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Schwindelerregende Höhe : Eckernförde aus der Vogelperspektive

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Thomas Sternberg arbeitet in 50 Metern Höhe / Kraneinsatz an der Hafenspitze noch bis zum Herbst / Ein Job für Spezialisten

Eckernförde | Thomas Sternberg an seinem täglichen Arbeitsplatz: Unter seinen Füßen befindet sich eine Glasscheibe, durch die er 49 Meter in die Tiefe blicken kann. Direkt vor seinen Augen entfaltet sich das Panorama von Eckernförde – das Noor, Dächer, Kirchtürme, der Hafen, darin unzählige Boote, und die weite Ostsee. Der Arbeitsplatz des 50-Jährigen ist die Kanzel des Baustellenkrans an der Eckernförder Hafenspitze, der weit über die Dächer der Stadt hinausragt. Wohn- und Geschäftsräume sollen hier im Zuge des zweiten Bauabschnittes aller Voraussicht nach bis zum Ende des Jahres entstehen. Das erste Appartementhaus wurde im Frühjahr 2014 fertiggestellt.

150 Stufen überwindet Thomas Sternberg Tag für Tag, um seinen Arbeitsplatz in schwindelerregender Höhe zu erreichen. Die Aussicht am Ende der Leiter lässt ihn mittlerweile jedoch unbeeindruckt: „Das sehe ich nicht mehr. Man freut sich vielleicht die ersten Tage, wenn man auf die neue Baustelle kommt, dann wird es Alltag“, sagt Sternberg gelassen.

Eineinhalb Tage hat der Aufbau des 50 Meter hohen und zwei Jahre alten Krans gedauert. Allein die Last am Fuß des Gerüstes beträgt 80 Tonnen. Mit seinem 60 Meter langen Ausleger kann Thomas Sternberg bis zu acht Tonnen Gewicht von einem Punkt der Baustelle zum anderen transportieren. „Je kürzer der Ausleger, desto größer kann auch die Last sein“, erklärt der Mecklenburger aus Krakow am See. Mit zwei Joysticks an den Armlehnen seines Sitzes manövriert er die „Katze“ – ein fahrbares Bauteil zur Lastenaufnahme am Ausleger – vor und zurück. Dabei arbeitet er hauptsächlich auf Sicht. Durch die Glasfront seiner Kanzel überblickt der Kranführer die gesamte Baustelle.

Eine Ladung Beton trifft ein: Per Funk informiert der Vorarbeiter Thomas Sternberg, an welcher Stelle die angelieferte Masse gebraucht wird. Binnen Sekunden schwenkt der Kranführer den Ausleger über das Betonmischfahrzeug und lässt über die Katze den Haken herunter. Diesen befestigen die Kollegen am Boden an dem mit Beton gefüllten Silo. „Wenn das Silo voll ist, wird es bis zu vier Tonnen schwer“, erklärt Thomas Sternberg, während er die Last am Haken vorsichtig in etwa sechs Meter Höhe hebt. Anschließend schwenkt er den Ausleger über die Baufläche zu den Vouten – Erdrinnen, in denen die Bohrpfähle für das Fundament einbetoniert werden. „Das Gebäude steht später im Grunde nur auf diesen Pfählen.“ Sternberg lässt seine 800 Kilogramm schwere Fracht behutsam über der Voute herunter. Hier öffnen seine Kollegen einen Auslass am Silo, so dass der Beton langsam ausströmen kann. Mit viel Fingerspitzengefühl manövriert Sternberg in 49 Meter Höhe das Silo langsam über der Rinne entlang, so dass sich die dickflüssige Masse gleichmäßig verteilt. Sobald das Betonsilo leer ist, transportiert er es zum erneuten Befüllen zurück zum Betonmischer.

Nach 24 Jahren berichtet der Baumaschinist unaufgeregt von seinen Erlebnissen in der Kanzel. „Es kommt vor, dass der Blitz einschlägt, aber solange man hier drin sitzt, kann ja nichts passieren.“ Auf dem Ausleger hätten auch schon Krähen genistet, „aber es war im Sommer und zu heiß. Die Kleinen haben es nicht überlebt.“

Im Schnitt ist Thomas Sternberg acht bis zu neun Monate auf einer Baustelle. Er war mit seiner Firma schon auf Sylt, in Bremen und in Hamburg. In Eckernförde ist er zum zweiten Mal: „Eckernförde ist wirklich schön. Es hat das gewisse Flair.“ Trotzdem kehrt der Familienvater jedes Wochenende zurück nach Krakow am See. „Eine Frau und eine Tochter, das ist alles, was man zum Leben braucht.“

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erstellt am 01.Apr.2015 | 06:30 Uhr

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