Seemeilen zählen : Eckernförder Segler auf großer Fahrt

Wurden für ihre seglerischen Leistungen prämiert (v. l.): Holger Müller-Daniels, Jule und Jan Lürkens sowie Susi und Wolfgang Brandenburger.
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Wurden für ihre seglerischen Leistungen prämiert (v. l.): Holger Müller-Daniels, Jule und Jan Lürkens sowie Susi und Wolfgang Brandenburger.

Fahrtenseglerwettbewerb des SCE: Am Freitag wurden die Sieger der Distanz-, Küsten- und Seereise geehrt. Das Segeln wird zum Erlebnis – auch an Land.

shz.de von
22. Januar 2018, 05:23 Uhr

Eckernförde | Wer ist die meisten Seemeilen im Jahr gesegelt, und wer hat die meisten Länder besucht – der jährliche Fahrtenseglerwettbewerb im Segelclub-Eckernförde zeigte einmal mehr eine der schönsten Facetten des Segelsports. So sind es nicht nur zurückgelegte Meilen, sondern das Reisen an sich und die damit gepaarten Erlebnisse, die von der Jury, vertreten durch Ulf Waligora und Dorothea (Doro) Daniels, am Freitagabend in den Clubräumen präsentiert wurden.

Ursprünglich für die Gewässer vor der eigenen Haustür sowie angrenzende Länder wie Dänemark und Schweden gedacht, hat sich der Wettbewerb gewandelt. Folgten zwischenzeitlich Schottland oder die englischen Kanalinseln, findet man Eckernförder Yachten inzwischen auch auf der anderen Seite des Atlantiks.

Kurzweilig präsentierte Waligora Highlights aus den insgesamt 15 eingereichten Logbüchern, die von Begegnungen mit anderen Klubmitgliedern, verletzten Schultern, verbogenen Relingstützen oder defekten Fäkalientankventilen berichteten. Präzise beschrieben die Skipper im Logbuch den Reiseverlauf. „Das Logbuch der FEO liest sich an vielen Stellen wie ein kleiner Reiseführer“, so die Ausführungen von Waligora, wichtige Informationen über Hafengelder, WLAN Codes und kulinarische Empfehlungen fehlen nicht. Widrige Winde sorgten bei der „Schnegge“-Crew Birte und Jan Christopher Lütt dafür, dass im überfüllten Hafen von Marstal aus dem Gala-Dinner zum Hochzeitstag leider nur heiße Würstchen mit Kartoffelsalat wurden. Machte die „Xenia“ mit Crew Biedermann lediglich die Mecklenburgische Küste unsicher, erkundete Günter Holstein mit seiner „Sans Souci“ die ostschwedischen Schären, um dann über den Götakanal in die Heimat zurückzukehren.

Begann die Saison für viele mit der gemeinsamen Geschwaderfahrt nach Lübeck, war die „Mrs. Jones“ mit Doro und Holger Müller-Daniels schon früher im Jahr unterwegs, um in drei Monaten die Ostsee zu umrunden. Aus ihrem Bootstagebuch erfuhren die Zuhörer von Parkgebühren für abgestellte Fahrräder bei der Wanderdüne im polnischen Slowinsky Nationalpark bei Leba, aber auch von einem ungebetenen Besuch an Bord, der Handys, Portemonnaie und wichtige Papiere mitgehen ließ. Vorbei an Kaliningrad über Klaipeda liegen Lipaja und Ventspils auf dem Weg nach Tallinn, das sich im Juni mit 10 Grad als deutlich zu kalt präsentierte. Mit insgesamt 2627 zurückgelegten Seemeilen in elf Wochen hat sich die Crew ein „Gold“ verdient.

Nicht weit hergeholt ist der Apfel-Birnenvergleich zu bisherigen Reisen bei dem Törn der „Beagle“ Crew Alice und Uli Zenneck nach Lanzarote, wo das Boot nach 2524 Seemeilen zunächst überwintert und erst in diesem Jahr irgendwann wieder zurück geholt wird. Gut „getimt“ war dabei die Begegnung mit der von den Azoren kommenden „Sturmschwalbe“ im spanischen A Coruna, wo neben Reiseerlebnissen auch Seekarten ausgetauscht wurden. Rund 7500 Seemeilen brachten Jule und Jan Lürkens 2017 bei ihrer Reise zu den Virgin Islands, Hispaniola, den Bahamas und zurück auf ihrer „Sturmschwalbe“ hinter sich, um Ende August nach insgesamt 467 Tagen wieder in Eckernförde einzulaufen. Eine Distanz, die auf jeden Fall Kategorie „Gold“ verdiente. Weg von den bis dato üblichen Zinntellern wurden die Teilnehmer in den Kategorien Distanzreise , Seereise und Küstenreise jeweils mit einem Tablett aus der Silbermanufaktur Robbe & Berking prämiert, den Commodore-Cup für die meisten angelaufen Länder erhielt die Crew Lürkens von der „Sturmschwalbe“ nicht zum ersten Mal.

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Die Prämierten:
Distanzreise: „Sturmschwalbe“ Jule und Jan Lürkens (7500 Seemeilen anteilig)
Küstenreise: „Symphonie“ Susi und Wolfgang Brandenburger (993 Seemeilen)
Seereise: „Mrs. Jones“ Dorothea und Holger Müller-Daniels (2627Seemeilen)


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