zur Navigation springen

Bundeskriminalamt ermittelt : Eckernförder in Kenia ermordet

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Physiotherapeut Peter Tuschke wurde in Ukunda Opfer eines Raubmords. Seine Schwester Ursula Arnautovic hat die grausame Tat miterlebt.

von
erstellt am 05.Nov.2015 | 14:51 Uhr

Eckernförde/Ukunda | Zehn Tage lang hat der Eckernförder Peter Tuschke seinen Urlaub bei seiner Schwester Ursula Arnautovic in Ukunda (Kenia) genossen. Strand, Wasser, die Menschen am Strand und in der Siedlung – es war wie immer: schön, fröhlich, entspannt. Mitten hinein in diese Urlaubsstimmung fiel der tödliche Schuss aus einer Kalaschnikow, abgefeuert von einem unbekannten Mörder am stockfinsteren Abend des 27. Oktober vor dem Haus von Ursula Arnautovic.

Ein Raubüberfall, denn das grüne Miet-Moped und der Foto-Rucksack von Peter Tuschke waren verschwunden. Der 59-Jährige lag blutend und mit einem Loch im Bauch auf dem Boden. Mit dem Wagen eines Nachbarn ging es im Höllentempo zum nahe gelegenen Privathospital, Peter Tuschke atmete noch, war aber nicht mehr bei Bewusstsein. Vermutlich hatte das Geschoss, das noch in seinem Körper steckte, die Bauchschlagader getroffen. Die Ärzte konnten ihn nicht mehr retten. Der einstige Kampfschwimmer und selbstständige Physiotherapeut aus Eckernförde starb im Krankenhaus. Am kommenden Montag wird seine Asche über den Flughafen Frankfurt nach Eckernförde überführt, die Familie – seine beiden Töchter und seine Schwester – hat anschließend eine Trauerfeier und Seebestattung geplant.

Peter Tuschke war offen, ging auf die Menschen zu, war interessiert am Leben der Afrikaner und hatte bei seinen mehrfachen Besuchen bereits viele Kontakte aufgebaut. Sei es am Strand mit den „Beach-Boys“, die Ketten, Bootsfahrten und Foto-Safaris anbieten, oder den Bewohnern der großflächigen Wohnsiedlung Ukunda, in der seine Schwester seit vier Jahren mit einem kenianischen Partner lebt. Seine freundlich-aufgeschlossene Art kam gut an bei den Menschen, erzählt Ursula Arnautovic. Die frühere Personalchefin der Damp Holding, die in Ukunda in direkter Nachbarschaft mit ihrem früheren Damp-Kollegen Gerd Blanke und seiner Frau Simone lebt und sich dort um die Waisenkinder im Upendo-Kinderheim kümmert, hat das Verbrechen hautnah miterlebt.

Waisenkinder des vom Ehepaar Gerd und Simone Blanke (hinten rechts) aus Damp gegründeten Upendo-Kinderheims trösten Ursula Arnautovic, Schwester des Ermordeten.
Waisenkinder des vom Ehepaar Gerd und Simone Blanke (hinten rechts) aus Damp gegründeten Upendo-Kinderheims trösten Ursula Arnautovic, Schwester des Ermordeten. Foto: Privat
 

Sie war im Haus, als ihr vom Strand kommender Bruder plötzlich ihren Namen rief. „Das macht er sonst nie.“ Der Grund stand drei Meter gegenüber des großen Metalltores, das Ursula Arnautovic daraufhin nach außen hin öffnete: ein Schwarzer im Schummerlicht mit einem Gewehr, einer russischen Kalaschnikow, wie sich später herausstellte. „In dem Moment hat es auch schon geknallt. Ich hatte das Gefühl, dass die Tür getroffen wurde, Peter stand dahinter. Ich habe sofort die Tür zugeschlagen, bin ins Haus gelaufen und hab mich zitternd in der Küche versteckt. Ich dachte, jetzt kommt der rein.“ Kam er aber nicht, stattdessen hörte sie draußen Stimmen. Als sie vor die Tür kam, sah sie Nachbarn und ihren Bruder bäuchlings auf dem Boden liegen. Bei der Polizei landete sie in der Warteschleife, eine Ambulanz gibt es nicht. Mit dem Nachbarn ging es dann sofort ins Privathospital. Ihr Bruder verstarb später an inneren Blutungen. „Peter hatte keine Chance.“

Der Raubmord an Peter Tuschke beschäftigt auch die Deutsche Botschaft und das Bundeskriminalamt. Auch die Regierung habe großes Interesse an der Aufklärung, berichtet Ursula Arnautovic, schließlich macht sich ein Mord an einem Weißen nicht gut für den Tourismus in Kenia. Der Druck und der Wille, den Mord aufzuklären, ist da, aber die Schwester des Opfers macht sich wenig Hoffnung. Dabei würde es ihr sehr helfen, wenn der Mörder ihres Bruder gefasst und verurteilt wird und lebenslang hinter Gitter kommt. Erkennen konnte Ursula Arnautovic die vermuteten beiden Täter nicht. Wie sie herausgefunden hat, soll ihr Bruder von einem Moped mit zwei Männer verfolgt worden sein. Sie vermutet, dass ihnen jemand einen Tipp gegeben hat, dass ihr Bruder in seinem Rucksack eine wertvolle Spiegelreflex-Digitalkamera mit Equipement dabei hatte. Rucksack mit Inhalt und auch das grüne Moped („Piki-Piki“) sind jedenfalls seit dem Mord verschwunden.

„Wir wollten noch drei Tage auf Foto-Safari und hatten noch viele Pläne. Am 7. November wollte Peter nach Eckernförde zurückfliegen“, sagt seine von der grausamen Tat und mehreren schlaflosen Nächsten gezeichnete Schwester. Sie wird nach der Bestattung Eckernförde und ihr Haus in der Altstadt wieder verlassen und nach Kenia, ihrem Lebensmittelpunkt, zurückkehren. Es wird ein anderes Leben sein, aber sie liebt nach wie vor Land und Leute und ist fest davon überzeugt, dass eine solche Tat unter anderen Umständen überall auf der Welt passieren kann. „Die Menschen in Kenia sind nicht schlechter als anderswo“, sagt Ursula Arnautovic.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert