zur Navigation springen

Weichenstellung für Tourismus : Eckernförde: Hotel-Investoren haben Exer im Fokus

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Eckernförde Touristik und Marketing GmbH hat eine Hotelstudie mit drei Varianten für einen Hotelneubau auf dem Exer vorgestellt. Notwendige Vorleistung der Stadt: der Bau einer Seebrücke.

Eckernförde | Eckernförde hat die Wahl: Soll das wirtschaftliche Standbein Tourismus weiter ausgebaut und sollen mehr Übernachtungsgäste ins Ostseebad geholt werden? Dann müssen die seit 2008 bestehenden Hotel-Neubaupläne auf dem Exer in Verbindung mit dem Bau einer neuen Seebrücke umgesetzt werden.

Im Unterschied zu den Vorjahren gibt es nun ein konkretes Interesse von Investoren, in Eckernförde einzusteigen. Oder soll nach sieben Jahren des Wachstums mit zahlreichen Investitionen in die touristische Infrastruktur erst einmal eine Atempause eingelegt und neu über den Stellenwert des Tourismus in Eckernförde nachgedacht werden?

Vor dieser bedeutsamen Weichenstellung steht die Politik. Ein erster Aufschlag in dieser sicher noch intensiv zu führende Debatte erfolgte am Montagabend im Finanzausschuss. Der tagte diesmal im Technik- und Ökologiezentrum in der Marienthaler Straße unter der Leitung von Ralph Krüger (CDU).

Bevor der Geschäftsführer der Eckernförde Touristik und Marketing GmbH (ETMG), Stefan Borgmann, auf die touristischen Kennzahlen und die in Auftrag gegebene Hotelstudie einging, verortete Bürgermeister Jörg Sibbel das angestrebte Hotel- und Seebrückenprojekt im Gesamtzusammenhang.

Bereits im 2008 von der Ratsversammlung beschlossenen städtischen Rahmenplan wird ein Hotelbau auf dem Exer vorgeschlagen. Es gab auch Gespräche, nur bisher keinen Ansiedlungserfolg. Und genau das könnte sich in Kürze ändern – es gibt ernsthaftes Interesse von Hotelbetreibern, die in Eckernförde investieren möchten. Vorausgesetzt, die Stadt wertet das touristische Umfeld mit dem Bau einer Seebrücke weiter auf. Bevor jetzt Nägel mit Köpfen gemacht werden, müsse man grundsätzlich klären, wie sich der Tourismus künftig in Eckernförde entwickeln soll, sagte Sibbel: dynamisch wie bisher, oder erst einmal innehalten und den Status Quo erhalten?

Der Bürgermeister, der in erster Linie die gute Arbeit der ETMG mit Borgmann an der Spitze sowie die Aufwertung der Promenaden, des Hafens und die Innenstadt durch die Stadt als Gründe für den touristischen Aufschwung nannte, verdeutlichte, dass für eine touristische Weiterentwicklung weitere Investitionen in die touristische Infrastruktur unumgänglich seien.

Andererseits müsse man sich die Frage stellen, welche Zuwächse Eckernförde noch verkraften könne. „Wenn wir weitere Potentiale heben wollen, müssen wir auch negative Auswirkungen in Kauf nehmen.“

Touristik-Chef Stefan Borgmann nannte Zahlen und hatte von 2008 (seinem Dienstbeginn) bis August 2015 ausschließlich jährliche Steigerungsraten im meist zweistelligen Bereich zu verkünden. Die Zahlen betreffen die gesamte Region rund um die Eckernförder Bucht. Buchungen: von 1000 auf 4600 (+ 13 % gegenüber August 2014), Umsatz: von 580.000 auf 2,3 Millionen Euro (+ 21 %), Gäste (nur Eckernförde): von 36.000 auf 54.000 (+ 8 %), Übernachtungen (nur Eckernförde): von 126.500 auf 200.000 (+16 %). 73.000 Übernachtungen gehen auf das Konto von Ferienwohnungen und Zimmern, 107.000 Übernachtungen gehen auf das Konto der zehn Hotels und Pensionen ab zehn Betten.

