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Hochseeangeln : Eckernförde: Auf Dorsch-Tour mit 30 Dänen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Dynastischer Wettstreit auf hoher See: Die Dorschsaison lockt alljährlich eine Gruppe dänischer Angelfreunde nach Eckernförde.

shz.de von
erstellt am 21.Feb.2015 | 17:43 Uhr

Eckernförde | Es ist frühmorgens im Hafen von Eckernförde. Gerade ist die Sonne aufgegangen, Möwen kreisen über dem Wasser. Eigentlich ist alles wie immer, bis plötzlich ein Geräusch durch die zwei Grad kalte Morgenluft dringt, das man im Eckernförder Hafen nicht oft hört: Jagdhörner.

Søren (56), Peter (61) Helge (62) und Frede (66) Bojsen sind vier Brüder aus Jütland und Nordschleswig. Seit drei Jahren kommen die Dänen während der Dorschsaison zum Hochseeangeln nach Eckernförde. Ihr alljährlicher Männertag auf dem ehemaligen Kriegsfischkutter von Claus Lutz ist aber kein Sonntagsausflug, er ist von männlich-sportlichem Ehrgeiz motiviert. Während der sogenannten „Torsketur“ (Dorschtour) befinden sich etwa 30 Angler auf der „Simone“. Angeführt von je einem Bojsenspross treten vier Anglergruppen nun schon im dritten Jahr in einem Wettstreit um die Ehre gegeneinander an. Nach etwa sieben Stunden Hochseeangeln auf der Ostsee, unterbrochen nur durch eine Mittagspause bei Erbsensuppe und Wurst, werden am späten Nachmittag die Gewinner und Verlierer der Torsketur gekürt.

Die dänischen Männer sind Landwirte und Jäger. Auf Jagdhörnern läuten sie traditionell die „Dorsch-Jagd“ mit „Hallali“ sowie „Jagt velkomst“ ein und beenden sie auch auf diese Weise mit „Jagt vorbi“. Auch das Geburtstagskind Per Tœkker (71) und die Erbsensuppe werden mit einem Ständchen auf den Jagdhörnern bedacht. Im vergangenen Jahr haben die Männer über 250 Fische gefangen. Dass 90 Prozent davon Seelachs waren, spielt für sie keine Rolle. „Angeln und Jagen sind sich ähnlich, es ist beides nicht vorhersehbar“, erklärt Helge Bojsen.

Peter Bojsen ist seit 26 Jahren leidenschaftlicher Hochseeangler. Vor drei Jahren hat er Claus Lutz über das Internet gefunden. In Dänemark, erzählt er, hätten die Brüder bisher im großen und im kleinen Belt, auf der Apenrader Förde oder im Öresund geangelt. „Aber dänische Fischerboote sind viel zu klein. Und Lutz hat ein so schönes Schiff.“ Fritz Carstens (60) fügt hinzu: „Und die Erbsensuppe ist gut. Außerdem gibts hier Flens.“ Die 30 Männer verlassen sich blind auf die Erfahrung von Fischermeister Claus Lutz (64). Schon mit sieben Jahren half er seinem Vater beim Fischen. Er weiß, wo die Fischgründe liegen, kennt die Vorlieben des Dorschs genau. „Das ist mein Revier hier.“

Etwa eine halbe Stunde vom Hafen entfernt, stoppt er die Maschinen der „Simone“ über einem Schiffswrack aus dem Ersten Weltkrieg und gibt das lang erwartete Signal. Bis zu diesem Moment standen die Männer mit ihren Angeln an der Reling – jetzt werfen sie zum ersten Mal die Pilker, Metallköder in Fischform, ins kalte Wasser. Doch der ersehnte Fang bleibt aus. Bootsmann Heiko Möller gilt als „Alibi-Angler“. „Wenn der nichts am Haken hat, gibt es auch keinen Fisch“, erklärt Karl Hansen (58). Heiko Möllers Pilker bewegt sich an diesem Tag nicht. Claus Lutz ist unzufrieden, denn die „Simone“ steht auf der Stelle, die Strömung fehlt. Der Drift sei aber unerlässlich: „Der Dorsch ist ein Kannibale, er frisst den Laich seines Nachbarn. Darum ziehen sie sich auseinander. Stillstand ist nicht effektiv, da fängst du maximal einen Fisch.“ Das nächste Ziel des gelernten Maschinenbauers ist eine ehemalige Förderplattform, etwa 1,5 Seemeilen vor der Küste. Dort beißen die ersten Dorsche. Claus Lutz wird an diesem Tag weitere Fischgründe anlaufen, doch die Bilanz der dänischen Angler bleibt unter dem gesteckten Ziel von mindestens 250 Fischen. Der Kapitän der „Simone“ ist unruhig: „Mich treibt ja auch ein gewisser Ehrgeiz, die Kunden sollen schließlich zufrieden sein.“ Und diese Truppe sei immer sehr angenehm, betont er. Was Claus Lutz aber entgeht: Seine Kunden haben durchaus ihren Spaß an diesem Tag. Geburtstagskind Per Tœkker bringt es auf den Punkt: „Scheißegal, ob wir was fangen. Wir wollen es immer so weitermachen. Die Gemütlichkeit ist wichtig.“

Helge Bojsens Sohn Thomas (36) ist mit dem größten Dorsch (1,48 Kilogramm und 56 Zentimeter) des Tages der Gewinner der diesjährigen Torsketur und bekommt als Prämie eine Flasche Gammeldansk. Peter Bojsen wird zum offiziellen Pechvogel des Tages erklärt. Abends auf dem Heimweg werden sie weiterfeiern, sagt Fritz Carstens. Er weiß schon jetzt, im nächsten Jahr kommen sie wieder, „weil es ein Vergnügen ist. Nur Skifahren ist schöner.“

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