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Eckernförder Reisegesellschaft genießt ostfriesische Lebensart

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Das sind die mit den grauen Haaren, ein ganzer Bus voll? Ja, grau schon, aber helle! Und wissbegierig, neugierig und fröhlich. Es ist schön, ein Mitglied in der Heimatgemeinschaft zu sein. Sie sollten es mal versuchen!

In unserer Gruppe tummelten sich Wetterfrösche und leidenschaftliche Land- und Hausfrauen, Lehrerinnen und Kauffrauen, Ärztinnen und Postbeamte, Dichter und Denker, neben Ornithologen, Statistikern und Bauingineurinnen, Architektinnen, Seniorenheimleiterinmen und leidenschaftlichen Müttern in einer Person, Bürovorstehern, Sekretärinnen, Gymnastik-und Musiklehrerinnen, einer Studienrätin, einer Archäologin, Sonderpädagogen, Buchhaltern, Erzieherinnen, Sozialversicherungsfachangestellten und Leuten aus der Justiz. Ist das nicht eine tolle Mischung? Diese Reise muss doch gelingen. Und dann der Fahrer Mathias Freier mit seinem Riesebyer „Nils Holgerson“ und der Fahrkunst, einmal kurz bremsen, wenn wir drohen einzuschlafen!

Und so machten wir uns auf in ein unbekanntes Land, hin zu den Ostfriesen. In Aurich wurde Quartier bezogen, vier Nächte in einem tollen Hotel mit noch tollerem Essen. Die Suppen werde ich nicht vergessen! Auch daran haben wir uns abends strikt gehalten:

Sööte Melk is för de Kinner,

suure Melk is för de Swien.

Woter suupen Peer un Rinner,

doch för uns gift Gott de Wien.

Ok Friesengeist un kooles Beer

bröchten uns de Frunslüüd her!

Es war beruhigend, wir brauchten uns nicht groß umzustellen: Auch in Ostfriesland mit Moin gegrüßt. Wer jedoch Moin, Moin, sagt, gilt als Schwätzer. Und wir lernten gleich am ersten Abend die berühmte Bohnensuppe kennen, ein scharfes Rum-Rosinen-Getränk. Vor allem beim „Kindskiek“ wird sie getrunken, damit das Kind gut pinkeln kann. Wir haben alles mitgemacht!

Nach der sehr gekonnten „Landung“ am ersten Tag in Aurich ging gleich eine Stadtwanderung los, sehr informativ. Überall findet man den niederländischen Einfluss, in Baukunst, Kultur und Religion. Viele Juden fanden Schutz, aber auch ihren Tod. Die Nazis haben auch hier grausam gewütet! Nach dem Krieg wurde den vielen Opfern ein ergreifendes Mahnmal in Aurich errichtet.


Tee hohes Kulturgut


Viel Wissen, Insiderkenntnisse und ostfriesischer Humor, dazu noch gut anzusehen, das war Thedea Luxat. Wir hatten sie sehr zu unserer Freude mit an Bord. Dornumersiel, Bensersiel, Neuharlingersiel, Carolinensiel, so heißt es dort manchmal. Und abends immer wieder zurück zur Bohnensuppe!

Ostfriesland ohne Wiesmoor? Gibt es das? Ein älterer echter Friese fuhr mit uns durch die viele Hektar große, mächtigste Gewächshausanlage Europas. All die Tujas, Rhododrendren, Bux und Blumen! Er hielt nach eigener Aussage die längste Rede seines Lebens, wir staunten! Da gab’s auch Tee und Kürbissuppe. Na, mit dem Tee, da haben sie es ja! Im Teemuseum sind wir belehrt worden. Der Anbau mühsam, das Trinken ein hohes Kulturgut, ein Muss, vom Säugling bis zum Greis. Aber der richtige Tee muss es sein, und auf die zünftige Zubereitung kommt es an- Sahne und Kandis nicht vergessen! Und er schmeckt!

Jever ist ein schönes Städtchen, hat ein Schloss und eine Brauerei. Beides wurde von uns besichtigt, mit sehr humorvoller Führung. Das können die Ostfriesen! Und auch Bier brauen, wir haben probiert.

Am 16. ging’s per Schiff nach Norderney. Wo liegt die Insel genau? Soll ich’s sagen? So merkt sich ein dummer Tourist die Reihenfolge der Ostfriesischen Inseln: W-elcher S-eemann l-iegt b-ei N-anni i-m B-ett? Alles ganz unkompliziert!

Thedea traute sich,auch uns das Liebesleben der Seehunde und Krebse genauestens zu erklären. Letzteres habe ich nicht kapiert, weiß aber, dass es, was immer es bedeuten mag, eine Steckdosenpaarung ist. Bei den Seehunden habe ich besser aufgepasst: Wer am besten blubbern kann, hat bei dem Weibchen die besten Chancen! Da komm’ mal einer drauf! Dann geht’s zusammen an den Meeresgrund. Nach fünf Minuten ist das ganze Spektakel vorbei und einer schwimmt nach rechts, der andere nach links, als wäre nichts gewesen.

Der vorletzte Tag war so schön wie all die anderen. Wir fuhren nach Leer mit seiner lebendigen, historischen Kulisse, hörten immer wieder von den wichtigen Arbeitgebern Enercon und VW. Das Emssperrwerk und die gewaltige Schleuse in Gandersum, unentbehrlich für die Meyerwerft und ihre großen Pötte. Wir haben alles bestaunt!


Schiefster Turm der Welt


Die Ostfriesen sind sehr heimatverbunden, das Heimweh lässt sie immer wieder in ihr Dorf zurückkehren. So erging es auch Henri Nannen, den großen Sohn Emdens. Er baute für seine Stadt ein Kunsthalle der Extraklasse, wir haben alles angeschaut und im Shop gestöbert. Und Otto Walkes und Wolfgang Petersen (Das Boot), auch leidenschaftliche Emdener. Die Stadt wurde im Krieg zu 86 Prozent zerstört. Auf dem Weg zurück nach Aurich umrundeten wir den schiefsten Turm der Welt, 1250 erbaut und durch eine Entwässerung abgesackt. Suurhusen heißt das kleine gepflegte, von Touristenscharen besuchte Dorf.

Haben wir nun auch Heimweh? Naja ,der hält sich in Grenzen. Es war eine so schöne Zeit und Gemeinschaft, ober wat mut dat mut! Also Start um 9 Uhr am Freitag bei herrlichstem Sonnenschein. Unser Fahrer vermied die Fahrt auf der Autobahn, wir reisten über die schönen Dörfer, endlos lange Alleen, überquerten Flüsse, Kanäle und Auenlandschaften, waren mitten in Gottes schöner Natur. In der alten Hansestadt Stade aßen wir den ersten Flammkuchen des Jahres, natürlich mit Federweißer, im Sonnenschein.

Wir freuen uns auf die nächste Reise mit der Heimatgemeinschaft, kommen Sie doch mit.



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erstellt am 12.Okt.2015 | 15:19 Uhr

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