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Schiff auf dem Trockenen : Eckernförde: Niemand will die Ninive

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Stadtwerke haben das vernachlässigte Schiff aus Sicherheitsgründen aus dem Innenhafen heben lassen. Die Eigentümerfrage ist auch nach einem Jahr noch ungeklärt.

shz.de von
erstellt am 10.Dez.2015 | 07:08 Uhr

Die Ninive liegt auf dem Trockenen: Mittwochvormittag haben die Stadtwerke Eckernförde (SWE) als Hafenbetreiber den 25 Meter langen Zweimaster mit zwei Kränen aus dem Innenhafen an Land heben lassen. Auf dem Parkplatz neben der Lütten Werft wird der 26 Jahre alte Nachbau eines Lastenseglers aus dem 19. Jahrhundert erst einmal liegen bleiben, bis die Eigentümerfrage geklärt ist.

Das Schiff liegt seit 2011 im Innenhafen und wurde in dieser Zeit nicht bewegt. Im Januar dieses Jahres war es aus ungeklärter Ursache gesunken. Weil die Eigentümerfrage nicht kurzfristig geklärt werden konnte, pumpten Mitarbeiter der Stadtwerke und Angehörige des Technischen Hilfswerks bei Niedrigwasser das Schiff leer, das seither wieder an der Borbyer Seite des Innenhafens lag. Die Stadtwerke versuchten, Kontakt zum Hamburger Verein Belqis als vermeintlichem Eigner herzustellen. „Er lässt aber alle Post zurückgehen“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Dietmar Steffens.

Die Bergung des Schiffs hat Steffens nach Rücksprache mit der Polizei veranlasst, um „die Sicherheit im Hafen zu gewährleisten“. An Bord seien noch 900 Liter Betriebsstoffe wie Diesel und Öl, die bei der Havarie im Januar nicht ausgelaufen waren. „Und für die Schwimmfähigkeit des Schiffes liegt uns das angeforderte Zeugnis nicht vor“, so Steffens.

Deshalb hat er das Kieler Unternehmen Sünkler beauftragt, die Ninive aus dem Wasser zu heben. Zwei 220-Tonnen-Kräne waren ab 6 Uhr im Einsatz. Sie haben die beiden Masten aus dem Rumpf gezogen und schließlich den Bug gehoben. Er steht jetzt auf dem Parkplatz neben der Lütten Werft. Während das Schiff noch „am Haken“ hing, wurden passgenaue Halterungen aus Stahlträgern geschweißt, in denen die Ninive unbestimmte Zeit verbringen wird.

Der Parkplatz soll rund um das Schiff weiter nutzbar und auch die Zufahrt zur Werft gewährleistet sein. Allein die Hebeaktion durch das Unternehmen Sünkler kostet die Stadtwerke 12  000 Euro. Die gesamtbergungskosten schätzt Steffens die auf 15- bis 20000 Euro.

Dieses Geld möchte er vom Eigner des Schiffes erstattet bekommen, doch diesen überhaupt ausfindig zu machen, gestaltet sich schwierig: Im Seeschiffsregister am Amtsgericht Kiel ist der Förderverein Ninive nach wie vor als Eigentümer des Schiffes eingetragen.

Vorsitzender war der Eckernförder Skipper Rieke Boomgaarden. Seiner Aussage zufolge hat der Verein Ninive im Oktober 2014 das Schiff an den Hamburger Verein Belqis übertragen – mit notariellem Kaufvertrag und Übergabeprotokoll. Das sei seine letzte Amtshandlung für den Verein gewesen. Im Anschluss sei der Verein aufgelöst worden.

Im Schiffsregister ist das allerdings nicht verzeichnet, wie es vom Amtsgericht Kiel heißt. Was dort von den beiden Vereinen vorgelegt wurde, habe nicht ausgereicht, um die Eigentumsumschreibung zu vollziehen. Unter anderem sei das Schiff mit einer Hypothek belastet gewesen, und eine Löschungsbewilligung habe nicht vorgelegen. Zum anderen war das Schiff mit einer Eigentumsvormerkung (Vorverkaufsrecht) belastet. Der Betroffene hätte davon zurücktreten und das dem Amtsgericht gegenüber mitteilen müssen.

Allerdings könne das alles geschehen und dem Amtsgericht nur nicht mitgeteilt worden sein. Laut Rieke Boomgaarden hat der Verein Ninive alle Unterlagen schon im vergangenen Jahr beim Verkauf des Schiffes an den Verein Belqis übergeben und sich im Anschluss aufgelöst. Davon weiß im Vereinsregister in Kiel allerdings niemand etwas. Dort ist der Verein Ninive nach wie vor als aktiv registriert, allerdings mit einem anderen Vorsitzenden als Rieke Boomgaarden.

Fazit: Den einen Verein soll es gar nicht mehr geben, ist aber selbst ein Jahr nach seiner Auflösung immer noch als Eigner eingetragen. Der andere Verein dagegen kauft angeblich ein Schiff, um sich nicht drum zu kümmern und es im Hafen verrotten zu lassen. Mittendrin: die Stadtwerke als Leidtragende.

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