kürzung von unterrichtsstunden : Eckernförder Schulen in der Stundenfalle

Den Schülern der Grund- und Gemeinschaftsschule drohen im nächsten Schuljahr spürbare Einschnitte bei der Unterrichtsversorgung.
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Den Schülern der Grund- und Gemeinschaftsschule drohen im nächsten Schuljahr spürbare Einschnitte bei der Unterrichtsversorgung.

An den Schulen der Stadt Eckernförde rumort es: Wegen Planstellenkürzungen drohen im neuen Schuljahr zum Teil erhebliche Stundenkürzungen. Am stärksten betroffen ist die Grund- und Gemeinschaftsschule (GGS) am Pferdemarkt.

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05. Juni 2014, 06:52 Uhr

An den weiterführenden Schulen der Stadt rumort es. Sie fürchten für das kommende Schuljahr eine zum Teil deutliche Kürzung von Unterrichtsstunden. Grund dafür sind die Sparbeschlüsse der Landesregierung und der damit verbundene Planstellenabbau, der die Schulen jetzt an ihrer empfindlichsten Stelle trifft – der Unterrichtsversorgung.

Besonders betroffen ist nach ersten Erkenntnissen die Grund- und Gemeinschaftsschule (GGS) am Pferdemarkt. Elternvertreter Kai Krüger hat am Dienstagabend in der Sitzung des Ausschusses für Jugend, Kultur, Bildung und Sport auf die großen Probleme an der Schule hingewiesen, die im nächsten Schuljahr aufgrund der Kürzung von Unterrichtsstunden erwartet werden. Mit dem neuen Schuljahr 2014/15 würden 5,79 Lehrerplanstellen an der GGS wegfallen. „Das bedeutet, dass bis zu neun Lehrkräfte unsere Schule verlassen müssen“, sagte Krüger.

Die landesweiten Einsparungen von Lehrerstellen würden nach Auskunft der Arbeitsgemeinschaft „Nicht noch weniger Unterrichtsstunden in der Schule“ des Schulelternbeirats dazu führen, dass an der GGS laut Planstellenzuweisung 159 Unterrichtstunden pro Woche weniger erteilt werden. „Sieht so eine qualifizierte Schulausbildung aus? Schleswig-Holstein gehört schon jetzt zu den Schlusslichtern bei den Ausgaben pro Schüler“, haben die Elternsprecher in einem Rundschreiben formuliert. Sie befürchten bis zu zwei Wochenstunden weniger Unterricht für die Schüler, und zwar auch in prüfungsrelevanten Hauptfächern. Rechnet man die „unkalkulierbaren Ausfälle durch Krankheit und Klassenfahrten hinzu, könne der Unterricht „nicht mehr zu 100 Prozent gegeben werden, sondern nur noch zu 85 bis 90 Prozent“, rechnet der Schulelternbeirat der GGS vor. Sie sehen damit die Chancengleichheit der schleswig-holsteinischen Schüler gefährdet, weil andere Bundesländer mehr in die Bildung investierten. „Will diese Landesregierung eine Bildung zweiter Wahl?“, fragen die Eltern.

Für den Leiter der Arbeitsgruppe, Matthias Behring, wäre die Regierung gut beraten, das Gesetz wieder zu ändern, damit der Schulunterricht funktioniert. Er hat kein Verständnis dafür, dass die Klassen wegen fehlender Unterrichtsstunden vollgestopft werden. „Wie soll der Unterricht bei Klassengrößen von 30 funktionieren?“, fragt Behring. Für ihn ist die vorgelegte Planung „ein Armutszeugnis für die Landesregierung“. Gerade weil alle Politiker stets betonen, wie wichtig ihnen die Bildung ist. Lehrer und Schulleiter seien „gekniffen“, sie müssten das umsetzen, was in Kiel entschieden werden und versuchen, den Mangel zu verwalten. Zusammen mit einigen weiteren Eltern und Schülern hat Matthias Behring gestern an der Demonstration gegen den Stundenabbau in Satrup teilgenommen. Er hofft auf ein Einlenken der Regierung.

Der CDU-Bildungsexperte Daniel Günther kann die Befürchtungen der Eltern und Schulen nach Gespräche mit Elternvertretern von Eckernförder Schulen nachvollziehen. „Die Sorgen um die Unterrichtsversorgung sind begründet. Die Situation ist so dramatisch geworden, weil die Landesregierung zusätzlich zu dem auch von der Vorgängerregierung eingeschlagenen Weg des Stellenabbaus parallel zum Schülerrückgang mit verschiedenen Maßnahmen die Engpässe befördert hat.“ Günther nannte die Umwandlung von Regional- in Gemeinschaftsschulen, der Aufbau zahlreicher neuer Oberstufen und die Halbierung des Vertretungsfonds. „Diesen Weg halte ich für falsch. Aus diesem Grund habe ich gemeinsam mit meiner Kollegin Heike Franzen einen CDU-Antrag für die nächste Landtagssitzung eingebracht, zum kommenden Haushaltsjahr 300 zusätzliche Lehrerplanstellen einzurichten. “

Ein weiteres ernstes Thema für die weiterführenden Schulen in Eckernförde scheint die von mehreren Seiten angesprochene zunehmende Abwanderung von Umlandschülern in die weiterführenden Schulen der Nachbarorte wie Gettorf, Süderbrarup, Kappeln, Schleswig und Büdelsdorf zu sein. Diese machten zum Teil aktive Werbung in den 4. Klassen der Grundschulen, hätten teilweise bessere Verkehrsanbindungen oder lockten mit angeschlossenen gymnasialen Oberstufen. Auch hier gibt es offenkundig Handlungsbedarf, um im Wettbewerb nicht unter die Räder zu kommen.

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