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Traurige Entwicklung : Eckernförde: „Aus“ für Blindenhund Afra

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Freilaufende Hunde machen Blindenhündin Afra das Leben schwer. Es kommt immer wieder zu Konflikten. Die Halterin gibt ihren Hund deswegen ab und steigt auf den Stock um.

Eckernförde | Für Nicole Döhring ist ihre Hündin Afra mehr als ein Haustier. Der Labrador zeigt ihr, wo es langgeht, er führt die 36-Jährige um Hindernisse herum und an Zebrastreifen heran, denn Nicole Döhring ist blind. Afra ihr speziell ausgebildeter Blindenführhund.

Und genau den muss sie morgen weggeben. Es ist zwar ihre eigene Entscheidung, aber sie sieht keine Alternative. „Die meisten Besitzer lassen ihre Hunde ohne Leine laufen“, hat sie die Erfahrung gemacht – zumindest in dem Bereich, in dem sie spazieren geht. „Oft laufen die Tiere dann auch mich zu, was ich hören kann. Afra entwickelt einen Schutzinstinkt, weil sie merkt, dass ich Angst bekomme und bellt die Hunde an.“

In solchen Momenten hört die Hündin nicht mehr auf Befehle. Die freilaufenden Hunde werden dann ebenfalls aggressiv, manchmal kommt es zum Kampf. „Es ist noch nie etwas Schlimmes passiert“, sagt Nicole Döhring, „aber es war schon manchmal kurz davor.“ Die Reaktion der Hundebesitzer sei unterschiedlich. Einige zeigten sich freundlich und verständnisvoll, andere gingen einfach weiter. Immer wieder aber komme es auch zu Beschimpfungen der übelsten Sorte, Beleidigungen aufgrund ihrer Behinderung.

Dabei gibt es klare Regelungen, wie man einem Blindenführhund begegnet. Diese beinhalten zum Beispiel, dass andere Hunde an die Leine genommen werden müssen. Der Hundehalter hat dafür zu sorgen, dass sein Hund den Blindenführhund nicht lange anbellt oder ihn angreift, sondern ihn zügig passiert.

Blöd nur: Viele Hundebesitzer kennen diese Regeln nicht. Voraussetzung ist natürlich, dass blinde Menschen mit ihren Hunden zu erkennen sind. Bei Nicole Döhring ist das kein Problem: Sie trägt bei Spaziergängen eine weithin sichtbare gelbe Warnweste, und auch Afra trägt eine Kenndecke in Orange.

Nicole Döhring hat die Konsequenzen aus dem Erlebten gezogen: Morgen gibt sie Afra in eine Pflegefamilie in der Nähe Kiels. „Ich habe zu große Angst, dass mir oder dem Hund etwas passiert“, sagt sie und will sich künftig mit dem Blindenstock orientieren. Das bedeutet für sie eine Einschränkung der Lebensqualität, denn der Stock kann einen ausgebildeten Hund nicht ersetzen.

Auch die Trennung von Afra als Familienmitglied fällt ihr und ihrem Mann schwer. Allerdings wäre sie unvermeidbar gewesen: Im Oktober ist Afra zehn Jahre alt und damit im Rentenalter für Blindenführhunde. „Die Krankenkasse würde mir einen jüngeren Hund finanzieren, das Futter und die Tierarztkkosten für Afra müsste ich dann selbst bezahlen. Und das Geld habe ich nicht.“

Nicole Döhring bringt es nichts mehr, wenn die Menschen auf das richtige Verhalten mit Blindenführhunden aufmerksam gemacht werden, „aber vielleicht anderen blinden Menschen, die als Gäste nach Eckernförde kommen.“

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erstellt am 26.Aug.2015 | 06:51 Uhr

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