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Minentaucher der Marine : Eckernförde: Sprengmeister zu Wasser und an Land

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Seit 50 Jahren bekämpfen die Minentaucher der Marine explosives Treibgut – am Wochenende präsentierten sie in Eckernförde ihr Know-how.

Eckernförde | Die Ankertaumine treibt im Küstenbereich – ein Taucher erkundet vorsichtig das Objekt ohne es zu berühren, entscheidet sich für eine Sprengladung, um es zu vernichten. Das Szenario ist nur gespielt, der Ablauf jedoch real, als Minentaucher Obermaat Marcel Lueg (21) eine simulierte Sprengladung an den Minenkörper anbrachte, die per Fernzündung zur Vernichtung führte. Zahlreiche Zuschauer erlebten am Sonnabend von der Mole des Kranzfelder Hafens in Eckernförde die simulierte Sprengung mit, die zum 50. Jubiläum Bestandteil einer kleinen Leistungsshow der Minentaucher war.

Seit 1964 gibt es die Minentaucher, die bis 1991 als selbstständige Einheit geführt, dann gemeinsam mit den Kampfschwimmern zur Waffentauchergruppe wurden, ab 2003 sich als Spezialisierte Einsatzkräfte der Marine (SEK M) aufstellte und seit dem 1. April 2014 mit dessen Neuaufstellung beim Seebataillon eingegliedert sind. „Kein Job für jedermann“ attestiert Kompaniechef Kapitänleutnant Dennis Leukert (32) seinen Soldaten aus der Minentaucherkompanie. Anders als weite Teile der Bundeswehr waren die hoch spezialisierten Kräfte der kleinen Einheit aus Eckernförde seit Anbeginn vor 50 Jahren permanent im scharfen Einsatz, wenn es galt, Munition aus den beiden Weltkriegen in Nord- und Ostsee oder sonst wo auf der Welt zu beseitigen. Mit Einsatztauchtiefen bis zu 50 Metern werden die Minentaucher auch bei zivilen Einrichtungen um Amtshilfe ersucht. Beschränkte sich die Tätigkeit zu Beginn rein national, sind die Minentaucher der Deutschen Marine im Rahmen multinationaler Einsätze inzwischen weltweit unterwegs.

Nicht einmal 1000 Soldaten tragen seit der Gründung das begehrte Tätigkeitsabzeichen, denn die Ausbildung ist anspruchsvoll. Körperliche Fitness ist Grundvoraussetzung, technisches Verständnis, eingebettet in Physik und Chemie von Kampfmitteln gehört ebenso dazu, wie die psychische Stärke beim Umgang mit Munition. „Von 15 Bewerbern bleiben im Regelfall pro Lehrgang sechs bis acht übrig“, weiß Korvettenkapitän Mario Fink, Leiter Ausbildung. Viele scheitern an den körperlichen Ansprüchen, die immer weniger in der heutigen Gesellschaft vorhanden sind. Neben Munitionskunde ist es inzwischen mehr Technik, die von den 50 aktiven Minentauchern beherrscht werden muss und ebenfalls als Ausschlusskriterium gilt. Gut 100 Dienstposten gibt es im Bataillon, vor Ort sind 30 Stellen besetzt, die restlichen 20 verteilen sich auf die Flotte.

Fernlenkroboter oder Sonardrohnen sind inzwischen aus dem militärischen Alltag nicht mehr wegzudenken: „Unterwasserdrohnen dienen in erster Linie als verlängerter Arm und werden nicht zum Jobkiller, wie man vermuten könnte“, erläutert Fink. Ob es die Identifizierung ist, oder mithilfe einer Sonardrohne 2000 Quadratmeter Meeresboden pro Stunde abgesucht werden, Entscheidungen für geeignete Maßnahmen kann nur der Mensch treffen. Eindrucksvoll wurde dann auch die Vernichtung einer unbekannten Sprengladung an Land vorgeführt, bei der mittels eines Roboters ferngelenkt eine „Wasserkanone“ zum Einsatz kam. „Die Wirkung ist so schnell, dass ein Zünder keine Zeit zum Auslösen hätte“, beschrieb der Kommentator die Besonderheit.

Manch einer der Kameraden nutzte die Gelegenheit, der eigenen Familie oder Freunden etwas aus seinem Alltag zu zeigen. Ehemalige, schon länger im Ruhestand informierten sich über den Fortschritt: „Alles was wir aufgebaut haben, hat heute Bestand und seinen Wert“, resümierte Klaus Müller (75), ehemals Kapitänleutnant und einer, der von Anfang an mit dabei war.

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erstellt am 25.Aug.2014 | 07:57 Uhr

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