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Philippinen : Eckernförder Arzt im Taifuneinsatz

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Wolfgang Müller-Wellensiek hat zehn Tage lang im Taifungebiet auf den Philippinen über ein deutsch-israelisches Projekt geholfen. 10 bis 14 Stunden am Tag hat er zwischen 100 und 200 Patienten untersucht.

shz.de von
erstellt am 18.Dez.2013 | 05:53 Uhr

Sein erster Eindruck war erschütternd. „Ich habe kein Haus gesehen, das nicht schwer beschädigt war“, sagt Dr. Wolfgang Müller-Wellensiek. Der niedergelassene Arzt aus Eckernförde ist vor kurzem mit einem deutsch-israelischen Hilfstrupp auf die Philippinen gereist, um den Opfern des schweren Taifuns zu helfen.

Wolfgang Müller-Wellensiek kam in der 200 000 Einwohner zählenden Stadt Ormoc an. „Obwohl die Stadt zerstört war, gingen die Einwohner zwischen den Trümmern ihrem Lebensunterhalt ganz normal nach.“ Die positive Lebenseinstellung der Menschen hat ihn sehr beeindruckt. Auf einem Plakat am Hafen stand „We lost our roof, we lost our home, but we didn’t loose our hope“ (Wir haben unser Dach verloren, wir haben unser Heim verloren, aber wir haben nicht unsere Hoffnung verloren). „Die Menschen waren nicht verzweifelt, alle waren sehr freundlich“, so Müller-Wellensiek.

Er hat in einem Team der Hilfsorganisation „Israid“ mit einem israelischen Arzt, zwei Krankenschwestern, einer Psychologin, einem Journalisten und einem Koordinator zusammengearbeitet. „Um akute Verletzungen ging es nicht mehr, dafür aber um Infektionskrankheiten.“ Jeden Tag ist er mit dem Team in ein anderes Dorf rund um die Stadt Ormoc gefahren, zwischen 100 und 200 Patienten pro Tag hat er untersucht, 10 bis 14 Stunden pro Tag. „Da war es wichtig, nichts zu übersehen.“ Seine Tätigkeit beschränkte sich auf Untersuchungen und medikamentöse Behandlungen.

Oft waren die Untersuchungsräume in zerstörten Gebäuden eingerichtet. Die Patienten warteten bis zu vier Stunden in der prallen Sonne. „Die Hälfte hatte banale Infekte wie eine Erkältung“, so der Arzt. Bei den anderen kamen ihm zum Teil Krankheitsbilder unter, die er nur aus dem Studium kannte, wie zum Beispiel die Bilharziose, die in Deutschland schon ausgerottet ist. Ein Mädchen wurde auf Kosten von Israid ins Krankenhaus in Ormoc überwiesen, wo es jedoch an seiner Infektion starb. Das Traurige: „Das Kind war zehn Tage zuvor schon einmal im Krankenhaus, wo ihm auch geholfen worden wäre. Aber die Familie musste die Behandlung selbst bezahlen und hatte kein Geld.“ Eine Krankenversicherung gibt es nicht.

Eines hat der Mediziner gelernt: „Man kann mit einfachsten Mitteln 80 Prozent der Probleme behandeln.“ Mit dem Praxisalltag zu Hause hat die Arbeit jedoch nichts gemein. Müller-Wellensiek: „Nach zehn Tagen ist man hier an seiner Grenze.“

Die Arbeit im Katastrophengebiet hat sein Leben bereichert. „Ich würde es wieder machen“, sagt er. Zum einen konnte er das tun, weshalb er einst sein Medizinstudium aufgenommen hat: Menschen helfen, die wirklich in Not sind. Zum anderen genoss er die Zusammenarbeit mit Israelis. „Deutsche und Israelis ergänzen sich – im Denken und im Handeln.“

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