Eckernförder Brücke nach Riga steht

Ojars Petersons hat das Projekt  entwickelt.
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Ojars Petersons hat das Projekt entwickelt.

Feierliche Einweihung des westlichen Brückenkopfes und Kunstwerks von Ojars Petersons am Strand / Lettischer Gegenpart lagert noch im Museum

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30. Juli 2014, 08:54 Uhr

Der Künstler selbst stand ganz bescheiden ein wenig abseits des Mikrofons und blickte freundlich in die Runde – und auf den von ihm entworfenen westlichen Brückenkopf am Eckernförder Strand, der sich dank der Eckernförder Baumeister und Fachfirmen Vosgerau & Retzlaff und Hass stabil und orange leuchtend Richtung Meer gen Osten reckt. Dort, über 1000 Kilometer entfernt in der lettischen Hauptstadt Riga, der Heimat des Bildhauers und Künstlers Ojars Petersons, liegt der östliche Brückenkopf noch säuberlich zerlegt im Depot des Nationalen Kunstmuseums und harrt seiner Errichtung an repräsentativer Stelle. Die beiden Brückenköpfe symbolisieren seit 1990 die Verbindung Schleswig-Holsteins und Lettlands, der kulturellen Partner von einst und jetzt mit dazwischen liegender feindlicher Blockbildung. Die Spaltung ist überwunden und die Kraft und Stabilität der neuen Brücken stehen gleichsam für eine möglichst dauerhafte Freundschaft und Kooperation der Anrainer am Mare Baltikum.

Gestern Nachmittag wurde die neue „Brücke über das Meer“ im Beisein des Künstlers Ojars Petersons eingeweiht. Petersons Pendant auf deutscher und Eckernförder Seite ist Norbert Weber. Der Galerist (Galerie Nemo) und Kunstschaffender im baltischen und skandinavischen Raum hat einst als international tätiger Kurator große Ausstellungen zusammengestellt und gilt als einer der besten Kenner der Kunstszene des Baltikums und des nördlichen Europas. Im finnischen Kotka war Weber 1989 als Kurator tätig und hat dafür gesorgt, dass Petersons Brücke dort nicht sich selbst überlassen blieb, sondern als symbolträchtige Großskulptur am Eckernförder Strand aufgebaut werden konnte. Der damalige Bürgermeister Klaus Buß leistete bei den entsprechenden Stellen wertvolle Überzeugungsarbeit, damit der Brückenkopf 1990 dann auch tatsächlich auf den Stranddünen aufgebaut werden konnte. Die jetzt eingeweihte Brücke ist Bauwerk Nummer 3, weil Wind und Wetter den ersten beiden Konstruktionen über die Jahre arg zugesetzt haben. Der neue Brückenkopf aus massiver Lärche soll die nächsten „50 bis 100 Jahre“ halten, wie Norbert Weber gestern auf der Düne sagte. „Wir werden die Brücke pflegen“, versprach er. Es sei damals faszinierend gewesen, Ojars Petersons bei der Arbeit zuzusehen. „Er hat die Brücke ganz allein gezimmert“. Sie sei das zentrale Bauwerk der damaligen Ausstellung gewesen und sei vom schwedischen Königspaar und weiteren Staatsgästen bewundert worden.

„Eckernförde ist stolz darauf, Besitzer der Brücke zu sein“, sagte die 1. stellvertretende Bürgervorsteherin Anke Göttsch. 1990 sei sie als „sichtbares Zeichen der Hoffnung“ errichtet worden, jetzt stehe das bis zu drei Meter hohe Kunstwerk – Kosten 25 000 Euro – für eine Verbindung ins Baltikum jenseits aller politischen Ideologien. Da nur die Brückenköpfe in Eckernförde und bald auch wieder in Riga sichtbar sind, müssten die Verbindungen in den Köpfen der Menschen entstehen und durch vielfältige Beziehungen gefestigt werden. „Die Brückenköpfe bedeuteten mehr, als auf den ersten Blick sichtbar ist“. Staatssekretär Eberhard Schmidt-Elsaeßer aus dem Kulturministerium war nicht nur angetan vom „netten Ambiente“ am Strand, sondern von der sinnbildlichen Bedeutung der beiden Brückenköpfe. Sie stünden für die gemeinsamen kulturellen Wurzeln Schleswig-Holsteins und Lettlands, für gegenseitiges Verständnis und Kooperation bis hin zur gemeinsamen Kulturförderung. Der Pressesprecher der Lettischen Botschaft in Berlin, Kaspars Adijans, lobte die wegweisende langjährige künstlerische Partnerschaft Petersons und Webers. Weber habe in Eckernförde „eine Insel der baltischen Kunst gebildet“. Er werde nun alles dafür tun, dass das Brücken-Pendant in Riga schnell wieder aufgebaut wird.

Zur großen Überraschung Freunde aller geladenen Gäste gab die Kremerata Baltica (ohne Orchesterchef Gidon Kremer) in der nahen Galerie Nemo ein kleines, aber um so feineres Konzert mit Werken von Schubert, Haydn und Pelecis. Den Auftritt hat das Ehepaar Karin und Hans Lucke vermittelt. Die Luckes haben ein freundschaftliches Verhältnis zu dem weltberühmten Orchester, das von Montag bis gestern in der Stadthalle geprobt hat.

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