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Hochwasser, Klimawandel und Meeresspiegel : Eckernförde muss was tun, sonst droht Klein-Venedig

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Anstieg des Meeresspiegels bedroht langfristig die Innenstadt – vor allem wenn Hochwasser dazu kommt. Nur 0,5 Meter mehr hätten fatale Folgen für Eckernförde.

shz.de von
erstellt am 13.Mär.2015 | 16:20 Uhr

Eckernförde | Eckernförde profitiert von seiner Wasserlage, die Menschen schätzen den langen Sandstrand und das Leben am Hafen. Probleme gibt es hin und wieder, wenn Oststürme die Wellen über die Kaimauer peitschen und den Strand überfluten. Wenn allerdings schwere Sturmfluten anrauschen wie 1872, wird’s lebensbedrohlich, das sind allerdings sehr seltene Phänomene.

Noch – denn im Zeitalter des Klimawandels und der globalen Erwärmung nehmen die extremen Wetterlagen und damit auch die Sturmfluten zu. Bedeutsam für Eckernförde: der Meeresspiegel steigt. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist ein deutlicher Meeresspiegelanstieg zu beobachten, der allein im 20. Jahrhundert bei etwa 17 Zentimeter lag. Der durchschnittliche Meeresspiegelanstieg im Zeitraum von 1901 bis 2010 wird im Fünften Weltklimabericht aus dem Jahr 2013 mit 19 Zentimetern angegeben. Seit 1993 steigt der Meeresspiegel um durchschnittlich 3,2 Millimeter pro Jahr. Einige Forschungsergebnisse lassen bis zum Jahr 2100 sogar einen Meeresspiegelanstieg von mindestens einem halben bis zu zwei Meter erwarten.

Das Szenario bei HW 200 + 30 cm: Weite Teile der Innenstadt wären bei Hochwasser überflutet.
Das Szenario bei HW 200 + 30 cm: Weite Teile der Innenstadt wären bei Hochwasser überflutet. Foto: Brunsendorf

Ein um 0,5 Meter höherer Meeresspiegel hätte im Falle eines Hochwasser von 2,25 Meter über Normal Null (1872 lag der Pegel bei 3,15 Meter über NN) fatale Folgen für Eckernförde. Das geht aus der aktuellen Masterarbeit des angehenden Wasserbau-Ingenieurs Christian Brunsendorf hervor, die er an der TU Hamburg-Harburg eingereicht hat. Eckernförde ist einer der von ihm untersuchten Standorte. Brunsendorf hat drei Szenarien dargestellt und dabei die Überflutungssituation für die Innenstadt mit dem Referenzwert HW 200 (Hochwasser, wie es alle 200 Jahre eintreten kann) bei einem Meeresspiegelanstieg von 30, 60 und 90 Zentimeter berechnet und grafisch dargestellt. Schon bei einem Anstieg von 30 Zentimetern, der rechnerisch in weniger als 100 Jahren erreicht werden könnte, wären weite Teile der Innenstadt überflutet – bei glatter See ohne Wellengang. Entsprechend drastischer sind die Szenarien bei 60 und 90 Zentimeter. Michael Packschies aus dem Bauamt hat diese Szenarien im jüngsten Umweltausschuss vorgestellt, um auf den Handlungsdruck hinzuweisen und rechtzeitig mögliche Gegenmaßnahmen in die Wege leiten zu können. Gegebenenfalls müssten die Planer schon bei der Nooröffnung entsprechende Überlegungen anstellen.

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