In der vorgelegten Hotelstudie des steg-Planungsbüros aus Hamburg werden vier Varianten für das 6750 Quadratmeter große Exer-Grundstück vorgestellt:

> Die am ausführlichsten dargestellte Variante 1 hat als Referenz das Beach Motel St. Peter Ording. Vier zweigeschossige Baukörper mit Staffelgeschoss – entspricht etwa der Höhe des danebenliegenden Stadthotels mit 70 Zimmern – in Drei- oder Vier-Sterne-Qualität mit 165 bzw. 100 Zimmern und 340 oder 200 Betten. Die Bruttogeschossfläche beträgt 8400 Quadratmeter. Die 225 bis 335 zum Großteil öffentlichen Parkplätze müssten in die zu bauende Tiefgarage verlegt werden.

> Variante 2 fußt auf dem Hotel The Park 9 Residence und hat eine Bruttogeschossfläche von 10.220 Quadratmeter.

>Variante 3 sieht eine Doublette des Stadthotels mit einer Bruttogeschossfläche von 8400 Quadratmetern vor.

> Variante 4 ist ein großer Hotelbau analog des Hotels „a ja“ in Warnemünde – und ist ausdrücklich nicht gewünscht.

>Seebrücke: Die potentiellen Hotelinvestoren machen den Ausbau einer attraktiven öffentlichen Infrastruktur in Form einer Seebrücke zur Voraussetzung ihrer privaten Investition. „Will man das oder nicht?“, fragte Borgmann in die Runde. Die grob skizzierte Seebrücke mit einem Vorplatz vor dem Hotel würde etwa 180 Meter lang sein und rund 135 Meter in Wasser hineinragen. Kosten: rund zwei Millionen Euro. Eine 60-prozentige Förderung wäre möglich, der städtische Eigenanteil läge dann bei 800.000 Euro.

Finanziert werden könnte die Seebrücke über zehn Jahre durch die Kurabgaben, die bei einer 80-prozentigen Hotelauslastung (100 Zimmer) pro Jahr 80.000 Euro betragen würde. Außerdem hätte die Stadt liquide Mittel aus dem Grundstücksverkauf Exer. Borgmann zeigte ein gelungenes Beispiel einer Seebrücke in Fischform aus Niendorf, in die Gastronomie, Shops und eine Anlegestelle für kleine Schiffe integriert ist. Borgmanns Gegenüberstellung:

>Pro: Einnahmen (Exer-Verkauf, Kurabgaben), neue Arbeitsplätze, touristisches Highlight, neue Zielgruppen, verbesserte Marktposition.

>Contra: Mehr Verkehr und Touristen, Parkplatz Exer als Tiefgarage, Eingriff in die Natur, Kosten für die Seebrücke.

Bürgermeister Jörg Sibbel wies auf die große Nachfrage für die Ausrichtung von Kongressen und Ziel von Busreisen hin, die derzeit in Eckernförde wegen fehlender Hotelbetten nicht abgedeckt werden könnten. „Wir können nur wachsen, wenn wir mehr Betten haben“, sagte Borgmann. Und die Politik: Karin Himstedt (CDU) rückte den qualitativen Aspekt in den Mittelpunkt. „Das scheint mir eine schlüssige Idee“.

Martin Klimach-Dreger (SPD) sprach ebenfalls von einer „Qualitätslücke“, die mal schließen müsse. „Der Exer ist eine sehr interessante Lage, die man nicht als Stellplatz dahinvegetieren lassen darf. Und bei der Seebrücke müsse man sehen, „wie sie hineinpasst“. Man sollte weiter darüber nachdenken. „Nein sagen kann man zu einem späteren Zeitpunkt immer noch.“

Die Fraktionen werden das Thema Hotel und Seebrücke beraten und sich in der nächsten Sitzung positionieren.

 

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 16.Sep.2015 | 06:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen