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Dienst an Silvester : Eckernförde: Im Einsatz für Patienten, Bürger und Gäste

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Auch in der Silvesternacht muss gearbeitet werden: So laufen die Schichten in der Klinik, im Streifenwagen und im Taxi. „Ich fühle mich zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, sagt Rot-Kreuz-Schwester Kathja Kniffka.

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erstellt am 30.Dez.2015 | 19:20 Uhr

Eckernförde | Ab dem 4. Advent tritt jedes Jahr eine festliche Ruhe ein. Weihnachten und der Jahreswechsel verlangsamen das öffentliche Leben spürbar. Viele Beschäftigte haben Urlaub. Und dennoch oder gerade deshalb: In den Geschäften, Restaurants und Freizeiteinrichtungen boomt es. Gerade im Bereich Handel und Dienstleistungen wird jetzt jede Hand gebraucht. Aber auch im Krankenhaus und bei der Polizei müssen Feiertagsdienste besetzt werden. Eine ganz besondere Atmosphäre.

Kathja Kniffka ist Rot-Kreuz-Schwester und arbeitet auf Station 17 der Imland-Klinik. Angestellt ist die erfahrene Krankenschwester bei der DRK-Schwesternschaft Elsa Brandström in Flensburg, ihren Dienst am Menschen versieht sie seit über 30 Jahren in der Eckernförder Klinik. Und das sehr gerne, wie sie sagt.

Das rote Kreuz an ihrem Schwesternkittel weckt vor allem bei den vielen älteren Patienten auf ihrer Station positive Erinnerungen an Hilfsbereitschaft vor allem in der Kriegs- und Nachkriegszeit. Die Station 17 ist gut gefüllt, über 30 Patienten werden dort behandelt – Herz-Lungen-Erkrankungen, Diabetes, Tumorerkrankungen. Die richtige Pflege und die menschliche Zuwendung sind für die überwiegend älteren Patienten besonders wichtig.

Und die bekommen sie bei Kathja Kniffka und ihren Kolleginnen und Kollegen. „Schlimm wäre es, wenn die Patienten leiden müssen, aber das muss hier keiner, das können wir versprechen“, sagt die Eckernförderin. Heute hat sie „zum x-ten Mal“ Nachtdienst in der Silvesternacht. Für Kathja Kniffka überhaupt kein Problem, im Gegenteil: Sie schätzt den Dienst zum Jahreswechsel und zieht ihn jedes Jahr dem zu Weihnachten vor. „Ich bin kein Partygänger, und meine Kinder sind erwachsen“, begründet sie ihre Entscheidung. Um dann aber sehr nachdenklich und überzeugend die wahre Begründung nachzuschieben: „Ich fühle mich zur rechten Zeit am rechten Ort.“

Um Mitternacht geht Kathja Kniffka durch alle Zimmer und schaut nach den Patienten. Einige, wie Ruth Hein, schlafen dann bereits, aber viele bleiben bewusst wach, um den Jahreswechsel zu erleben. „Ich wünsche Ihnen allen dann ein frohes und gesundes neues Jahr“, sagt die Rot-Kreuz-Schwester, die in dieser Nacht allein Stationsdienst hat. Ihr Wunsch fürs neue Jahr: Zwar wüssten die Patienten die Arbeit der gut geschulten Mitarbeiter auf der Station zu schätzen, aber von den Angehörigen wünscht sich Kathja Kniffka mitunter ein wenig mehr Geduld und Anerkennung.

Der Jahreswechsel ist auch für die Polizeibeamten ein besonderer Dienst. Christiane Kuhn-Rybarczyk und Jens Edert, die in diesem Jahr zum Eckernförder Team dazugestoßen sind, bereiten sich innerlich auf ihre erste Silvester-Nachtschicht in Eckernförde vor, die von 18.30 bis 6.30 Uhr dauern wird. Diese Nacht, in der besonders viele Menschen zusammenkommen und besonders viel Alkohol fließt, ist eine der arbeitsintensivsten im ganzen Jahr. „Da ist schon wesentlich mehr los“, sagt Jens Edert.

