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Stillstand oder Durchbruch : Eckernförde: Was passiert mit dem Kaiserhof?

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der traditionsreiche und unter Denkmalschutz stehende Kaiserhof verfällt zusehens. Zurzeit gibt es keine Gespräche zwischen Eigentümer und Stadtverwaltung.

shz.de von
erstellt am 30.Jan.2016 | 06:00 Uhr

Eckernförde | Es tut sich nichts am Kaiserhof. Es bröckelt von der Fassade, die Fenster sind teils mit Holzverschlägen zugenagelt, im Vorgarten des ehemaligen traditionsreichen, 1882 erbauten Hotels Bellevue liegen Unrat und Schutt. Ein Zustand, der schon seit Jahren anhält.

Vor zwei Wochen sperrte die Stadtverwaltung den öffentlichen Verbindungsweg, der vom Vogelsang am Borbyer Ufer direkt vorbei am Kaiserhof und am Lindenhof zur Bergstraße führt. Michael Mattner, Geschäftsführer der Firma Störtebeker Haus GmbH, seit 2011 Eigentümer der beiden Immobilien und des Grundstücks, wurde von der Stadt mittels einer Ordnungsverfügung aufgefordert, Sicherungsmaßnahmen vor allem an der westlichen Fassade und am Dachüberstand vorzunehmen und innerhalb eines Zeitfensters nachzuweisen – ansonsten drohe ein Zwangsgeld. Ein Vorgehen, das der Eigentümer nicht nachvollziehen kann.

„Wir werden Einspruch gegen diesen Bescheid einlegen“, erklärte Mattner auf Anfrage des sh:z. Er hätte sich gewünscht, dass die Verwaltung sich vor der Schließung des Weges mit ihm in Verbindung gesetzt hätte. „Jetzt geht das alles über den Rechtsanwalt“, so Mattner, was er sehr bedaure.

Seinen Worten zufolge sei sein Unternehmen der Sicherungspflicht nachgekommen und habe bereits am 20. November 2015 der Verwaltung statische Nachweise in Bezug auf das Gebäude erbracht. Allerdings räumte er den von Bürgermeister Jörg Sibbel in der jüngsten Bauausschusssitzung vorgebrachten Vorwurf der Stadt, Mattner als Hauseigentümer sei seiner Schneeräumungspflicht nicht nachgekommen, ein. Mittlerweile habe er einen neuen Vertrag mit einer entsprechenden Firma vereinbart, so der Eigentümer.

Das Vorgehen der Verwaltung, die Öffentlichkeit von der Wegsperrung zu informieren, bevor sein Unternehmen davon Kenntnis hatte, irritiert Mattner. „Es kann doch nicht sein, dass ein Unternehmen permanent in die Öffentlichkeit gestellt wird. Ich finde es ein bisschen Besorgnis erregend, dass Interna aus den Ämtern herausgehen“, so sein Kommentar.

2013 verhängte die Stadt eine Veränderungssperre über den Bereich. „Weil es einen hohen Veränderungsdruck wegen weiterer angekündigter Bauvorhaben gab“, erklärte Bürgermeister Jörg Sibbel. Sowohl Mattner als auch die Verwaltung sagten gegenüber der EZ, dass es unterschiedliche Auffassungen in Bezug auf die Sanierung des Kaiserhofes gegeben habe.

Mittlerweile herrscht Stillstand in der Kommunikation zwischen allen Parteien. Auch sei der Kaiserhof in der Prioritätenliste seiner Firma nach unten gerückt, so Mattner. Denn: „Die Sanierung des Kaiserhofes ist wirtschaftlich nicht gesichert. Das muss man ganz nüchtern sehen.“

Ursprünglich habe er geplant, mit der Neubebauung des Lindenhofes (Eigentumswohnungen) Geld zu verdienen, damit man den unter Denkmal stehenden Kaiserhof hätte sanieren können. Diese Vision habe er im Moment nicht mehr oder noch nicht, sagte der Eigentümer.

Mehrere Dinge müssten geklärt werden. Zum einen gestalte sich der von ihm jetzt für nötig befundene Wechsel des Architekten schwierig, zum anderen müssten wirtschaftlich sinnvolle Lösungsansätze in Gesprächen mit dem Gestaltungsbeirat und der Verwaltung gefunden werden. Mattner: „Ich beginne keine Baustelle, von der ich weiß, dass ich ins Minus rutsche.“

Obgleich er sehr wohl wisse, dass der Kaiserhof „eine tolle Perle und ein ganz wichtiges Vorhaben für Eckernförde ist.“ Zurzeit habe er Fachleute mit der Begutachtung des Gebäudes beauftragt, um mit konkretem Zahlenmaterial in Bezug auf die Sanierung in die nächsten Gespräche zu gehen. Die im März geplante Verabschiedung des Bebauungsplanes für den Bereich begrüße er, so Mattner.

„Es handelt sich um einen normalen Angebotsbebauungsplan mit Festsetzungen, der jedem anderen Bürger auch offensteht“, erklärte Bürgermeister Sibbel. Auf dieser Grundlage könne auch Herr Mattner einen Bauantrag stellen. „Bei uns werden alle Investoren gleich behandelt“, versicherte Sibbel.

Mattners Kritik in Bezug auf die Sperrung des Weges könne er nicht nachvollziehen. Die Stadt sei ihrer Sicherungspflicht im öffentlichen Raum nachgekommen, da Mattner als Gebäudeeigentümer seiner Verkehrssicherungspflicht nicht nachgekommen sei. „Da mussten wir zum Schutz der Passanten tätig werden“, so der Bürgermeister.

Seit 2005 steht das eingetragene Kulturdenkmal leer und verfällt zusehends. Sollte dieser Zustand noch Jahre anhalten und der dann zuständige Eigentümer trotz Aufforderung nicht aktiv werden, ermögliche das Gesetz dem Landesamt für Denkmalpflege in Ausnahmefällen sogenannte Ersatzmaßnahmen zu erlassen, erklärte Dr. Michael Paarmann, Landeskonservator für Denkmalpflege Schleswig-Holstein.

Wichtig sei, dass jede Gefahr für das Objekt abgewendet werde, so der Experte. Hier spiele aber die Frage der Zumutbarkeit in wirtschaftlicher Hinsicht für den Eigentümer eine große Rolle. Grundsätzlich gelte aber: „Nach dem Gesetz ist jeder Eigentümer verpflichtet, sein Kulturdenkmal zu erhalten“, so der Landeskonservator.

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