

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07. Januar 2015, 06:55 Uhr

Die Fotoausstellung am Montagabend in der Stadthalle zog eine Menge Leute an: Zu Jazzmusik, einem Gläschen Sekt und Keksen in Kameraform ließen sich Gäste des Fotografen Dieter Borchert – der eine oder andere sollte als Modell auf den Bildern wieder zu finden sein – die großformatigen Schwarz-Weiß-Aufnahmen auf der Zunge zergehen.

Was gab es da nicht alles zu entdecken: Die Klappbrücke am Binnenhafen, darauf eine lesende Frau, ein Rollerfahrer mit Kind und ein Jongleur; die Piazza an der alten Bauschule, zwei Eckernförde-Stadtreiseführer auf dem Tisch, ein Jongleur im Hintergrund; Espresso bei Alfredo mit zwei Kindern und zwei Bearded Border-Collies im Hintergrund – und, ja genau, mit einem Jongleur ... Jörg Ottsen, der Mann mit den wirbelnden Keulen, ist auf jedem Bild dabei, mal kleiner, mal im Hintergrund. Was einer Geschenkidee (ein klammheimlich am frühen Morgen gemachtes Foto für Alfredo Lettieri) entsprang, wurde zur Serie. Ottsen erinnert sich: „Dieter Krohn und seine Kinder waren schon dabei, und dann sollte noch Action rein – da hat der andere Dieter mich gefragt.“ Das Fotoshooting sei dann so lustig geworden, dass man sich entschloss, daraus eine Serie zu machen. Immer anders, aber mit Jongleur.

In ihrer Laudatio geht Jill Thielsen (Institut für Neuere Deutsche Literatur und Medien) auf Technik und Bildaufbau der 20 gezeigten Fotos ein. Dieter Borchert, Werbegestalter am Theater Kiel, fotografiere mit Superweitwinkel-Objektiv, „der Bildraum der Aufnahmen ist nicht in sich geschlossen, sondern erweitert sich durch angeschnittene Objekte und durch über den Bildraum hinausweisende Figurenblicke wie in der Nummer 13 – ’zu Besuch bei Frau Lehmann’“.

Der Anspruch der Aufnahmen sei nicht dokumentarisch, sondern ästhetisiert und komponiert. Welche geplanten Szenen nicht realisiert werden konnten, führt Borchert dann selber aus: Die Brücke beim Noorfischer sei dem Orkan Christian zum Opfer gefallen, mal habe der Jongleur sich an einer Brotschneidemaschine verletzt. Und noch eine andere Keule flog, wohl zum Glück, an Jörg Ottsen vorbei: Aus Sicherheitsgründen wurde nach einem netten Mailwechsels mit der Pressestelle des Marinekommandos eine Jonglage auf dem Heck eines fahrenden U-Boots abgelehnt.

Ottsen zeigt auf ein Foto: „Das ist übrigens Thomas Lötzsch da auf dem Stuhl.“ Der Eckernförder Musiker, Autor und Entertainer lässt sich beim Eckernförder Barbier rasieren, liegt still im Stuhl, Hals und Gesicht eingeseift, die Klinge an der Kehle. „Hat der da gar nicht gesabbelt?“ Ottsen lacht: „Oh, da würde ich auch still halten ...“

Mit Komplimenten wird nicht gegeizt an diesem Abend, noch im Hinausgehen fordern Freunde Dieter Borchert zu Fortsetzungen auf: „Super! Kannst du jederzeit wieder machen!“


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