Daher haben auch zwölf statt der üblichen sieben bis acht Polizisten Dienst, für ein Gebiet von Altenholz bis Owschlag, von Groß Wittensee bis Schönhagen. Das bedeutet drei Einsatzfahrzeuge fürs Umland und drei für Eckernförde. Langweilig wird der Hauptmeisterin und dem Oberkommissar heute Nacht sicher nicht, die Liste der Einsätze, die im Regelfall die Silvesternacht begleiten, ist lang: Sachbeschädigung, Körperverletzung, Beleidigungen, Diebstähle, Lärmbelästigungen – „bunt gefächert mit einer Häufung an Silvester. Und immer ist der Alkohol das eskalierende Moment“, sagt Jens Edert.

Im Schnitt kommen auf die Polizeibeamten 30 bis 35 Einsätze in der Silvesternacht zu. Und auch die beiden Gewahrsamzellen im Keller der Polizeistation dürften wieder belegt werden. Wenn das nicht reicht, werden die Täter beziehungsweise Volltrunkenen nach Rendsburg gefahren.

Auch die Silvesterknallerei unterliegt festen Regeln, auf die die Polizei zu achten hat. Knallkörper der Klasse 2 wie Chinaböller dürfen erst ab 18 Jahren gezündet werden, die leichtere Klasse 1 wie Knallteufel ab 12 Jahren. Das Silvesterfeuerwerk ist nur in der Zeit vom 31. Dezember, 00.00 Uhr bis 1. Januar um 23.59 Uhr gestattet.

Außerdem gibt es Sperrzonen wie Krankenhäuser oder Friedhöfe. „Wir versuchen, um 00.00 Uhr auch einen ruhigen Moment abzupassen und dann alkoholfrei anzustoßen“, sagt Christiane Kuhn-Rybarczyk, für die der Silvesterdienst „kein Problem“ ist., obwohl „‚Weihnachten wesentlich ruhiger ist“.

In der Werkstatt von Taxiruf Eckernförde herrscht Hochbetrieb. Inhaber Wolfgang Ottenberg hat seine gesamt Flotte vor der umsatzstärksten Nacht noch einmal checken lassen. „In dieser Nacht darf nichts schiefgehen, die Kunden vertrauen uns, und das können sie auch“, sagt Ottenberg. Kfz-Mechaniker Thomas Konrad verpasst gerade einer E-Klasse neue Bremsscheiben, auch die Reifen müssen top sein, in der Neujahrsnacht soll es glatt werden. 21 Taxen und damit fast seine gesamte vergrößerte Flotte nach der Übernahme von Taxi Ipsen hat Wolfgang Ottenberg heute im Einsatz.

Und die sind gefragt wie nie: „Wir sind von 2 bis 6 Uhr dicht“, sagt Michaela Kursch, Disponenten und rechte Hand des Chefs. Anmeldungen sind für diese Zeit – 20 pro halbe Stunde werden angenommen – so gut wie nicht mehr möglich, Taxikunden können aber dennoch die bekannten Nummern 2000, 3000 oder 5000 anrufen, sie müssen sich nur auf längere Wartezeiten einstellen. Die 21 Taxen werden in dieser Nacht rund 10.000 Kilometer fahren.

Wolfgang Ottenberg sitzt Silvester wie übrigens auch Weihnachten selbst am Steuer und hat in den Lokalen seine Handynummer hinterlegt – er versucht in dieser Nacht alles, um die Fahrgäste zufriedenzustellen. „Wir sind Dienstleister. Wenn die Leute einen schönen Abend hatten, bringen wir sie sicher nach Hause, dafür sind wir da.“ Ottenberg lobt seine 112 Mitarbeiter – davon 85 Fahrer –, und die kultivierten Fahrgäste. Selbst Frauen könnten in Eckernförde nachts am Taxi-Steuer sitzen, ohne Übergriffe befürchten zu müssen. Vier Frauen, darunter auch Michaela Kursch, haben Dienst in der Silvesternacht.

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