Historischer Anblick : Eckernförde: Das Wahrzeichen kehrt zurück

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Nach über sechs Monaten Sanierung ist der Dachreiter von St. Nicolai zurück. Über 200 Bürger wollten am Dienstag sehen, wie der 7 Tonnen schwere und 19 Meter lange Kirchturm durch die Luft schwebte.

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07. März 2018, 05:33 Uhr

Eckernförde | Ein historischer Tag für die Kirchengemeinde St. Nicolai, ein besonderer Tag für Eckernförde – gestern Vormittag ist der Dachreiter der Kirche nach über einem halben Jahr Sanierung wieder auf seinen angestammten Platz auf dem Dach des Gotteshauses zurückgekehrt. 450 Jahre schaute das Wahrzeichen der Stadt auf die Bürger hinab, bevor er am 31. August 2017 zwecks Instandsetzung auf die Erde geholt wurde.

 

Nie zuvor konnten Handwerker diesem historischen Bau so nahe kommen. Gratsparren, Teile des Kaiserstiels sowie insbesondere die Spitze und Einzelteile der horizontalen Hölzer wurden ausgewechselt. Die Dachhaut wurde ausgetauscht, Kupfer in Stehfalzdeckung wurde wieder angebracht. Die Zimmerarbeiten wurden von der Zimmerei Schäfer, die Dacheindeckung von der Dachdeckerei Hass erledigt.

Nach Beendigung der Sanierungsarbeiten und dem vorherigen Anbringen der restaurierten goldenen Kugel und des ebenfalls überholten Wetterhahnes durch die Kieler Metallrestauratorin Corinna Krömer war gestern „ein einmaliger historischer Tag in der Geschichte des Gotteshauses“, wie Pastor Dirk Homrighausen in der kurzen Feierstunde in der Kirche zu Beginn der spektakulären Aktion sagte. Passend zu dem besonderen festlichen Ereignis sorgte der St.-Nicolai-Morgenchor für den entsprechenden musikalischen Rahmen, wurden kurz vor der Aktion die beteiligten Handwerker für ihre besondere Arbeit an diesem historischen Bau gewürdigt.

Das Interesse der Bevölkerung war groß – über 200 Männer, Frauen und Kinder wollten den schwebenden Kirchturm sehen – ein Anblick, der mehr als Seltenheitswert hat. Kranführer Siegfried Autzen der Firma Wille Krane GmbH aus Kiel bewies Augenmaß, ging es doch um Maßarbeit. Der Wettergott meinte es sehr gut: Zu dem Zeitpunkt herrschte kein Wind, und die Sonne brachte das Kupferdach zum Funkeln, so dass der Dachreiter wie eine Rakete wirkte, nur dass diese im Zeitlupentempo in rund 50 Metern Höhe schwebte.

Und dann der spannende Moment – gelang es, den 7 Tonnen schweren und 19 Meter langen Dachreiter passgenau in den vorgegebenen Schwellenkranz zu setzen? Ein historischer Moment für Pastor Homrighausen und Bauleiter Dietrich Fröhler – letzterer wirkte ganz ruhig und sicher: „Der obere und der untere Schwellenkranz sind völlig identisch. Dank einer computergesteuerten Abbundanlage liegen die Löcher direkt übereinander.“

16 Gewindestangen mit einer Länge von je einem Meter sollen mindestens für die nächsten 100 Jahre für einen stabilen Stand des Achtecks sorgen. Die Stangen sind aus verchromten Edelstahl und daher unanfällig für Rost. Bei der Sanierung des Dachreiters habe man entdeckt, dass das Holz in der oberen Dachspitze besonders von Fäule und Verrottung betroffen gewesen sei, so Architekt Fröhler. Dagegen soll in Zukunft eine neue Konstruktion helfen. „Vier neue Abluftöffnungen sorgen für eine Durchspülung der Luft, so dass eine Holzfäule nicht mehr so schnell eintritt“, so Fröhler.

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